{"id":352,"date":"2018-09-17T15:31:09","date_gmt":"2018-09-17T15:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=352"},"modified":"2018-09-17T17:32:12","modified_gmt":"2018-09-17T17:32:12","slug":"mile-22-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=352","title":{"rendered":"Mile 22 (2018)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eDie dritte Option\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst darf die Diplomatie ran, dann das Milit\u00e4r und wenn auch das versagt, dann schl\u00e4gt die Stunde von Overwatch. Special Agent James Silva l\u00e4sst keinen Zweifel daran, was er von den ersten beiden Optionen h\u00e4lt. Als Teamleader einer Overwatch-Spezialeinheit muss er vielleicht auch so denken, schlie\u00dflich kommt er nur zum Einsatz, wenn Reden und Krieg f\u00fchren keinerlei Ergebnisse produzieren. Als Pr\u00e4misse f\u00fcr einen reinrassigen Actionfilm ist ein solches Szenario nat\u00fcrlich wie gemalt. Hochger\u00fcstete und bestens ausgebildete Kampfexperten beseitigen das Chaos internationaler Scharaden, Sackgassen und Krisen. Der normale B\u00fcrger bekommt im Idealfall nichts davon mit bzw. sieht bestenfalls Bruchst\u00fccke einer komplexen Gesamtsituation von deren Ausma\u00dfen und Hintergr\u00fcnden er nicht das Geringste ahnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Stoff wie bestellt f\u00fcr Actionprofi Peter Berg, der gern auch mal den Finger in die Wunden zeitaktueller politischer Brennpunktthemen legt (u.a. \u201eOperation Kingdom\u201c, \u201eDeepwater Horizon\u201c, \u201eBoston\u201c). Der ehemalige Schauspieler hat zudem mit Mark Wahlberg einen kongenialen Partner gefunden, der seine schn\u00f6rkellosen und oft brutalen Visionen auf der Leinwand sehr kaltschn\u00e4uzig und sehr pr\u00e4sent umsetzt. \u201eMile 22\u201c ist dann sinnigerweise bereits ihre vierte Zusammenarbeit und das binnen f\u00fcnf Jahren. Und so spielt Wahlberg auch eben jenen Silva mit der bew\u00e4hrten Mischung aus k\u00fchler Berechnung und t\u00f6dlicher Effizienz. Einen Sympathietr\u00e4ger erschafft er so zwar nicht, aber f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit seiner Figur und ihrer irrwitzigen Mission ist dieser Ansatz ungleich zielf\u00fchrender.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So erkennen Silva und sein Team sehr schnell, dass der vermeintliche Routinejob der \u00dcberf\u00fchrung des \u00dcberl\u00e4ufers Li Noor (Iko Uwais) ihre vollst\u00e4ndige Ausl\u00f6schung bedeuten k\u00f6nnte. Denn der Geheimdienst einer fiktiven sudostasiatischen Diktatur ist keinesfalls gewillt einen ihrer Mannen an die USA zu verlieren, zumal er im Austausch den geheimen Standort radioaktiven Caesiums verraten will. Also verwandeln sie die 22-Meilen lange innerst\u00e4dtische Route zum Flughafen in ein Kriegsgebiet, in dem Silvas Quartett qualitativ und quantitativ hoffungslos unterlegen scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese H\u00f6llenfahrt zum Flug in die Freiheit nimmt die komplette zweite Filmh\u00e4lfte ein und findet praktisch in Echtzeit statt. Berg entfesselt dabei ein brachiales Actiongewitter aus intensiven Shootouts, krachenden Karambolagen und knallharten K\u00e4mpfen. In seinen besten Momenten erinnert das an Michael Mann und die Bourne-Filme, wenn Berg es auch zeitweise mit der Schnittfrequenz \u00fcbertreibt und auch nicht immer den \u00dcberblick beh\u00e4lt. Das mag sogar realistischer sein, beraubt den Film aber auch ein St\u00fcck weit seines Potentials. Schlie\u00dflich hat man mit dem Indonesier Iko Uwais einen Kampfsportakrobaten an Bord, der mit \u201eThe Raid\u201c und dessen Sequel die j\u00fcngere Actionfilmgeschichte auf ein neues Level gehoben hat. Zwar darf er sich auch in \u201eMile 22\u201c mehrfach den Weg freik\u00e4mpfen, muss dies aber trotz eines hohen Gewaltgrades meist mit angezogener Handbremse bzw. erkennbar schlechter nachvollziehbar tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Berg es trotz eines klaren Fokus auf betont ruppiger Action schafft seine Figuren nicht zu blo\u00dfen Schablonen verkommen zu lassen, geh\u00f6rt zu seinen bekannten St\u00e4rken. Besonders Silva wird mit wenigen Pinselstrichen als hyperaktiver, psychisch immer am Rande der Instabilit\u00e4t entlang schrammender Draufg\u00e4nger gezeichnet, bei dem man froh ist, dass er einen Job hat, der seine D\u00e4monen einigerma\u00dfen im Zaum und ihn von der normal-b\u00fcrgerlichen Bev\u00f6lkerung fern h\u00e4lt. Seine Kollegin Alice Kerr (Laura Cohan) wiederum kann die Unvereinbarkeit ihrer Profession mit einem normalen Familienleben und die daraus resultierende emotionale Leere ebenfalls nur in permanentem Adrenalinrausch ertragen. Ein wenig schade ist es da schon, dass Edelmime John Malkovich als Overwatch-Koordinator lediglich sein routiniertes Standardprogramm des s\u00fcffisanten Arschlochs abspult, wobei bei ihm selbst das schon Spa\u00df macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ganze Szenario wird zudem immer wieder von einer nachtr\u00e4glichen Befragung Silvas unterbrochen, was keineswegs st\u00f6rt oder bremst, sondern dem Plot einen zus\u00e4tzlichen Reiz verschafft. Nicht nur gibt der zynische Spezialist eine F\u00fclle galliger Kommentare zu politischem Krisenmanagement im Allgemeinen und geheimdienstlichen Winkelz\u00fcgen im Besonderen ab. Auch hinsichtlich Fort- und Ausgang der gezeigten Mission werden so wiederholt falsche F\u00e4hrten gelegt und Erwartungen geweckt, die nur selten erf\u00fcllt werden. Das Ende schlie\u00dflich h\u00e4lt einen Twist bereit, den man zu erahnen scheint, nur um dann einigerma\u00dfen perplex ob der reichlich finsteren und doppelb\u00f6digen Wahrheit zu sein. Hierin nur die aktuell \u00fcbliche Fortsetzungstaktik zu sehen, w\u00e4re definitiv nicht fair. Angeblich sollen die Vorbereitungen f\u00fcr ein Sequel dennoch bereits im Gange sein, was bei derselben Besetzung auf Regiestuhl und Hauptdarstellerposten eindeutig f\u00fcr Vorfreude sorgt.<\/p>\n<p>_________________________________________________________<\/p>\n<p><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Rating: 8 \/ 10)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie dritte Option\u201c Zuerst darf die Diplomatie ran, dann das Milit\u00e4r und wenn auch das versagt, dann schl\u00e4gt die Stunde von Overwatch. 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