{"id":59,"date":"2017-11-19T07:24:26","date_gmt":"2017-11-19T07:24:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=59"},"modified":"2017-11-20T18:20:34","modified_gmt":"2017-11-20T18:20:34","slug":"thor-tag-der-entscheidung-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=59","title":{"rendered":"Thor &#8211; Tag der Entscheidung (2017)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Gib dem Hammer Zucker!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chris Hemsworth war gelangweilt von seiner Rolle als Hammerschwingender Donnergott Thor. Und das v\u00f6llig zu recht. Dem vielversprechenden, weil selbstironischen und Popart-mythologischen Auftakt von Shakespeare-K\u00f6nner Kenneth Branagh folgte mit dem ersten Sequel eine arg formelhafte und vor allem humorlose CGI-Leistungsschau. Als Teil des neuen Marvelschen Cinematic Universe musste er dann notgedrungen in zwei aufgetunten Ensemblefilmen mitmischen, wo er bisweilen wie ein Fremdk\u00f6rper wirkte, v.a. aber neben Alpha-Charismatiker und Avengers-Platzhirsch Tony Stark zum kalauernden Sidekick degradiert wurde. Zwar ging es da seinen R\u00e4cher-Kollegen Cap, Hulk und Black Widow auch nicht viel besser, aber f\u00fcr einen nordischen Donnergott mit entsprechendem Ego geht sowas einfach mal gar nicht.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut, wenn man zu seinen Kumpels einen Kerl wie Taika Waititi z\u00e4hlen kann. Der Neuseel\u00e4nder ist ein Star der schr\u00e4gen Indie-Szene, in dessen Filmen eine schier \u00fcberbordende Phantasie gepaart mit anarchischen Humor sich mit Vorliebe die Befindlichkeiten m\u00e4nnlicher Kindsk\u00f6pfe ins Visier nimmt. Bei Marvel d\u00fcrfte Hemsworth mit dieser Empfehlung offene Scheunentore eingerissen haben, denn erstens ist der hauseigene Superheldenstall im Prinzip lediglich eine Rasselbande juveniler Gl\u00fccksritter und zweitens engagiert man dort mit Vorliebe unverbrauchte Jungregisseure mit Feuilleton-Meriten, schlie\u00dflich sorgen die f\u00fcr frischen Ideen-Wind sind aber gleichzeitig leicht wieder einzubremsen, wenn die Brise ein wenig zu steif wird. Vor allem aber hat man bei den letzten Franchise-Ablegern beste Erfahrungen mit dem Verlassen ausgetrampelter Humorpfade gemacht und mit mal derben (Deadpool), mal absurden Humorsalven (Guardians of the Galaxy 1 und 2) die Massen begeistert. So gesehen war Waititis Engagement kein Risiko, sondern eher eine auf kaufm\u00e4nnischer Logik fu\u00dfende Notwendigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon der Auftakt von \u201eThor \u2013 Tag der Entscheidung\u201c zeigt, dass sowohl Regisseur wie Arbeitgeber ernst machen. Also Ernst mit dem Unernst. Da baumelt unser g\u00f6ttlicher Nordmann in Ketten gewickelt von der Decke einer Vulkanartigen H\u00f6hle und sieht sich einem riesenhaften Feuermonster ausgeliefert, das ihm triumphierend Untergang und Vernichtung seiner Heimat Asgard entgegen br\u00fcllt. Allerdings wird er bei seinen Ausf\u00fchrungen immer wieder von dem sich permanent um die eigene Achse drehenden Thor unterbrochen, der ihn freundlich bittet doch erst dann fortzufahren, wenn er ihn direkt anblicken kann. Die Message ist klar. Nehmt die ganze Superheldenchose nur nicht zu ernst, ist doch alles nur ein gigantischer Rummelplatz f\u00fcr kleine und gro\u00dfe Kinder. Und man wagt es kaum zu hoffen, aber dieses befreiende Anarcho-Credo durchzieht den ganzen Film.<\/p>\n<figure style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"gallery-media photo\" title=\"Thor (Chris Hemsworth) ohne Haar und Hammer.\" src=\"http:\/\/de.web.img3.acsta.net\/r_1280_720\/pictures\/17\/08\/22\/12\/26\/061557.jpg\" alt=\"Thor 3: Tag der Entscheidung : Bild Chris Hemsworth\" width=\"247\" height=\"371\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Thor (Chris Hemsworth) ohne Haar und Hammer.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da gibt es einen knallbunten Schrottplaneten, auf dem ein charmant-zynischer Zeremonienmeister sein Volk mit blutr\u00fcnstigen Gladiatorenk\u00e4mpfen bei Laune h\u00e4lt. Jeff Goldblum spielt diesen Gewalt-Lustmolch als herrlich s\u00fcffisanten Paradiesvogel. Aber Waititi traut sich noch weiter vor. So muss sich der verdutzte Thor mit den Respektlosigkeiten einer dauerbesoffenen Walk\u00fcre (Tessa Tompson) auseinandersetzen, den Verlust gleich zwei seiner Statussymbole &#8211; wallende M\u00e4hne und geliebten Hammer &#8211; verkraften und zu guter Letzt einem f\u00fcr ihn ganz und gar unw\u00fcrdigen Schauspiel auf Asgard beiwohnen.\u00a0 Dort hat sein intriganter Bruder Loki (Tom Hiddelston) die Gestalt ihres Vaters Odin (Anthony Hopkins) angenommen, in der er alles unternimmt, um Thor zu verunglimpfen und sich selbst zu glorifizieren. Dazu inszeniert er gleicherma\u00dfen schw\u00fclstige wie schmierige Theaterauff\u00fchrungen. Was der grandiosen Szene einen dreifachen Boden Witz auf die Spitze treibt, ist die Besetzung der \u201eHaupt- Rollen\u201c mit Matt Damon (als Loki), Sam Neil (als Odin) und Chris Bruder Liam (als Thor), die wie miserable Laiendarsteller agieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei so viel Shauspielspa\u00df bl\u00fcht auch Titelheld Hemsworth wieder auf und gibt Thor seine ganz spezielle Aura aus augenzwinkernder Arroganz und heroischer Unbedarftheit zur\u00fcck. Nat\u00fcrlich hilft es auch, dass er mit Cate Blanchett als ihm unbekannte gro\u00dfe Schwester eine gen\u00fc\u00dflich in ihrer Bos- und Schlechtigkeit aufgehende Widersacherin zu bek\u00e4mpfen hat. Ein wenig schade ist sicherlich, dass bei ihrer finalen Auseinandersetzung um die Existenz Asgards mal wieder die digitalen Rechenk\u00fcnstler ihre Muskeln spielen lassen und die aus allen Poren str\u00f6mende Selbstironie kurzzeitig an den Rand dr\u00f6hnen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die erz\u00e4hlerisch gro\u00dfartige, visuell dann aber eben doch wieder nach Schema CGI ablaufende Idee, Thor mit seinem Avengers-Kumpel Hulk in den Gladiatoren-Ring steigen zu lassen. Wenigstens setzt der Bruderzwist mit Loki diesmal voll auf verbale Frotzeleien und Tiefschl\u00e4ge, was v.a. dank Tom Hiddelston ein absoluter Gewinn ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eThor 3\u201c (den sehr passenden Untertitel \u201eRagnarok\u201c hat man hierzulande mal wieder v\u00f6llig unverst\u00e4ndlicherweise \u00fcber Bord geworfen) h\u00e4lt also beinahe alles, was sich Hemsworth und die Waititi-Kenner von der Verpflichtung des Neuseel\u00e4nders versprochen haben. Der Film ist zum Schreien komisch, ohne je doof zu sein. Der Humor ist unkonventionell, aber dennoch f\u00fcr den handels\u00fcblichen Comicfilm-Fan leicht verdaulich. Visuell, personell und refentiell z\u00fcndet Waititi einen Kracher nach dem anderen, ohne dass der Film \u00fcberfrachtet und hektisch wirken w\u00fcrde. Im Marvel-Universum kommen die Galaxis-W\u00e4chter diesem Ansatz am n\u00e4chsten, m\u00fcssen sich aber einigerma\u00dfen deutlich auf der Ziellinie geschlagen geben. \u201eThor 3\u201c ist damit zusammen mit \u201eThe Winter Soldier\u201c nichts weniger als der bis dato in sich stimmigste Beitrag zum Cinematic Universe. Ein meisterliches St\u00fcck moderner Massenunterhaltung f\u00fcr alle gro\u00dfen und kleinen Kindsk\u00f6pfe mit unverkennbarer Handschrift eines eigenwilligen Regisseurs. Da kann man bei m\u00f6glichst griffiger Etikettierung ruhig auch mal auf eine nicht ganz so schickliche Vokabel zur\u00fcckgreifen: hammergeil!<\/p>\n<p><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Rating: 9 \/ 10)<\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; background-color: #e3dcdc;\"><strong><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; color: #333300;\">Copyright aller Filmbilder: \u00a9 Marvel Studios 2017<\/span><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>_______________________________<\/p>\n<p><span style=\"font-family: tahoma,arial,helvetica,sans-serif;\"><strong>\u00a9 Marcus Lachmund (vodkamartini)<\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gib dem Hammer Zucker!&#8220; Chris Hemsworth war gelangweilt von seiner Rolle als Hammerschwingender Donnergott Thor. Und das v\u00f6llig zu recht. 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