{"id":533,"date":"2021-12-30T18:24:58","date_gmt":"2021-12-30T18:24:58","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=533"},"modified":"2021-12-31T00:00:09","modified_gmt":"2021-12-31T00:00:09","slug":"play-it-again-james-das-filmjahr-2021-zwischen-meta-retro-und-couch-potato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=533","title":{"rendered":"&#8222;Play it again, James!\u201c &#8211; Das Filmjahr 2021 zwischen Meta, Retro und Couch Potato"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Und wieder geht ein Kinojahr zu Ende, oder sagen wir besser ein Filmjahr. Denn durchg\u00e4ngig ge\u00f6ffnet waren die Lichtspielh\u00e4user fast nirgends in diesen pandemischen Zeiten. Mal auf, mal zu, mal mit 50%tiger, mal mit 25%tiger Auslastung, mal mit, mal ohne Verzehr. Die Kinobetreiber konnten einem schon leid tun, vor allem aber auch wir, die Konsumenten. Kunst und Kultur haben bei der Politik keinen hohen Stellenwert, das d\u00fcrfte nun auch den gr\u00f6\u00dften Optimisten, oder besser Euphemisten klar geworden sein. Aber wie Ian Malcom in \u201eJurassic Park\u201c so eloquent befand: \u201eDas Leben findet einen Weg\u201c. Und Filme sind Leben, jedenfalls f\u00fcr uns, die wir sie lieben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst aber wurde erst einmal verschoben, an Streamingdienste verkauft, oder gleich als Datentr\u00e4ger ver\u00f6ffentlicht. Da ist es \u00fcberaus praktisch, wenn man einen hauseigenen Kanal zur Zweit-, Dritt- und Ausweichverwertung hat, wie Branchenriese Disney. Teure Blockbuster wie \u201eCruella,\u201c \u201eJungle Cruise\u201c und das mehrfach verschobene Superheldenabenteuer \u201eBlack Widow\u201c wurden zeitgleich im Kino und auf Disney+ ver\u00f6ffentlicht. So ganz zufrieden waren die Erbsenz\u00e4hler des M\u00e4usekonzerns wohl nicht gewesen, jedenfalls verfuhr man mit den n\u00e4chsten beiden Marvel-Spektakeln \u201eShang-Shi\u201c und \u201eEternals\u201c wieder anders und g\u00f6nnte ihnen ein 6-w\u00f6chiges \u201eCinema only\u201c-Zeitfester.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da tat sich Streamingplatzhirsch Netflix schon leichter. Ohnehin in dem (stetig bestrittenen) Ruf stehend das Kino obsolet machen zu wollen, kam die Pandemie gerade recht. Die hoch bezahlten Stars wurden aufgrund eingeschr\u00e4nkter Verdienstm\u00f6glichkeiten wohl schon ungeduldig und heuerten bereitwillig beim Streaming-Flaggschiff an. So durfte der DC-entnervte Zack Snyder befreit von allen PC-Hemmnissen eine gefr\u00e4\u00dfige Zombiehorde auf Las Vegas loslassen (\u201eArmy of the Dead\u201c) &#8211; ein braveres Sequel von Deutschlands Lieblingsschwiegersohn Matthias Schweigh\u00f6fer gleich inklusive (\u201eArmy of Thieves\u201c) -, die ebenfalls nicht gerade unbekannten Ryan Reynolds und Gal Godot mit dem aktuell einzigen globalen Megastar zum kruden Indiana Jones meets \u201eOcean\u00b4s Eleven\u201c-Ausflug aufbrechen (\u201eRed Notice\u201c) und schlie\u00dflich, gewisserma\u00dfen als Kompensation f\u00fcr die reduzierte Silvesterknallerei, Leo DiCaprio mit Jennifer Lawrence die Fassaden von Politik, Gesellschaft und Industrie im Angesicht globaler Krisen mit einer atomaren Satire-Abrissbirne einrei\u00dfen (\u201eDon\u00b4t Look Up\u201c). Ach ja, Amazon mischte nat\u00fcrlich auch noch kr\u00e4ftig mit, aber deren Output war entweder so schlecht, oder so belanglos, dass der geneigte Leser hier nicht weiter bel\u00e4stigt werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt war das Filmjahr nicht gerade ein bahnbrechendes. Dennoch gab es ein paar Perlen, die eine Erw\u00e4hnung wert sind und, falls nicht geschehen, eine Sichtung verdient haben. Da w\u00e4re zun\u00e4chst Altmeister Ridley Scott, der es sich offenbar zum Ziel gesetzt hat, mit dem noch etwas \u00e4lteren Kollegen Eastwood auf seinen finalen Outputrunden mindestens gleich zu ziehen. Beim Publikum feierte man vor allem die s\u00fcffisante Kolportage, b\u00f6se Zungen sprechen von Demontage, der Gucci-Familie (\u201eHouse of Gucci\u201c), dabei ist seine Mittelalterparabel mit MeToo-Kontext der noch weitaus interessantere Film (\u201eThe last Duell\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den renommiertesten Filmemachern unserer Zeit z\u00e4hlen auch der Kandier Denis Villeneuve und der Brite Guy Ritchie. Bildgewaltig und elegisch der eine, wortgewaltig und pragmatisch der andere, gaben beide mal wieder eine Visitenkarte ihres K\u00f6nnens ab. Auch wenn die erste Expedition zu Frank Herbert W\u00fcstenplaneten nach dem vermeintlichen Lynch-Fiasko von 1984 nicht jeden euphorisiert hat &#8211; zu farblos waren die Figuren, zu h\u00f6hepunktslos die Handlung -, so war \u201eDune\u201c auf jeden Fall ein Fanal f\u00fcr die Daseinsberechtigung des Kinos. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr \u201eCash Truck\u201c, bei dem Ritchie endlich wieder mit seiner Entdeckung Jason Statham vereint war. So sch\u00f6n wummernd, krachend und dr\u00f6hnend knallt auch der stromlinienf\u00f6rmige Actionfilm nur im Kinosaal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleiben noch die gro\u00dfen Helden. Nat\u00fcrlich wurde dieses Feld mal wieder fast ausschlie\u00dflich von vormals gezeichneten Sonderlingen bestellt. Aber diesmal waren es nicht die zupackenden Damen (\u201eBlack Widow\u201c, \u201eWonder Woman 84\u201c), oder die neu in Stellung gebrachte R\u00e4cher-Abl\u00f6se (\u201eShang-Shi\u201c, \u201eEternals\u201c), die die Ernte einfuhren. Sogar der jugendliche Spinnenmann lieferte am Ende nur Dienst nach Vorschrift, wenn auch unwiderstehlich auf den Punkt und den Geldhahn. Nein, diesmal brauchte es schon einen k\u00f6niglichen Hai und ein paar abgehalfterte Schwerverbrecher, um aus dem Genre-Einerlei doch noch ein Geschmackserlebnis der etwas anderen Art zu machen (\u201eThe Suicide Squad\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es \u00fcberhaupt einen Heroen gibt, der den bunten Reigen all der Superm\u00e4nner, -frauen und -viecher aufmischen kann, dann ist es der britische Weltenretter mit T\u00f6tungslizenz. Da wo er herkommt, wurden Krieg und Rache noch kalt serviert, aber auch er musste sich anpassen. Mit Daniel Craig ist das offenbar bestens gelungen. Kein Hollywoodfilm lockte in diesem Jahr mehr Zuschauer vor die Leinw\u00e4nde als die 25. Mission der legend\u00e4ren Doppelnull (\u201eKeine Zeit zu sterben\u201c). Sicher, sein Gef\u00fchlstriptychon aus verliebt, verraten, und verwirrt hat nicht nur Begeisterung hervor gerufen. Die Rollen als Vater und M\u00e4rtyrer geh\u00f6rten auch nie zum Auftrag und sorgten f\u00fcr die ein oder andere Schnappatmung. Aber angesichts eines Stammpublikums jenseits der Juvenilit\u00e4t und abseits sozial-medialer Blasen kann man nur anerkennend feststellen: Er kam, sah und siegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dienst\u00e4lteste Kinoheld der Filmgeschichte liegt aber auch auf einer \u00fcbergeordneten Ebene voll im Jahrestrend. Genau genommen triggert er gleich zwei Kraftquellen moderner, audiovisueller Kunstformen. Nein, nicht Yin und Yang, auch wenn der chinesische Einfluss auf das globale Blockbusterkino beunruhigende Ausma\u00dfe angenommen hat. Nein, die beiden aufeinander bezogenen und sich perfekt erg\u00e4nzenden Kr\u00e4fte h\u00f6ren auf die klingenden Namen \u201eRetro\u201c und \u201eMeta\u201c. Vor allem \u201eMeta\u201c ist mega, also mega-in. Und so \u00fcbt sich jeder, der etwas auf sich h\u00e4lt in selbstreferentiellen Seilt\u00e4nzen. Besonders haben sich da unsere beiden Vorturner Peter und James hervor getan. W\u00e4hrend der eine in den Untiefen eines Multiversums diversen Alter Egos, Erzfeinden und Schicksalsschl\u00e4gen begegnet, arbeitet sich der andere an zahllosen Referenzen an die zweite Inkarnation seiner Figur ab. Streng genommen ist das ein sehr konservativer Ansatz, denn er bedient die Sehnsucht nach einer imagin\u00e4ren \u201eguten alten Zeit\u201c, indem er hemmungslose s\u00e4mtliche verf\u00fcgbaren Nostalgie-Kn\u00f6pfe dr\u00fcckt. Womit wir auch gleich bei der Retrofixierung w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei James Bond geh\u00f6rt die eigene Historie praktisch zum Mythos und somit zur DNA. Aber musste Neo wirklich zur\u00fcck in die Matrix, Akeem wieder nach Zamunda, Paul nach Arrakis, oder Egon seine Enkelkinder zur Geisterjagd motivieren? Zwar ist der Zeitgeist kein Machtgeist, aber offenbar ebenso m\u00e4chtig. Und irgendwie hat es ja auch etwas Magisches, wenn die ersten Begegnungen mit dem Aston Martin DB5, den Sandw\u00fcrmern, der Bullett-Time oder dem Slimer noch einmal durch und mit den Augen der eigenen Kinder erlebt und bestaunt werden k\u00f6nnen. Womit auch das Kino neben dem schn\u00f6den Unterhaltungsauftrag noch eine \u00fcbergeordnete Funktion erf\u00fcllt: es verbindet Generationen. Und das ist doch wirklich mega, in jedem Falle aber meta. In diesem Sinne: Happy New Movie Year!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder geht ein Kinojahr zu Ende, oder sagen wir besser ein Filmjahr. Denn durchg\u00e4ngig ge\u00f6ffnet waren die Lichtspielh\u00e4user fast nirgends in diesen pandemischen Zeiten. 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