{"id":551,"date":"2023-12-31T13:28:40","date_gmt":"2023-12-31T13:28:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=551"},"modified":"2023-12-31T14:51:02","modified_gmt":"2023-12-31T14:51:02","slug":"kinojahr-2023-kernfusion-in-pink-und-implosion-im-jumpsuit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=551","title":{"rendered":"Kinojahr 2023 &#8211; Kernfusion in Pink und Implosion im Jumpsuit"},"content":{"rendered":"<p>Und wieder ist ein Kinojahr vorbei. Es hat sich nach keinem besonderen angef\u00fchlt, aber vielleicht wird sich das in der historischen R\u00fcckschau ganz anders darstellen. Als Zeitenwende, als Neuanfang. Zumindest als Anfang vom Ende der rauschhaften Sequelmania und unverw\u00fcstlichen Franchise-Solidit\u00e4t. Argumente g\u00e4be es jedenfalls. Abers sehen wir uns das Ganze doch einmal genauer an.<\/p>\n<p>Durch die dicht gestaffelten Reihen der Barbenheimer-Truppen zu pfl\u00fcgen war diesmal selbst f\u00fcr Ethan Hunt eine regelrechte Mission Impossible. Und er war keineswegs der einzige Held, der sich an jener kruden Allianz aus Pl\u00fcsch und Bombast die Z\u00e4hne ausbiss. Da n\u00fctzte kein Rad des Schicksals, kein Deklathon aus aufgemotzten Boliden und schon gar kein bunt gemischter Haufen noch bunter gewandeter Fantasy-Heroen. Am ehesten h\u00e4tte man ein solches Husarenst\u00fcck noch dem kleinen Korsen mit dem gro\u00dfen Hut zugetraut, immerhin ein ausgewiesener Experte im Aufmischen zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegener Gegner. Zu seiner Ehrenrettung muss man aber anmerken, dass er einem unerwartet heftigen Trommelfeuer an der profanen Schlafzimmerfront ausgesetzt war. Was n\u00fctzen da schon Kanonen bei solch frechen Spatzen.<\/p>\n<p>Damit war die Bahn frei f\u00fcr die so ungleiche Paarung aus Vater der Atombombe und Mutter der weiblichen Spielzimmerstube. Nat\u00fcrlich muss f\u00fcr einen solchen Run auch das Gel\u00e4uf stimmen, im bajuwarischen Jargon auch bekannt als \u201eA gmahde Wiesn\u201c. Die seit zwei Jahrzehnten alles nieder trampelnden Comic-Helden aus den H\u00e4usern Marvel und DC waren endg\u00fcltig kr\u00e4ftig ins Straucheln geraten, dem M\u00e4usekonzern und seinen diversen Filialen ist schon l\u00e4nger das H\u00e4ndchen f\u00fcr ausverkaufte Familienkonzerte abhanden gekommen und an der darbenden Actionfront hat es sich eine Tristesse aus Redundanz, Gestrigkeit und Harmlosigkeit gem\u00fctlich gemacht. Wenigstens r\u00e4umte das gute alte Hustenbonbon aus dem Hause Wick erneut wieder kr\u00e4ftig durch, aber eine gewisse Altersm\u00fcdigkeit war selbst da sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Und so waren es mehr die kleinen Freuden, die sich zwischen ausgelassene Barbie-Parties und and\u00e4chtige Nolan-Messen mogelten. Besonders launig waren dabei zwei Ausfl\u00fcge in die ebenfalls fluffig poppige Welt der 1980er Jahre (\u201eAir\u201c ; \u201eGirl you know it\u00b4s true\u201c). Der eine ging ins so gar nicht mond\u00e4ne Oregon, der andere ins bundesdeutsche \u00c4quivalent nach Bayern. Der eine zeigte wie ein schn\u00f6der Basketball-Sneaker eine Sportartikelfirma zum Global Player machte. Der andere wie ein deutscher Musikproduzent zwei Lipysnc-T\u00e4nzern zum renommiertesten Preis der US-Musikindustrie verhalf und praktisch simultan zu ihrem gr\u00f6\u00dften Skandal. Die Ersch\u00fctterungen waren in beiden F\u00e4llen epochal, so viel steht fest.<\/p>\n<p>Und sonst? Viel L\u00e4rm um recht wenig. Michael B Jordan hat endg\u00fcltig bewiesen, dass er es an Charisma nicht mit Sylvester Stallone aufnehmen kann und dass seine Figur Adonis Creed dasselbe Schicksal im Vergleich mit Rocky Balboa teilt (\u201eCreed III\u201c). Timoth\u00e9e Chalamet wirkt in der Schokoladenfabrik \u00e4hnlich blass wie im W\u00fcstensand, was aber &#8211; so viel Fairness sollte sein &#8211; am weichgesp\u00fclten Skript liegt, dem man geh\u00f6rig den Roald Dahl ausgetrieben hat (\u201eWonka\u201c). Kenneth Branagh schlie\u00dflich tat gut daran, sich dem direkten Vergleich gro\u00dfer Poirot-Filme diesmal mit einem kleinen Abstecher ins gruselige Venedig zu entziehen (\u201eA haunting in Venice\u201c). Und so lag es wieder einmal an Jason Stataham das Bestellte zu liefern. Und das tat er dann auch sowohl als Riesenhai-J\u00e4ger wie auch als Spionage-Genie gewohnt zuverl\u00e4ssig, weil aufs Wesentliche, also aufs K\u00f6rperliche konzentriert (\u201eMeg 2\u201c; \u201eOperation Fortune\u201c).<\/p>\n<p>Ach ja, eine \u00dcberraschung gab\u00b4s dann doch noch. Nein, auch dieses Jahr gelang DC kein guter Film. Nein, auch die 6. Schrei-Attacke konnte Neve Campbell nicht vergessen machen. Und nein, Denzel Washington und Antoine Fuqua haben noch immer keinen Flop gelandet. Die \u00dcberraschung war &#8211; Achtung Tusch! -, es gibt jetzt eine gelungene Spieleverfilmung. Und auch noch eine mit Drachen. Was oberfl\u00e4chlich betrachtet nach einem weiteren formelhaften Fanatsy-Abenteuer im CGI-Einheitslook aussah, entpuppte sich als gro\u00dfer Spa\u00df, der in Sachen Timing, Charme, Tempo und Feelgood-Atmosph\u00e4re die letzten 5-6 Comic-Blockbuster verbl\u00fcffend locker in die Tasche steckte. Vielleicht sollte man doch manchmal im voraus Pl\u00e4ne schmieden, sie k\u00f6nnten aufgehen.<\/p>\n<p>________________________________________________________________________<\/p>\n<p><b>Top 5:<\/b><\/p>\n<p><b>1 Mission Impossible: Dead Reckoning Part 1 (9\/10)<\/b><\/p>\n<p>(Action- und Stuntarbeit in Perfektion und ein Tempo, das an einen gut ge\u00f6lten V8 erinnert; Tom Cruise ist der letzte globale Filmstar und das wei\u00df er)<\/p>\n<p><b>2 Girl you know it\u00b4s true (9\/10)<\/b><\/p>\n<p>(ungemein unterhaltsames Stimmungsbild der sp\u00e4ten 1980er Jahre, das f\u00fcr einen deutschen Film verbl\u00fcffend gekonnt zwischen Kom\u00f6die, Milieustudie, Drama und Dokumentation jongliert)<\/p>\n<p><b>3 Air (8\/10)<\/b><\/p>\n<p>(ungemein unterhaltsames Stimmungsbild der mittleren 1980er Jahre, dessen fluffige Leichtigkeit f\u00fcr ein wohliges Dauergrinsen sorgt)<\/p>\n<p><b>4 Dungeons &amp; Dragons (8\/10) <\/b><\/p>\n<p>(fluffige Leichtigkeit und Dauergrinsen zum zweiten, diesmal im Gewand einer bunten Fantasy-Sause)<\/p>\n<p><b>5 Missing (8\/10)<\/b><\/p>\n<p>(scharf Beobachter Zeitgeist-Thriller und Plot-Twister, der True Crime Hype und Internetkultur geschickt f\u00fcr die Spannungsschreibe nutzt)<\/p>\n<p><b>Geheimtipp: Sisu <\/b>(Django joins Rambo in Finland; fieses, dreckiges Actionbrett mit Message; ein Geheimtipp, wenn auch nicht f\u00fcr jedermann)<\/p>\n<p>_______________________________________________<\/p>\n<p><b>Flop 5:<\/b><\/p>\n<p><b>1 Oppenheimer (4\/10) <\/b>(blutleere und seelenlose Nolan-Show, deren inszenatorische M\u00e4tzchen die Inhaltsleere und uninteressante Hauptfigur nicht kaschieren k\u00f6nnen)<\/p>\n<p><b>2 Flash<\/b> <b>(4,5\/10) <\/b>(Origin-Abenteuer von der Stange, dessen unsympathischer Titelheld jegliches Interesse an FIlm und Figur sehr schnell eliminiert)<\/p>\n<p><b>3 The Marvels (4,5\/10) <\/b>(in Ton, Narration und Personal kruder Brei aus Versatzst\u00fccken fr\u00fcherer Filme und aktueller TV-Serien)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>4 Creed 3 (5\/10) <\/b>(Box-Abenteuer von der Stange, dessen Verzicht auf Stallone und sein Alter Ego die Abklatsch-DNA der ganzen Reihe schonungslos offen legt)<\/p>\n<p><b>5 Wonka<\/b> <b>(5\/10)<\/b> (viel zu braver Umgang mit der Roald Dahl Vorlage, der zudem mit schwachbr\u00fcstigen Gesangseinlagen nervt)<\/p>\n<p>_______________________________________________<\/p>\n<p><b>OK 5:<\/b><\/p>\n<p><b>1 John Wick 4 (7,5\/10) <\/b>(zu lang, zu episch, aber immer noch verdammt cool, stylish und derb)<\/p>\n<p><b>2 Napoleon (7\/10) <\/b>(zu kurz, zu weit weg von Politiker und Stastsmann, aber grandios in seinen Panoramen)<\/p>\n<p><b>3 Operation Fortune<\/b> <b>(7\/10)<\/b> (schmissige und stylishe Agentenfarce ohne Substanz aber mit viel Schwung)<\/p>\n<p><b>4 The Equalizer 3 (7\/10) <\/b>(Washington und Fuqua machen Mittelm\u00e4\u00dfigkeit zumindest w\u00e4hrenddessen vergessen)<\/p>\n<p><b>5 Indiana Jones und das Rad des Schicksals (7\/10) <\/b>(zu alt(backen), zu vorhersehbar, zu nerviger Sidekick, aber immer noch charmant)<\/p>\n<p><b>6 Scream 6 (7\/10) <\/b>(das Rezept ist nicht neu, das Personal nicht besser, aber der Fan nimmts dennoch gerne)<\/p>\n<p><b>7 Meg 2<\/b> <b>(7\/10)<\/b> (besser als Teil 1 weil mehr Gaga, mehr Blut, mehr Tempo)<\/p>\n<p><b>8 Guardians of the Galaxy 3 <\/b>(7\/10) (letztes Aufb\u00e4umen der alten Marvel-St\u00e4rken, Abnutzungs- und Erm\u00fcdungserscheinungen inbegriffen)<\/p>\n<p><strong>9 A haunting in Venice<\/strong> (7\/10) (ein unbekannterer Poirot-Stoff, samt entf\u00e4llt der Vergleich mit gro\u00dfen Filmvorbildern; der Mix zwischen ein wenig Grusel und Whodunit sorgt f\u00fcr Abwechslung)<\/p>\n<p><b>10 Barbie (6\/10) <\/b>(nicht immer stimmige Fusion aus Gesellschaftssatire, Nostalgiesehnsucht und Unterhaltungsbrett; Setdesign und Ryan Gosling sind aber jedes Eintrittsgeld wert)<\/p>\n<p><b>11 Plane<\/b> <b>(6\/10) <\/b>(Gerard Butler ist der imagin\u00e4re Twin von Jason Statham, was als Kompliment gilt)<\/p>\n<p><b>12 The Creator<\/b> <b>(6\/10)<\/b> (sch\u00f6nes Worldbuilding und fantastische Effekte in einer 08\/15-SiFi-Geschichte, die mehr sein will)<\/p>\n<p><b>13 Fast 10<\/b> <b>(6\/10) <\/b>(man mag sie, oder hasst sie, aber auch als Sympathisant darf man langsam aber sicher kritischer werden)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder ist ein Kinojahr vorbei. 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