{"id":437,"date":"2019-04-19T08:58:46","date_gmt":"2019-04-19T08:58:46","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=437"},"modified":"2020-07-29T09:24:36","modified_gmt":"2020-07-29T09:24:36","slug":"bumblebee-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=437","title":{"rendered":"Bumblebee (2018)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Breakfast Clubber &#8211; oder mit den Transformers im DeLorean<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, die guten alten 80er. Wer h\u00e4tte gedacht, dass ausgerechnet dieses so oft gebashte Jahrzehnt in der Popkultur den l\u00e4ngsten Atem hat und den gr\u00f6\u00dften Niederschlag findet? Vielleicht war es doch irgendwie &#8222;geil&#8220;? Pop-Hymnen wie am Flie\u00dfband gab es jedenfalls danach nicht mehr, der Walkman war irgendwie auch cooler als der MP3-Player und das Smartphone, zumal beides sofort in die Erwachsenenwelt Einzug hielt. Wie soll man sich da noch abgrenzen? Das waren noch Zeiten, als die lieben Eltern die b\u00f6sen Buben Arnold und Sly so richtig doof fanden und Michael J. Fox f\u00fcr ne Modemarke hielten. Heute begleiten sie den Nachwuchs fr\u00f6hlich zu Marvel und nach Panem. Und ganz sicher w\u00e4ren sie nie auf die Idee gekommen mit Star Wars-Figuren zu spielen, oder noch schlimmer, den Transformers. In den seligen 80ern konnte man als Teenager jedenfalls noch Rebell und Au\u00dfenseiter sein und die ach so grausigen Modes\u00fcnden gab es eigentlich nur bei den Popstars.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass der wohlige Retro-Charme aber gar nicht so leicht zu recyceln ist, m\u00fcssen wir regelm\u00e4\u00dfig auf Leinwand und Bildschirm erfahren. Auch wenn wir unseren alten Helden und neuen Geeks unendlich dankbar sind, aber weder die Entbehrlichen noch die Atom-Blondine haben den DeLorean unfallfrei nach 1985 verfrachtet. Beim \u201eSummer of 84&#8243; wirkte alles auch mehr abgepaust denn zur\u00fcck gesaust. Sp\u00e4testens seit der Erkenntnis, dass selbst Dekaden-Guru Steven Spielberg trotz Vorlagen-Sperrfeuer sich nur in Zitaten verliert, ist wohl dem letzten Hoffnungsfrohen klar: ein Wiedereintauchen in die sch\u00f6ne bunte Welt von Miami Vice, Duran Duran und Zauberw\u00fcrfel ist kein Kinderspiel.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber mit Kinderspielzeug k\u00f6nnte es klappen, man muss es nur wirklich wollen. Nicht dass noch irgend jemand damit gerechnet hatte. Zerst\u00f6rungsw\u00fcterich Michael Bay hatte da ganze Arbeit geleistet. In einer Pentalogie des Schreckens hat er die lustigen Verwandlunsgroboter zu au\u00dferirdischen Krawall-T\u00f6lpeln von kosmischen Ausma\u00dfen aufgepimpt und jeglichen Anflug von Retro-Feeling in einem Orkan aus Computereffeken, Stakatto-Schnitten und hohlem Pathos-Ges\u00fclze atomisiert. Da musste man vor dem Reboot \u201eBumblebee&#8220; regelrecht zittern, ob des unvermeidlichen Schwanengebr\u00fclls.<\/p>\r\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"img-responsive alignleft\" title=\"Click to View Extra Large Poster Image for Bumblebee\" src=\"http:\/\/www.impawards.com\/2018\/posters\/bumblebee_ver6.jpg\" alt=\"Bumblebee Movie Poster\" width=\"308\" height=\"457\" border=\"0\" \/><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei so viel bef\u00fcrchteter Banalit\u00e4t tut es auch mal eine ebensolche Weisheit: Manchmal kommt es anders und \u00f6fters als man denkt. Der neu besetzte Regiestuhl d\u00fcrfte dabei ordentlich geholfen haben. Trickexperte Travis Knight (Jahrgang 73) hat dem abgel\u00f6sten Bay Michael (Jahrgang 65) nicht nur die pr\u00e4genden Teenagerjahre im Dekadenpeak (1984-1989) voraus, sondern auch die F\u00e4higkeit Krawumm und Emotion zu fusionieren. Zu Beginn denkt man noch auweia, als man mitten in eine krawallige Schlacht zwischen Autobots (gute Transformers) und Decepticons (b\u00f6se Transformers) geworfen wird, die sich um nichts weniger als den Transformers-Heimatplaneten Cybertron dreht. Doch mit der Ankunft des fl\u00fcchtigen Autobotssoldaten B-127 auf unserem sch\u00f6nen Heimatplaneten findet auch eine Erdung des Spektakels statt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So versteckt sich der Verfolgte auf einem Schrottplatz einer kalifornischen Kleinstadt. Dort wird der als rostiger VW-K\u00e4fer Getarnte von der gerade 18 gewordenen Charlie Watson (Hailee Steinfeld) entdeckt. Die rebellische Hobby-Mechanikerin w\u00fcnscht sich nichts sehnlicher als ein Auto und einen Freund. Mit dem knallgelben Autobot hat sie einen Volltreffer gelandet, denn er kann ihr beides bieten. Nach dem ersten Schock \u00fcber die Verwandlungsk\u00fcnste ihres neuen Fahrzeugs entwickelt sich eine innige Freundschaft, die allerdings sehr bald auf einige harte Proben gestellt wird. Ihre wenig begeisterte Familie und ihr eingesch\u00fcchterter Schwarm sind da noch das geringste Problem, denn \u201eBumblebee&#8220; (inzwischen von Charlie so getauft) war nicht nur bei seiner Ankunft auf das US-Milit\u00e4r um den hartn\u00e4ckigen Ledernacken Agent Burns (John Cena) gesto\u00dfen, das ihn fortan ausfindig machen und erforschen will. Auch die feindlichen Decepticons haben Kurs auf die Erde genommen, schlie\u00dflich kennt B-127 den Aufenthaltsort des Autobot-Anf\u00fchrers Optimus Prime &#8230;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hat \u201eBumblebee&#8220; auch noch nach dem lauten Auftakt ein paar krachige Action-Einlagen auf Lager. Aber anders als bei Bay geht es hier erkennbar reduzierter und vor allem \u00fcbersichtlicher zu. Ob es am gestutzten Budget oder aber an Knights Gesp\u00fcr f\u00fcr optisch und mental verarbeitbare Effekte liegt, das Erholungsangebot wird dankbar angenommen. Die beste Action-Szene ist dann folgerichtig auch keine Kampfhandlung, sondern Bumblebees Versuch, sich im f\u00fcr kurze Zeit leer stehenden Haus der Familie Watson einen gem\u00fctlichen Nachmittag zu machen &#8211; mit den erwartbaren Verw\u00fcstungsfolgen. Hier hat einer ganz viel Ahnung von komischem Timing und im Dienst der Handlung stehenden Effekten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke des Films, also die Schmiere die alles zusammen h\u00e4lt, ist allerdings die r\u00fchrend aber nie r\u00fchrselig erz\u00e4hlte Geschichte von Freundschaft und Au\u00dfenseitertum, gespickt mit Anspielungen und getragen von einer voll ins Schwarze treffenden 80er-Atmosph\u00e4re. Hier dient die Playlist aus Pophits (a-has \u201eTake on me&#8220;, Duran Durans \u201eSave a Prayer&#8220;, Bon Jovis \u201eRunaway&#8220; oder Tears for Fears \u201eEverybody wants to rule the World&#8220; um nur die knalligsten zu nennen) nicht einfach zur Zeitgeist-Kolorierung, hier werden Stimmungen und Handlungselemente perfekt orchestriert. Hier werden Hinweise auf das Handlungsjahrzehnt nicht plakativ ins Bild geworfen, sondern ganz nebenbei wie selbstverst\u00e4ndlich platziert (u.a. Bandshirts, Walkman, Radiowecker, Vinyl-Sammlung, R\u00f6hren-TV, Filmposter).<\/p>\r\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"irc_mi\" src=\"https:\/\/i.guim.co.uk\/img\/media\/fac60d08f83a56dbadb55ace4985c0fd17a4b27f\/10_0_3484_2091\/master\/3484.jpg?width=700&amp;quality=85&amp;auto=format&amp;fit=max&amp;s=eace5b597b3477681623d522904b7228\" alt=\"\u00c4hnliches Foto\" width=\"700\" height=\"420\" data-iml=\"1555665142544\" \/><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Knights ungemein treffsicheres Gesp\u00fcr f\u00fcr Lebensgef\u00fchl und Zeitgeist aus Teenagersicht, zeigt sich in zwei kurzen Sequenzen mit Bumblebee, der sich damit nicht nur als Seelenverwandter Charlies, sondern einer ganzen Generation von sich unverstanden f\u00fchlenden Teenagern der 80er entpuppt. In einer spuckt er das Tape mit Rick Astleys Plastik-Superhit \u201eNever gonna give you up&#8220; aus und in zwei weiteren huldigt er dem absoluten Kultfilm der immer leicht abseits Stehenden: \u201eThe Breakfast Club&#8220;. Allein daf\u00fcr sollte es schon stehende Ovationen geben. Wenn Bumblebee dann am Ende den milit\u00e4rischen Gru\u00df Burns mit John Benders in die H\u00f6he gereckter Faust erwidert und damit das ikonische Schlussbild des \u201eBreakfast Club&#8220; imitiert, ist dem Zeitzeugen die G\u00e4nsehaut sicher. Und wer hier immer noch nicht schwach wurde, dem knallt Knight den Titelsong der Simple Minds als wie die Faust aufs Auge passenden Wehmut-Ausklang noch obendrauf: \u201eDon\u00b4t you &#8230; forget about me!&#8220; Erst wenn das Licht wieder angeht, steigt man aus der urgem\u00fctlichen, schnurrenden Zeitmaschine aus und wird sich erstaunt gewahr, eigentlich einen Transformers-Film gesehen zu haben. Und zwar einen richtig guten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">_____________________________________________________________________________<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">(Rating: 8 \/ 10)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gesehen im CineStar Augsburg, Jan, 6 2019<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(Copyright aller Filmbilder: \u00a9Walt Disney Company 2018)<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Breakfast Clubber &#8211; oder mit den Transformers im DeLorean Ja, die guten alten 80er. Wer h\u00e4tte gedacht, dass ausgerechnet dieses so oft gebashte Jahrzehnt in der Popkultur den l\u00e4ngsten <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=437\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[102,7],"tags":[90,89,91],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/437"}],"collection":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=437"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/437\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":468,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/437\/revisions\/468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}