{"id":376,"date":"2018-10-23T12:19:34","date_gmt":"2018-10-23T12:19:34","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=376"},"modified":"2020-07-29T09:27:59","modified_gmt":"2020-07-29T09:27:59","slug":"halloween-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=376","title":{"rendered":"Halloween (2018)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>\u201eSchrecken mit Ansage&#8220;<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Schrecken auf der gro\u00dfen Leinwand ist es so eine Sache. Obwohl sich das Horrorgenre inzwischen seit Jahren in seinem x-ten Fr\u00fchling sonnt, so richtig Bahnbrechendes oder genuin Originelles will ihm einfach nicht mehr gelingen. Die wahren Meister des Terrors sind nach wie vor an einer Hand abzuz\u00e4hlen, an einer recht zittrigen noch dazu, da doch arg betagten. Der gute Alfred Hitchcock steht hier immer noch ganz weit vorn, aber auch George A. Romero und selbst Wes Craven sind nicht gerade taufrisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesem illustren Greisen-Kreis z\u00e4hlt ganz sicher auch John Carpenter. Der Urvater des Slasher-Subgenres ist gerade wieder mal en vogue und das keineswegs nur wegen seiner erfolgreichen Soundtrack-Tournee. Remakes seiner gr\u00f6\u00dften Hits (u.a. \u201eAussault on Precinct 13&#8243;, \u201eThe Fog&#8220;, \u201eEscape from New York&#8220;, \u201eThe Thing&#8220;) sind etweder bereits abgedreht, werden gerade entwickelt, oder sollen zeitnah in Planung gehen. Da trifft es sich bestens, dass Hollywood ohnehin in G\u00e4nze dem Reboot-Fieber verfallen scheint, denn der gute John hat dank seiner \u00f6konomischen Herangehensweise ein recht umfangreiches Fr\u00fchwerk vorzuweisen, das gradezu nach Recycling schreit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz oben auf der Liste steht dabei Carpenters Horror-Coup \u201eHalloween&#8220;. Der Slasher um den maskierten Killer Michael Myers ist nicht nur ein kultisch verehrter Genreklassiker, sondern einer der wenigen Filme, die stilbildend f\u00fcr Generationen von Epiogonen war und immer noch ist. 7 Fortsetzungen in erkennbar abnehmender Qualit\u00e4t und Rob Zombies gorelastiges Remake-Doppel konnten dem Glanz des Originals nichts anhaben, sondern befeuerten seinen Mythos noch zus\u00e4tzlich. Die Gefahr bei einem erneuten Aufw\u00e4rmen des Stoffs war also vergleichsweise gering, zumal das simple Grundger\u00fcst keinerlei finanzielles Risiko erfordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit John Carpenter als ausf\u00fchrendem Produzenten und inhaltlichem Berater atmet der 10. Halloween-Nachklapp immerhin so etwas wie Gr\u00fcndervater-Luft und n\u00e4hrt die Hoffung auf das erste w\u00fcrdige Sequel zum ikonischen Original. Die 2018er-Version sollte dann auch kein simples Reboot oder gar ein einfallsloses Remake werden, sondern man sprach etwas gro\u00dfspurig von Rekallibrierung und unbedingter Origin-Treue. Dazu hie\u00df es nat\u00fcrlich den gesamten Fortsetzungskanon zu ignorieren und direkt an Carpenters Urfilm anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Myers wird also kurz nach dem Mord an seiner Schwester verhaftet und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, in der er die n\u00e4chsten 40 Jahre verbringt. Die gerade noch \u00dcberlebende Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) leidet derzeit unter posttraumatischem Stress und bereitet sich akribisch auf Michaels m\u00f6gliche R\u00fcckkehr vor. Diese Paranoia ist Gift f\u00fcr ihr famili\u00e4res Umfeld, rechfertigt sich aber letzlich durch Myers Ausbruch und seine R\u00fcckkehr nach Haddonfield, exakt 40 Jahre nach der omin\u00f6sen Halloween-Nacht. Ein blutiger Albtraum nicht nur f\u00fcr Laurie, sondern f\u00fcr die gesamte Klienstadt &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Halloween anno 2018 hat in den USA am ersten Wochenende kanpp 80 Millionen Dollar in die Kassen gesp\u00fclt. Der Riecher der Macher war also goldrichtig, zeigt aber auch, dass es heutzutage nur wenig braucht, um im Horrorgenre punkten zu k\u00f6nnen. Man nehme eine kultige Marke, verpasse ihr eine moderne Inszenierung und bleibe ansonsten m\u00f6glichst nah am ber\u00fchmten Original. Ja, denn trotz gro\u00dfer Ank\u00fcndigungen ist das 10. Sequel eine kaum kaschierte Neuauflage des Carpenter Films von 1978. Zun\u00e4chst lernen wir das zu terrorisierende Personal etwas kennnen, tauchen ein wenig in die beschauliche Kleinstadtidylle ein, die dann durch den maskierten Psychopathen Myers in ein Schlachthaus verwandelt wird. Dramaturgie, Tempo und Setting sind praktisch 1:1 \u00fcbernommen, was erkennbar zu Lasten von Spannung und Grusel geht. Man hat das schlicht ein zwei mal zu h\u00e4ufig gesehen, zumal eine ironische Brechung oder gewitzte posmodernistische Neuinterpretation wie in Wes Cravens kongenialer Scream-Quadrologie nirgends erkennbar ist. Statt dessen arbeitet Regisseur David Gordon Green versiert aber humorlos die Checkliste des Slasher-Einmaleins ab und dreht lediglich an der Brutalit\u00e4tsschraube. So gibt es explizitere und auch deutlich mehr Morde zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu gute halten muss man dem Film sein Gesp\u00fcr f\u00fcr Atmosph\u00e4re und Struktur des Genres. In dunklen Novembern\u00e4chten, zumal im Umfeld der weltweit zunehmenden Bedeutung des Halloween-&#8222;Feiertags&#8220;, sorgt der aktuelle Ableger f\u00fcr angenehmen Grusel, quais als Einstimmung f\u00fcr die diversen anstehenden Festivit\u00e4ten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sch\u00f6n sind vor allem die zahlreichen, teils liebevoll eingebauten, teils gewitzt variierten Anspielungen auf den Originalfilm (Schaupl\u00e4tze, Szenen, Dialoge) und die ersten beiden Sequels. Allerdings d\u00fcrfte dieser sympathisch nerdige Fanservice am Gros des Publikums relativ undekodiert vorbei huschen.<br \/>\nAuch der Cast verspricht mehr, als das zu formelhafte Skript letztlich zu bieten hat. Jamie Lee Curtis ist als traumatisierte K\u00e4mferin noch die interessanteste Figur, wird aber zu sehr auf ihre R\u00e4chereigenschaften reduziert. Will Patton als Sheriff Frank Hawkins und Zeitzeuge der 1978er Morde bleibt ebenfalls auf sein aktuelles Reagieren begrenzt. Auch Haluk Bilginer als Michaels Psychater kommt nicht \u00fcber ein paar Platit\u00fcden-Bonmots hinaus. Und Michael Myers? Der Kult-Killer bleibt dieselbe Figur wie im Original, dessen emotions-, wort- und teilnahmsloses Morden durch die vielen Nachfolger und Imitationen sp\u00fcrbar an d\u00fcsterer Faszination eingeb\u00fc\u00dft hat. Zumindest auf den Altmeister ist nach wie vor zu 100% Verlass. John Carpenters Neuinterpreation seines genialen Synthsoundtracks sorgt auch noch 40 Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr wohlige G\u00e4nsehaut. Aber daf\u00fcr h\u00e4tte es keinen neuen Film gebraucht, schlie\u00dflich ist er gerade auf Konzert-Tour.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">___________________________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Rating: 6,5 \/ 10)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Gesehen im cinemaxx Augsburg, Oct. 21 2018<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchrecken mit Ansage&#8220; Mit dem Schrecken auf der gro\u00dfen Leinwand ist es so eine Sache. 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