Kinojahr 2025

Das Positive zuerst: Das Filmjahr 2025 war ein deutlich besseres als das mittelprächtige Vorjahr. Wenn allerdings von 61 Kinobesuchen nur 47 auf neue Filme fallen, wobei auch noch 14 Wiederholungssichtungen abgezogen werden müssen, dann spricht das nicht unbedingt für qualitative Breite. Immerhin waren 12 davon absolut sehenswert.

Andererseits ist es auch schön, vermehrt alte Klassiker und Perlen einmal oder wieder auf der großen Leinwand zu sehen (wo sie hin gehören). Dieser Trend kann gerne ausgebaut werden.

Aber genug geschwafelt, kurz und knackig:

 

TOP (10-8)

1 F1

In Story, Dramaturgie und Figuren stark an „Top Gun: Mavericvk“ angelehnter Formel 1-Kracher, der mit spektakulären Rennszenen und einem fantastischen Sounddesign aufwarten kann. Mit Brad Pitt sitzt der andere noch verbliebene Filmsuperstar im Cockpit und rast ähnlich erfolgreich der Angepasstheit und Stromlinienförmigkeit der Gegenwart davon. Ein Blockbuster alter Schule und vor allem deshalb sehenswert. (9,5/10)

 1 Weapons

Der neue Horror-Guru Zach Cregger schnürt nach „Barbarians“ die nächste Wundertüte und liefert beim Genre-Triumvirat aus Spannung, Atmosphäre und Sounddesign gnadenlos ab. Die clever arrangierte Kapitelstruktur gepaart mit elegischen Cinemascope-Aufnahmen hievt das Mystery-Drama meilenweit über die Horror-Konkurrenz mindestens des aktuellen Kinojahres, (9,5/10)

3 One battle after another

Regie-Nerd Paul Thomas Anderson geht in die Offensive. Mit Superstar Leonardo DiCaprio und einem groß aufspielenden Sean Penn vor restaurierten Vista Vision Kameras, entfesselt er ein enorm unterhaltsames und überraschend humorvolles Konglomerat aus bissiger Gesellschaftssatire, spannendem Actionthriller und zu Herzen gehenden Familiendrama.  (8,5/10)

4 Like a complete unkown

Faszinierendes Biopic über die frühen Jahre der Folk- und Rocklegende Bob Dylan, in dem Timothy Chalamet eine grandiose audiovisuelle Metamorphose gelingt, die zudem den Menschen hinter der geheimnisvollen Starpersona sichtbar werden lässt, ohne dabei ihre Rätselhaftigkeit zu entzaubern. (8,5/10)

5 Blood & Sinners

Orgiastischer Mix aus Horror-, Gangster-, Action- und Historien-Film von Blockbuster-Regisseur Ryan Coogler, der die DNA afroamerikanischer (Musik-)Kultur in einem Mainstream-Rahmen verhandelt, den er permanent sprengt. Fulminant. (8,5/10)

 6 Superman

James Gunn gelingt die lang ersehnte Frischzellenkur im staubig-drögen DCU mit einem popartigen Geniestreich. Sein Superman ist bunt, witzig, schräg und grundsympathisch. Der Muff der Snyder-Ära wirkt wie aus einem längst vergessenen Paralleluniversum. (8,5/10)

 

FINE (8/10)

7 Ballerina

Gewohnt stylisches, einfallsreiches und druckvolles Dauerfeuerwerk aus dem Hause John Wick, bei dem Ana de Armas als titelgebende „Ballerina“ eine ausgezeichnete Figur auf dem Action-Parkett macht.  (8/10)

8 Predator: Badlands

Nach Dan Trachtenberg beweist auch in seinem zweiten Sequel aus dem Predator-Kosmos sein untrügliches Gespür für DNA und Essenz der Serie. Wie bei PREY bläst er mit vergleichsweise radikalen Ideen – der Predator als Held im Kampf gegen nicht-menschliche Gegner – ordentlich frischen Wind in das Franchise. (8/10)

9 Der Graf von Monte Christo

Kongeniale Umsetzung der berühmtesten Revenge-Story der Literaturgeschichte, die mit elegischer audiovisueller Wucht, famosen Darstellern und einer perfekt getakteten Dramaturgie dem klassischen Abenteuerkino eine moderne Referenz erweist. (8,5/10)

10 Juror #2

Die vermeintlich letzte Regiearbeit Clint Eastwoods bestätigt noch einmal die Ausnahmestellung der Filmlegende. Das unprätentiös inszenierte Justizdrama besticht durch kluge Sezierung menschlicher Moral-Dilemmata und einen kritischen Blick auf systemische Schwächen des amerikanischen Rechtssystems. Selbstreflexive Denkanstöße für den Zuschauer gibt es gratis dazu. (8/10)

11 Caught Steeling

Regisseur Darren Aronofsky findet in dieser Hommage an seine Heimatstadt NYC endlich wieder zu alter Form zurück. Die gekonnt zwischen Heiterkeit, Melancholie und Brutalität sowie zwischen Thriller, Krimi und Drama mäandernde Milieustudie wird durch ihren gewohnt charismatischen Hauptdarsteller Austin Butler nicht nur zusammen gehalten, sondern zusätzlich aufgewertet. (8/10)

12 Thunderbolts*

In seiner Fokussierung auf menschliche Empfindungen und praktische Effekte unerwartet effektiver und kompakter Superheldenfilm aus dem zuletzt arg orientierungslos wirkenden Marvel-Universum. Eine klar erkennbare Erdung, eine starke Darstellerriege sowie eine konsequent durchgezogene Düsternis nähren die Hoffnung auf eine erfolgreiche Kursänderung. (8/10)

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NOT BAD (7/10)

13 Tron: Ares

Auch der dritte TRON-Film ist ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, bei dem die redundante und wenig tiefschürfende Science-Fiction-Handlung kaum stört. Die Industrial-Rocker Nine Inch Nails liefern einen fantastischen Score, der den temporeichen Film kongenial vertont und vorantreibt. Ein Film für Fans und die große Leinwand. (7/10)

14 The Accountant 2

Sequel des Sleeper-Hits um einen autistischen Doppelberufler, das einen lockereren Ton anschlägt und durch seine Buddy-Movie-Ausrichtung neue Facetten der Hauptfigur offenlegt. Mit Ben Affleck und Jon Bernthal als ungleiches Brüderpaar passgenau besetzt. (7/10)

15 Jurassic World: Die Wiedergeburt

Siebter Ableger der profitablen Saurier-Saga, der sich wieder mehr an Steven Spielbergs Original orientiert. Das gelingt vor allem hinsichtlich Cast, Optik und Rhythmus, in punkto erzählerischer und charakterlicher Tiefe hat das durchaus unterhaltsame Sequel aber noch Spielraum zur Optimierung. (7/10)

16 Drop – Tödliches Date

Ein Film, der schmerzlich bewusst macht, wie sehr dem Kino das in den 90ern so populäre Thriller-Kino fehlt. Eine zwar überzeichnende aber ungemein spannende und unterhaltsame Genre-Perle für den kleinen Hunger zwischendurch.  (7/10)

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 OKAY

17 The Running Man

Neuauflage des dystopischen Schwarzenegger-Klassikers nach Stephen King, die zwar ambitionierter und vorlagentreuer daherkommt, aber aufgrund Edgar Wrights plakativer und angestrengter Regie weniger Spaß macht. Immerhin unterstreicht Glen Powell erneut seine Leading Man Qualitäten und empfiehlt sich für weitere Action-Aufgaben. (6,5/10)

18 Nobody 2

Sequel der erfolgreichen Action-Komödie von 2021, die ähnlich böse, schrill, brutal und cartoonesk daherkommt. Das formelhafte Skript wird durch die bestens aufgelegten Darsteller um Bob Odenkirk und Connie Nilsen weitestgehend wett gemacht. (6,5/10)

19 Mission Impossible: The Final Reckoning

Ethan Hunts vermeintlich letzte Mission verläuft holpriger als gewohnt. Eine nachträgliche serielle Klammer sowie eine zu elaborierte Hommage an Reihe und Star gehen auf Kosten lieb gewonnener DNA-Stränge. Aber wenn es zur MI- Kernkompetenz kommt, geben sich Cruise und Co keine Blöße. Spektakulärere Stunts in Ausführung, Choreographie und Unterhaltungswert wird es auf Jahre hinaus nicht mehr geben. (6,5/10)

20 Fantastic Four: First Steps

Erfrischend altmodischer Superheldenspaß, der auf familiäre Werte, ein fantastisches, retrofuturistisches Design und Everybody´s Schauspiel-Darling Pedro Pascal setzt. In Handlung und Botschaft ein wenig zu simpel, ist der bewusst positive Anstrich dennoch auch für Marvel der richtige Schritt in zunehmend unsicheren Superhelden-Zeiten. (6,5/10)

21 Ich weiß, was du letzten Somme getan hast

Neuauflage des Teenie-Slasher-Hits von 1997, die ähnlichen Stärken und Schwächen wie das Vorbild aufweist und ebenfalls besser ist als sein Ruf. Nicht ganz die Frischzellenkur wie beim Reboot des Genre-Flaggschiffs „Scream“, aber auch dieses Schicksal teilt er mit dem Original. (6,5/10)

22 Karate Kids: Legends

Reboot der durch „Cobra Kai“ zu neuen Kult-Ehren gelangten „Karate Kid“-Saga, die wenig neues zu erzählen hat, das aber charmant und mit einer ordentlichen Nostalgie-Brise bewerkstelligt. Auch wenn ein neuer Kämpfer den Ring betritt und sich dort mehr als wacker schlägt, ist das eigentliche Highlight das Bonding der betagten Senseis Ralph Macchio und Jackie Chan. (6/10)

23 A working Man

Eines muss man Jason Statham lassen, er hält als einziger die Fahne des puristischen Actionfilms hoch. Da verzeiht man ihm auch mal wieder einen minder begabten Regisseur und ein austauschbares Drehbuch. 6/10

24 Good Fortune

Fluffige Dramödie mit Fantasy-Topping, die die gesellschaftlichen Ungleichheiten in Los Angeles so amüsante wie charmante Weise zugleich anprangert und offenlegt. Keanu Reeves als Engel und Seth Rogen als Tech-Millionär nehmen sich eine Auszeit von knallharter Action und überdrehter Comedy sorgen für eine durchgängig entspannte Feelgood-Stimmung. 6/10

25 Die drei ??? – Der Karpatenhund

Gelungene Adaption des Hörspiel-Klassikers mit Liebe zu Detail und Fan-Erwartungen. Ein erkennbar konstruiertes USA-Setting und das nicht immer natürliche Spiel mancher Darsteller trüben den Spaß aber ein ums andere Mal.  6/10

26 Avatar: Fire and Ash

Dritter Pandora-Ausflug von Blockbuster-Garant und Meisterregisseur James Cameron, der allerdings unter verblüffender Ideenarmut und erzählerischer wie dramaturgischer Redundanz leidet. Die erneut bahnbrechenden visuellen Effekte sowie kompetent inszenierten Actionszenen können diese Defizite nicht ausreichend kaschieren. (5,5/10)

27 Die nackte Kanone

Unterhaltsamer aber überflüssiger Zwitter aus Sequel und Reboot des anarchischen Komödien-Klassikers, bei dem der spätberufene Actionstar Liam Neeson ungeahnte komödiantische Fähigkeiten offenbart, ohne aber die Meisterschaft seine Vorgängers Leslie Nilson ernsthaft angreifen zu können. 5,5/10

28 Criminal Suqad 2

Sequel zum Testosteron-Kracher von 2018, das den rauen Action- und Proll-Primat des Vorgängers in Richtung Heist-Thriller und mondäner Exklusivität verschiebt. Der dadurch entstehende Druckabfall wird immerhin von der Buddy-Chemie zwischen Gerard Butler und O’Shea Jackson junior abgefedert. (5/10)

29 The Amateur

Zweiter Film, der die Lücke des mittelpreisigen Thriller-Kinos zu schließen versucht, aber nicht über solide Genre-Kost hinauskommt. Dem interessante Cast um Rami Malek und Laurence Fishburne wären eine cleverer konstruierte Handlung und mehr Figurentiefe zu wünschen gewesen. 5/10

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FLOP

30 Captain America: Brave new world

Marvels Versuch über einen geerdeten Ansatz nach dem Vorbild des entsprechend geadelten zweiten Captain America-Abenteuers in die Erfolgsspur zurückzufinden, verpufft weitestgehend in einer Dunstglocke aus Redundanz und Beliebigkeit. Der im Film an den Titelhelden gerichtete Satz „Sie sind nicht Steve Rogers“ bringt dabei das zentrale Dilemma des Films ungewollt auf den Punkt. (4,5/10)

31 Mickey 17

In seiner thematischen Ausrichtung zu oberflächlich und seiner kritischen Anlage zu zahnlos geratene SiFi-Satire auf aktuelle, sozial-gesellschaftliche Missstände. Von „Parasite“-Macher Bong Joo-ho darf man angesichts einer lediglich relativ unterhaltsamen Dystopie-Groteske durchaus enttäuscht sein. (4/10)

32 28 years later

Mit plakativer Gesellschaftskritik, optischen Gimmicks und einer kruden, langweiligen Handlung nervendes zweites Sequel zum Zombie-Klassiker von 2002, dessen derbe Gewaltspitzen ähnlich gewollt wirken, wie die Verwendung eines Smartphones als Kamera. Danny Boyles Rückkehr zu seinen frühen Horror-Tagen ist damit mehr Ärgernis als Ereignis. (3/10)

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Außer Konkurrenz 1: Wiederaufführungen

 

5 Mal 9,5-10 Punkte und damit besser als alles ab Platz 3:

 

1 The Breakfast Club (1985)

Noch immer der beste Teenie-/Highschool-Film aller Zeiten (10/10)

2 Der weiße Hai (1975)

Noch immer DIE Blaupause für den modernen Blockbuster (10/10)

3 Zurück in die Zukunft (1985)

Noch immer der beste Spielberg-Film, den er nicht selbst inszeniert hat (10/10)

4 Halloween (1978)

(Keiner kann mehr Atmosphäre mit so wenigen Mitteln wie John Carpenter (9,5/10)

 5 Cliffhanger (1993)

Moch immer bester Die Hard-Flm außerhalb der Reihe (mit Sly Stallone) (9,5/10)

6 Sieben (1995)

Serienkiller-Meilenstein mit Vorbildcharakter (9/10)

7 Fargo (1996)

Paradebeispiel für das Coen-Genre (8/10) 

8 Red Heat (1988)

Keiner kann mehr Lakonie als Walter Hil (mit Arnold Schwarzenegger) (8,5/10)

9 Schöne Bescherung (1989)

Man muss Chevy Chase mögen, dann wird man reich beschenkt (8/10)

10 Sie leben (1988)

Große Spätform von John Carpenter (8/10)

11 Lola rennt (1998)

Deutscher Klassiker mit Altersspuren (6,58/10)

12 Star Wars Episode 3 – Die Rache der Sith (2005)

Später TikTok-Ruhm des immerhin besten Prequels (6/10)

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Außer Konkurrenz 2: Special Interest

1 Depeche Mode: M

Visuell berauschendes Konglomerat aus drei Mexico-City Konzerten der Memento Mori-Tour, das mit Schnipseln zum mexikanischen Totenkult sowie der dortigen Fankultur ein faszinierendes Gesamtkunstwerk ergibt. (8,5/10)

2 Taylor Swift: Fate of  Ophelia Album Release

Mehr Werbevideo als Musikfilm, das allerdings interessante Anekdoten zu den neuen Songs bereithält, die zudem vom Sounddesign der Kinosäle profitieren. (6/10)

 

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