Criminal Squad (2018)

„Hitzige Muckibude“

Eine große deutsche Kinokette veranstaltet regelmäßig sogenannte „Männerabende“. Dort gibt es dann verbilligte Hopfen-Getränke, ein Zielgruppen-orientiertes Hochglanzmagazin für lau, vor allem aber einen Film, der hoffentlich besonders dazu animiert, den oder die besten Kumpel weg von Tresen und Couch, hin vor die Leinwand zu locken. In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger dafür adäquates Material zu finden, daran hat auch das letzte Afbäumen von Sylvester und Arnold vor dem endgültigen Ruhestand nicht viel ändern können. Um so schöner, wenn dann mal ein Produkt zur Verfügung steht, das wie eigens für die exklusive Veranstaltung entwickelt scheint.

Im Kino: „Criminal Squad“ (von Christian Gudegast)

Der Aufschrei war vorprogrammiert. Da liefern sich zwei aufgepumpte Alpha-Viecher einen zweistündigen Hahnenkampf um das vermeintlich größere Gemächt. Zwar stehen sie offiziell auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes, aber weder in Punkto Optik, noch hinsichtlich Auftreten und Habitus sind sie groß voneinander zu unterscheiden. Hier bezeichnet sich der Coprudel-Führer ganz ironiefrei als „Bad Guy“ und folgt der Gangster-Boss einem selbst gebastelten Ehrenkodex. Derweil trieft das Testosteron förmlich von der Leinwand, auf der man sich permanent mit großen Gesten und noch größeren Wummen in genußvoll zelebrierte Poser-Duelle stürzt. Da bleiben natürlich ganz schnell Legionen von gängigen Konsumenten-Gruppen auf der bleihaltigen Strecke. Feingeister, Feminist(inn)en und v.a. eingefleischte Anhänger der PC-Bewegung werden sich mit Grausen abwenden. Auch nicht schlecht, wird der Rest sagen, dann sind wir wenigstens unter uns.

„Criminal Squad“ lässt die Macho-Sause „Fast & Furious“ wie ein gesellschaftspolitisches Crossover-Idyll aussehen. Frauen sind nicht einmal als Staffage sonderlich relevant und die Männer entsprechen nur einer ganz bestimmten Ausprägung ihrer Gattung, nämlich der, die ihren Status im wesentlichen über Verweildauer und Anstrengungen in der Muckibude definiert. Die antrainierte Masse dient nur dem einen Zweck, den Gegner einzuschüchtern. Zeigt der sich dennoch unbeeindruckt, dann wird die Knarre gezogen. Das ist selbst für die feuilletonistischen Redaktionen volksnaher Blätter oder Seiten restlos vermintes Gebiet, das man am sichersten mit Abscheu umgeht. Tja, schade eigentlich, denn bei enstprechender Laune und Einstellung kann man gerade ob der im Minutentakt abgefeuerten Machismo-Salven ordentlich Spaß haben.

Oberflächlich betrachtet mag der Film kompeltt ironiefrei daher kommen, aber kann man eine solch exaltierte Goggelei wirklich ernst nehmen? Falls nein, ist ein launiger Kinoabend garantiert, sofern zumindest ein rudimentäres Faible für das männliche Körperkino vorhanden ist.
Gerard Butler hat sich ja schon als Spartanerkönig in ur-männlichen Posen und Sprüchen geübt, ist also so etwas wie eine Traumbesetzung. Nick – seine Cop-Kumpels nennen ihn bezeichnenderweise „Big Nick“ – O´Brian ist ein Leonidas 2.0, ein Charisma-Bolzen, dem sein treu ergebenes Cop-Rudel blindlings und schießfreudig in jede Schlacht folgt. Er ist in jeder nur erdenklichen Art auf Krawall gebürstet und lebt diese brüllige Attitüde offensiv aus. Sein Gegner hat eine ähnliche Raubtier-Ausstrahlung, tritt aber insgesamt besonner und überlegter auf. Ein sichtlich auftrainierter Pablo Schreiber verpasst dem Bankräuber-Mastermind Ray Merrimen immerhin die nötige Rauhbein-Präsenz, um gegen Butler einigermaßen bestehen zu können.

Interessanterweise lauert unter der Oberfläche des reinen Prolo-Wettstreits ein recht cleverer Heist-Thriller. Merrimen und seine Männer mögen aussehen wie wandelnde Knacki-Klischees, ihre kriminellen Ambitionen spielen ganz klar in der Oberliga. Ihr aktuelles Ziel ist kein geringeres als die Federal Reserve Bank in L.A. und die angepeilte Beute bewegt sich im achtstelligen Bereich. Deshalb ist ihnen auch die härteste Spezialeinheit der Stadt auf den Fersen, bei der ebenfalls eine überaus deutliche Diskrepanz zwischen äußerem Erscheinungsbild und beruflichen Qualitäten besteht. Der Film setzt sogar weit mehr auf seinen Bankraub-Plot als exzessive Actionszenen, die lediglich zu Beginn und am Ende den dann allerdings donnernden Ton angeben.

Vieles erinnert also an Michael Manns Genre-Meilenstein „Heat“. Vom minutiös geplanten großen Coup, über ein paar geschickt platzierte Twists, bis zum gnadenlosen Duell zweier fokussierter Vollprofis und dem Setting in den weniger fotogenen Gegenden von Los Angeles sind die Gemeinsamkeiten fast schon aufreizend offensichtlich. Obwohl „Criminal Squad“ sicher meilenweit vom Klassiker-Status des Mann-Films entfernt ist, wäre eine bloße Abstempelung zum „Proleten-Heat“ auch nicht fair. Mann entwickelt ein hochinteressantes Psychogramm nicht nur seiner beiden Antihelden, sondern auch der dunklen Seite der Stadt der Engel und des American Way of Life, wesentlich untersützt von Score und Kamera.

Regienovize Christian Gudegast mag das Vorbild bewundern und sich davon inspiriert haben lassen, sein Film aber verfolgt ganz andere, wenn man so will deutlich weniger ambitionierte Ziele. Ob er wirklich pures Testosteron in Bilder gießen wollte, kann nur er beantworten. Das jedenfalls ist die Essenz dieses Cop-Heist-Action-Thrillers und es ist so ziemlich die einzige. Wem das zu wenig, oder zu doof ist, der sei hiermit ausdrücklich gewarnt. Wer aber „300“ noch immer cool findet – aus welchen Gründen auch immer -, der ist hier ganz sicher nicht verkehrt. Die Frau oder Freundin durch Gerstensaft ersetzen, könnte aber auch nicht schaden. Nur so als Tipp.

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