The Equalizer 2 (2018)

„Ein Stoiker sieht rot“

Denzel Washington ist auch als Mann fürs Grobe immer die Seriosität in Person. Der Selbtsjustizthriller „The Equalizer“ lieferte dafür vor vier Jahren mal wieder den schlagenden Beweis. Als Geheimagent im Ruhestand widmete er sich dort von Gesellschaft und Justiz verlassenen Mitbürgern. Für deren Peiniger bedeutete das aber keineswege die bloße Offenlegung ihrer Schandtaten, vielmehr fanden sie sich urplötzlich vor dem jüngsten Gericht wieder, das in Form eines gnadenlosen Rächers wie eine Urgewalt über sie kam. Washington spielte diesen Racheengel als stoischen Kontrollfreak, dessen sanftmütiges Alltagswesen zum herben Kontrast zu seiner Vigilanten-Persona stand.

Der Film war seinerzeit sehr erfolgreich, was angesichts der Krise des puristischen Actionfilms überraschte, vor dem Hintergrund einer in vielen westlichen Gesellschaften zunehmenden Sehnsucht nach der stringenteren Durchsetzung von Recht und Ordnung aber mindestens einen plausiblen Erklärungsansatz bietet. Der Vigilantismus in all seinen Schattierungen und Ausformungen ist nach seiner filmischen Hochphase in den 70er und 80er Jahren jedenfalls schon länger wieder erkennbar präsenter – nicht nur im modernen Blockbusterkino Hollywoods. Maßgeblich für den Erfolg des „Equalizer“ war aber ganz sicher auch die bewährte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Antoine Fuqua und Denzel Washington. Der Experte für hartes Männerkino und sein Äquivalent für charismatische Helden hatten ihre symbiotische Beziehung schon im Cop-Drama „Training Day“ und im Western-Remake „Die glorreichen Sieben“ äußerst fruchtbar ausgelotet. Bei so viel Passgenauigkeit darf dann auch mal das beidseitige Credo nie eine Forstetzung drehen zu wollen über Bord fliegen. „The Equalizer 2“ zeugt von dieser Sinneswandlung, die vor allem Actionfans erfreuen dürfte.

Also hat der ehemalige Eliteagent und behördliche Auftragskiller Robert McCall noch immer nicht seinen inneren Frieden gefunden, was den Bostoner Bürgern die sich nicht selbt helfen können durchaus zugute kommt. Als Taxichauffeur gerät McCall an zahlreiche Opfer diverser Gewalt, die gewissermaßen als Kartharsis für seinen altestamentarischen Gerechtigkeitssinn fungieren. In der ersten Filmhälfte werden wir so mehrfach Zeugen von McCalls blutigem Selbstfindungstrip. Fuqua lässt hier den Geist der TV-Vorlage aus den 1980er Jahren wieder aufleben, verzettelt sich dabei aber auch im für dieses Format typischen episodischen Erzählen. Die verschiedenen Handlungsstränge sind in ihrer Gesamtheit nicht nur aufgrund des ersten Films redundant, sondern stehen auch dem Hauptplot etwas im Weg, neben dem sie mehr herlaufen, als dass sie ihn vorantreiben.

Denn eigentlich geht es diesmal nicht um eine Zufallsbekanntschaft, deren ausweglose Situation den brachialen Beschützer auf den Plan ruft. Der Mord an seiner langjährigen Freundin und Geheimdienstmentorin Susan könnte persönlicher nicht sein, zumal McCall dabei von seiner CIA-Vergangenheit eingeholt wird. So hat man zeitweise das Gefühl zwei Filme zu sehen, was den Film dramaturgisch zerfahrener wirken lässt als den in dieser Hinsicht deutlich geschlosseneren Vorgänger. Auch hat man mit TV-Star Pedro Pascak (u.a. „Game of Thrones“) einen Widersacher, der den Chrisma- und Gefährlichkeits-Vergleich mit Vorgänger Marton Csoka einigermaßen klar verliert. Dass diese Umstände nicht deutlicher ins Gewicht fallen, liegt an Washingtons erneut ungemein intensiven Spiel, das den mönchsgleichen Killer zu einem faszinierenden Charakter formt, dem man stundenlang zusehen könnte.
Dazu gelingen Fuqua auch hier enorm druckvolle Gewalteruptionen, in denen McCall mit eiskalter Präzision und Professionalität seine Gegner ausschaltet. Das hat aufgrund der höheren Schlagzahl und der weniger fokussierten Handlung nicht mehr ganz die Wucht des Originals, ist aber immer noch in punkto Choreographie und Inszenierung weit über dem Genredurchschnitt. Insbesondere das apokalyptische Finale, in dem McCall auf einer evakuierten, sturmgepeitschten Insel zum Showdown lädt, zeugt von Fuquas Gespür für nihilistische Brutalität.

Natürlich ist McCall auch eine Spielart des heute so omnipräsenten Superhelden, dem im Prinzip kein Widersacher gewachsen ist. Dank der grimmigen Inszenierung Fuquas und Washingtons vielschichtiger Darstellung fiebert man als Zuschauer aber ungleich intensiver mit, als bei den Kollegen von Marvel und Konsorten. So sehr Robert McCall die Züge eines Comicbook-Charakters tragen mag, so wenig ist davon auf der Leinwand zu spüren. Am Ende von „Equalizer 2“ wirkt auch der düstere Rächer erstmals mit sich im reinen. Für einen dritten Teil muss das aber kein Hindernis sein, für Helden wie McCall gibt es immer Bedarf. Zumindest im Kino.

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(Rating: 7,5 / 10)

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