{"id":323,"date":"2018-08-03T11:04:35","date_gmt":"2018-08-03T11:04:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=323"},"modified":"2018-08-14T21:37:56","modified_gmt":"2018-08-14T21:37:56","slug":"mission-impossible-6-fallout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=323","title":{"rendered":"Mission Impossible 6: Fallout (2018)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Irrfahrten des Ethan Hunt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn jeder unm\u00f6glichen Mission muss Ethan Hunt erst einmal \u00fcber jene informiert werden. Und anders wie bei seinem britischen Superagenten-Pendant Bond geschieht dies nicht \u00fcber den distinguierten Geheimndienstchef in seinem Mahagoni get\u00e4felten B\u00fcro, sondern via scheinbar harmloser Gegenst\u00e4nde, die bei \u00d6ffnung ein wahres Technikfeuerwerk an digitalen und audiovisuellen Informationen bereit halten und sich nach wenigen Sekunden selbst zerst\u00f6ren. Es sagt \u00fcbrigens einiges \u00fcber die Unterschiede der beiden ber\u00fchmtesten Geheimagenten aus, dass Hunts Q-Moment nie etwas mit Spezialwaffen zu tun hat. Diesmal verbergen sich die gewohnt komprimierten Auftragsdetails in einer Ausgabe von Homers Odyssee. Die sich aufdr\u00e4ngende Botschaft erscheint zun\u00e4chst profan: Ethan Hunt als moderner Odysseus? Ist das nicht ein wenig zu sehr in der metaphorischen Mythologie-Kiste gekramt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMission Impossible: Fallout\u201c ist bereits der sechste Teil der Reihe um den geheimen Weltenretter Ethan Hunt. Aber anders als Kollege Bond scheint er kaum verwurzelt und repr\u00e4sentiert auch nicht typisch amerikanische Werte. W\u00e4hrend der eine durchaus stolz f\u00fcr K\u00f6nigin und Vaterland in den Kampf zieht, ist Hunt ein Getriebener der permanenten globalen Bedrohung durch konkurrierende und aus dem Ruder laufene Geheimdienste. Zwar jettet auch er um die Welt, hat dabei aber weder Auge noch Sinn f\u00fcr ihre Sch\u00f6nheiten und Verlockungen. Ein Gl\u00e4sschen hier, ein Sch\u00e4ferst\u00fcndchen dort, f\u00fcr den rastlosen Hunt ist das nie eine Option. Dennoch scheint es auch bei ihm eine nicht n\u00e4her definierte Sehnsucht nach Normalit\u00e4t im Sinne von Heimat und Familie zu geben. In \u201eFallout\u201c wird diese meist v\u00f6llig ausgeblendete menschliche Seite immer wieder virulent. Regisseur Christopher McQuarrie, der auch schon den Vorg\u00e4nger \u201eRogue Nation\u201c inszenierte, gelingt dies trotz des Franchise-typischen Fokus auf Action, Adrenalin und Geschwindigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film beginnt mit einer Hochzeitsszene. Hunt und die inzwischen getrennt von ihm und den Widrigkeiten des IMf lebende Julia (Michelle Monaghan) geben sich vor exotischer Kulisse das Jawort. Aus Sicht Hunts wirkt diese Reminiszenz gleicherma\u00dfen surreal wie radikal, war doch der Versuch einer b\u00fcrgerlichen Existenz im dritten Film gnadenlos an der Realit\u00e4t von Hunts eigentlicher Berufung zerschellt. Es ist dann auch nur eine Traumsequenz, die ganz schnell in einen Albtraum m\u00fcndet, als sich der Priester als Hunts Terroristen-Nemesis Solomon Lane (Sean Harris) entpuppt, der ihnen Chaos, Zerst\u00f6rung und ewige Verdammnis mit auf den Weg gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Folge scheint sich dann auch einiges davon zu bewahrheiten. Hunt und sein Team geranten bei dem verzweifelten Versuch drei waffenf\u00e4hige Plutonium-Kerne sicherzustellen in ein schier unaufl\u00f6sbares Dickicht aus Terrornetzwerken, Gangstersyndikaten und widerspr\u00fcchlichen Geheimdienstinteressen. Keiner ist das, was er auf den ersten Blick zu sein scheint und ein unsichtbarer Strippenzieher im Hintergrund ist allem immer einen Schritt voraus. Man kennt dieses Szenario aus fr\u00fcheren unm\u00f6glichen Missionen, aber diesmal ist es deutlich pers\u00f6nllicher f\u00fcr Hunt. Die eigentlich dem zerm\u00fcrbenden Agentenberuf entfliehen wollende Ilsa Faust taucht pl\u00f6tzlich wieder auf und wirbelt nicht nur Hunts Berufs- sondern auch sein Gef\u00fchlsleben geh\u00f6rig durcheinander. Die widrigen Umst\u00e4nde zwingen Hunt dann auch noch seinen Intimfeind Lane zu befreien, der neben seinen terroristischen Pl\u00e4nen explizit auf pers\u00f6nliche Rache sinnt. Schlie\u00dflich hat die CIA ihren eigenen Aufpasser in Gestalt des ebenso r\u00fcden wie zwielichtigen August Walker (Henry Cavill) ins Team gezwungen, was f\u00fcr zus\u00e4tzlichen Sprengstoff sorgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">McQuarrie inszeniert diesen doppelt- und dreifachb\u00f6digen Spionageplot als Adrenalin-getr\u00e4nkten Actionthriller mit fantastischen Setpieces und grandiosen Stunteinalgen. Hunt hetzt dabei von Berlin \u00fcber Paris und London bis ins ferne Kaschmir. Die Actionchoreographien folgen dabei der erz\u00e4hlerischen Entwicklung und werden zunehmend rasanter, wilder, gehetzter und verzweifelter. Schon der minutenlange Faustkampf auf einer Pariser Club-Toilette ist an Wucht und Brachialit\u00e4t kaum zu toppen und stellt alles Vergleichbare der letzten Dekade in den Schatten. Eine irrwitzige Mottorad-Jagd duch den Pariser Berufsverkehr setzt hier noch einmal einen drauf und l\u00e4sst einem ob des offenkundigen Verzichts auf CGI und die erkennbare Beteiligung von Hauptdarsteller Tom Cruise wiederholt den Atem stocken. Da wirkt es fast schon erholsam, wenn Cruise in halsbrecherischem Tempo per Pedes entlang der Themse und \u00fcber Londoner Br\u00fccken sprintet. Allerdings nur fast, denn mehrfache Spr\u00fcnge \u00fcber und von D\u00e4chern sind ein erneuter Beleg f\u00fcr Cruises ungebrochene Stunt-Manie und -Expertise. Wer da immer noch zweifeln sollte, den stellt er mit einer ungemein fessend gefilmten Hubschrauberverfolgung &#8211; er soll extra daf\u00fcr einen Flugschein erworben haben &#8211; durchs gebirgige Kaschmir ruhig, die noch zus\u00e4tzlich mit wahnwitzigen Klettereinlagen an Seilen, Helikopterkufen und einer Steilwand aufwartet. Als puristischer, handgemachter Actionfilm ist \u201eFallout\u201c nichts weniger als ein Referenzwerk, an dem sich zuk\u00fcnftige Epigonen werden messen lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kameramann Rob Hardy liefert hier sein Meisterst\u00fcck ab und sorgt zeitgleich f\u00fcr totalen \u00dcberblick wie unmittelbares Dabeisein. Nie sah Action zugleich sch\u00f6ner und gef\u00e4hrlicher aus, nie wurde man sogartiger ins pulsierende Geschehen hinein gezogen. Besonders aber gelingt es ihm, Hunts Seelenleben und den mehrschichtigen Plot optisch zu verst\u00e4rken. H\u00e4ufig schr\u00e4ger Lichteinfall oder das Spiel mit Spiegelbildern stehen \u00e4quivalent f\u00fcr Diffusit\u00e4t, Unsicherheit und Scheinrealit\u00e4ten. Das Thema des Vexierspiels wir damit neben der erz\u00e4hlerischen, inszenatorischen und darstellerischen auch auf der visuellen Ebene aufgegriffen und konsequent umgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Protagonist Hunt und sein Team (Computerexperte Luther Stickel, Ving Rhames, zum sechsten und M\u00e4dchen f\u00fcr alles Benji Dunn, Simon Pegg, auch bereist zum vierten Mal) bedeutet dieser Hochgeschwindigkeitsrausch aber nicht nur eine weitere erfolgreiche Mission, sondern auch eine weitere Vertiefung ihrer Beziehung, die weit \u00fcber rein Berufliches hinaus geht. Es sind nur wenige Szenen und kurze Augenblicke, die Einblicke in die jeweiligen Gef\u00fchlsleben bieten, aber diese sind alles andere als obefl\u00e4chlich. Im Zentrum steht auch hier wieder Teamleader Hunt, auf den in Kashmir eine ganz besondere Begegnung wartet, die sowohl Erkenntnis wie auch Absolution bringt. Seine Irrfahrten durch die Unterwelt globaler Bedrohungen sind damit nicht beendet, aber sie bekommen so etwas wie einen tieferen Sinn und einen emotionalen Anker.<\/p>\n<p>____________________________________________________<\/p>\n<p><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Ranking. 9,5 \/ 10 Punkten)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Irrfahrten des Ethan Hunt Zu Beginn jeder unm\u00f6glichen Mission muss Ethan Hunt erst einmal \u00fcber jene informiert werden. 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