{"id":288,"date":"2018-05-01T18:36:40","date_gmt":"2018-05-01T18:36:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=288"},"modified":"2018-05-02T14:31:33","modified_gmt":"2018-05-02T14:31:33","slug":"avengers-infinity-war-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=288","title":{"rendered":"Avengers: Infinity War (2018)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">10 Jahre, 18 Filme und gut 50 Helden, das nennt man einen Masterplan. Nun kommt die Probe aufs Exempel, der Augenblick der Wahrheit, der Judgement Day. &#8222;Infinity war&#8220; nennt sich ganz lapidar dieses finale Heroentreffen, bei dem es um nichts weniger als um die freien galaktischen Welten geht. Aber wann hat Marvel mal nicht geliefert?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.presse.movie.de\/xads\/thumbnail\/557018039,565F8BE2E416A2ED863\" alt=\"http:\/\/www.presse.movie.de\/xads\/thumbnail\/557018039,565F8BE2E416A2ED863\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eFinite Plan&#8220; &#8211; Die R\u00e4cher rechnen ab<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thanos hat einen recht simplen Plan, den er mit geradezu stoischer Konsequenz und Hartn\u00e4ckigkeit verfolgt. Schlie\u00dflich braucht es f\u00fcr die Herrschaft des Universums nichts weiter als sechs kosmische Infinity Steine, da lohnt es schon, sich ein wenig anzustrengen. Auch Kevin Feige fasste einen vergleichsweise simplen Plan, als er 2007 zum President der Marvel Studios aufstieg. Auch er strebt nach globaler Herrschaft und auch er zeichnet sich dabei durch eine fast schon apodiktische Beharrlichkeit und methodische Zielstrebigkeit aus. Also brachte er in 10 Jahren zahlreiche bekannte und weniger bekannte Superhelden der Comic-Schmiede Marvel in Stellung, um sie dann gemeinsam in eine epische Schlacht um das Wohl und Wehe des parallel geschaffenen Kosmos zu werfen.<\/p>\n<figure style=\"width: 406px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.presse.movie.de\/xads\/thumbnail\/573357733,000B748929795315661\" alt=\"003582_04_Avengers_IW_HP_rz2_A4_4c_300_.jpg\" width=\"406\" height=\"574\" align=\"middle\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Offizielles Filmplakat<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eInfinity War&#8220; nennt sich dieses hei\u00df erwartete finale Stelldichein der Super-Heroen, ein ultimativer Judgment Day f\u00fcr das illustre Marvel-Personal, der zugleich Ende und H\u00f6hepunkt des zun\u00e4chst auf drei Phasen ausgelegten Marvel Cinematic Universe sein soll. Und es ist wirklich bewundernswert, wie die exakt platzierten und perfekt austarierten R\u00e4dchen der einzelnen Figuren und Handlungsst\u00e4nge nun ineinander greifen und eine ungemein pr\u00e4zise entworfene Maschinerie in Gang setzen, die trotz der enormen Personladichte nie gehetzt, nie konfus und vor allem nie konstruiert wirkt.<br \/>\nJetzt k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich einwenden, dass die Grundhandlung um Thanos Suche nach den Infinity Steinen nicht gerade vor Kompexit\u00e4t und Raffinesse strotzt. Und nat\u00fcrlich sind die au\u00dferirdischen Klunker nichts weiter als lupenreine McGuffins, die die titelgebenden Rache- und Krieg-Topoi permanent ankurbeln. Beides trifft zu, nur steckt auch dahinter eine so kluge wie logische Strategie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fokus und auch die nicht zu untersch\u00e4tzende Schwierigkeit beim Abschluss der Avengers-Trilogie liegt auf dem Zusammenwirken der h\u00f6chst unterschiedlichen Figuren. Eine komplexe und vielschichtige Handlung w\u00fcrde das ganze Ger\u00fcst krachend zum Einsturz bringen, weil gnadenlos \u00fcberfrachten. Und mal ehrlich, wer will nicht sehen wie der gockelhafte Snob Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) auf den nicht minder selbstverliebten Space-Cowboy Star-Lord (Chris Pratt) und seine Chaostruppe der Galaxis-W\u00e4chter trifft. Auch das Ego-Kr\u00e4ftemessen zwischen Stark und seinem magischen Narzissmus-Pendant Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) f\u00e4llt in diese \u201eMust see&#8220;-Kategorie. Wie passen ein w\u00fctender gr\u00fcner Riese, ein wakandischer K\u00f6nig und ein spinnender Teenager in dieses Szenario? R\u00fccken die eher als Helden-Backups agierenden Black Widow (Scarlett Johansson), Falcon (Anthony Mackie), Vision (Paul Bettany) und Scarlett Witch (Eliszabeth Olson) diesmal mehr ins Blickfeld, oder bleibt es beim Knappen-Status? Vor allem aber lebt der Film von der Spannung ob die nach \u201eThe First Avenger: Civil War&#8220; verfeindeten Avengers-Alphatiere Tony Stark und Steve Rogers (Chris Evans) wieder Seite an Seite k\u00e4mpfen, ob der stolze Asgardianer Thor (Chris Hemsworth) nach dem Verlust von Volk, Heimat und Hammer (\u201eThor: Ragnarok&#8220;) \u00fcberhaupt noch schlagkr\u00e4ftig ist und ob Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) sich endg\u00fcltig f\u00fcr eine Seite entscheiden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Stratege Feige wirklich nichts dem Zufall \u00fcberl\u00e4sst, zeigt auch die Wahl der Regisseure. Das Br\u00fcderpaar Anthony und Joe Russo durfte bereits beim zweiten (&#8222;The Return of the first Avenger&#8220;) und dritten Captain America-&#8222;Solofim&#8220; ran und hat diese Bewerbungsaufgabe mit Bravour bestanden. Schlie\u00dflich war \u201eCivil War&#8220; ein verkappter Avengers-Aufgalopp, bei dem neben dem Titelhelden sage und schreibe 11 R\u00e4cherkollegen mit ins Rennen gingen. Die Russos hatten also h\u00f6chst erfolgreich bewiesen, dass sie eine Heldentruppe in Mannschfatsst\u00e4rke navigieren k\u00f6nnen, ohne dabei den \u00dcberblick oder den roten Handlungsfaden zu verlieren. Sie haben hier auch unter den Wettkampfbedingungen einer Multimillionen-Dollar-Produktion so entscheidende Faktoren wie gegenseitige Chemie und den f\u00fcr Marvel so typischen Spagat zwischen Humor und Drama auf ihre Tauglich- und Machbarkeit f\u00fcr den anstehenden Ensemble-Erntsfall abklopfen k\u00f6nnen. Ein ausgekl\u00fcgelter Trainingsplan, der nun in \u201eInfinity War&#8220; reife Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<br \/>\nNun zahlt sich auch aus, dass man in den vorangegangenen 18 Filmen des MCU immer wieder feine Verkn\u00fcfungslinien gezogen hatte, kleine Hinweise auf den kommenden Endkampf platziert hatte und den diversen Helden nicht nur in ihren Eigen- und Besonderheiten, sondern insbesondere auch in ihren gegenseitigen Wechselbeziehungen scharf akzentuierte Profile verpasst hatte. So gen\u00fcgen in \u201eInfinity War&#8220; oft nur ein paar Blicke, Gesten oder flapsige Spr\u00fcche um Kaskaden an Konnotationen und Assoziationen los zu treten, die jedem einigerma\u00dfen MCU-Kundigen einen Heidenspa\u00df bereiten. Das soll nicht hei\u00dfen, dass ein totaler Avengers-Novize den Film nicht verstehen oder gar langweilig finden w\u00fcrde. Die ganze Produktion ist professionell und erfahren genug um auch Unkundige \u00fcberdurchschnittlich gut zu unterhalten. Fraglos ist aber \u201eInfinity War&#8220; zuvorderst ein Fanfilm in Reinkultur, eine Art finale Belohnung f\u00fcr gut 20 Jahre Leidenschaft und Treue. Die zahllosen Anspielungen, Referenzen und verkn\u00fcpften losen Enden sind eine wahre Fundgrube f\u00fcr MCU-J\u00fcnger und bei einer Einmalsichtung kaum in G\u00e4nze erfassbar.<\/p>\n<figure style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.presse.movie.de\/xads\/thumbnail\/574524452,BFD39AA11F8B1B26C0C\" alt=\"AKB4240_v086.1014.jpg\" width=\"574\" height=\"303\" align=\"middle\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\"> Motion-Capture-Schurke Thanos (Josh Brolin) f\u00fchrt nichts Gutes im Schilde.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz eines erneuten Geniestreichs aus dem erfolggewohnten Marvel-Stall ist das surrende Getriebe aber nicht g\u00e4nzlich frei von st\u00f6rendem Sand. Der arg simple Plot um eine schn\u00f6de Steinschnitzeljagd f\u00e4llt durch das famos dirigierte und interagierende Personal kaum ins Gewicht. Etwas schwerer wiegt da schon die wieder einmal nicht sonderlich charismatische und furchteinfl\u00f6\u00dfende Antagonistenfigur. Die Entscheidung f\u00fcr einen CGI-Charakter, der durch Josh Brolin via Motion-Capture-Verfahren lebensechter wirken soll, geht nur bedingt auf. Auf der Habenseite stehen eine relative Verwundbarkeit an Seele und K\u00f6rper, den k\u00fcnstlichen Anstrich wird Thanos dadurch aber nur teilweise los. Ein wenig st\u00f6ren auch die den Film durchziehenden Tonalit\u00e4tswechsel den homogenen Gesamteindruck. Wenn der Film dann im letzten Drittel in einen f\u00fcr Marvel-Verh\u00e4ltnisse geradezu melancholischen, fast finsteren Modus schaltet, steht das im harschen Kontrast nicht nur zur gewohnt farbenfrohen Optik, sondern insbesondere zu einigen betont humoristischen Passagen und zeigt die enorme Herausforderung die in ihrer Ausrichtung und Stimmung teilweise sehr unterschiedlichen Soloabenteuer unter einen dramaturgischen Hut zu bringen.<\/p>\n<figure style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.presse.movie.de\/xads\/thumbnail\/572911524,6DCDB45C977D94508E4\" alt=\"MLU-17652_R.jpg\" width=\"574\" height=\"383\" align=\"middle\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\"> Gemeinsam sind wir stark! Die Helden vor der Endschlacht.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch ist das vergleichsweise desillusionierende und offene Ende nur konsequent und \u00e4u\u00dferst clever im Hinblick auf die anstehende Fortsetzung. Wenn auch sicher aus marketingtechnischen Gr\u00fcnden das gro\u00dfe Finale auf zwei Filme aufgeteilt wurde &#8211; \u201eHarry Potter&#8220;, \u201eHunger Games&#8220; und auch die TV-Konkurrenz wie &#8222;Game of Thrones&#8220; lassen gr\u00fc\u00dfen -, so ist ein aus Heldensicht verlustreiches Ende ein idealer Cliffhanger und Appetizer f\u00fcr die endg\u00fcltige Abrechnung. Bleibt nur zu hoffen, dass Feige und mit ihm die Russo-Br\u00fcder hier keine Korrekturen vornehmen, die sich unter dem Deckmantel des Fantasy-\u00dcberbaus nur allzu leicht rechtfertigen und bewerkstelligen lie\u00dfen. Die stets gro\u00dfen Worte \u00fcber Verantwortung, Verlust und Schicksal w\u00fcrden so zu blo\u00dfen Worth\u00fclsen verkommen und das so akribisch erschaffene Marvel-Universum besch\u00e4digen. Ein solch billiger Anbiederungsservice steht allerdings kaum zu erwarten. Zu perfekt wurde alles und jeder arrangiert, in Stellung gebracht und in den Dienst der gro\u00dfen Sache \u201eMCU&#8220; gestellt. Einen lange Jahre unbeirrbar durchgezogenen Plan kurz vor dem Ziel \u00fcber den Haufen zu werfen, w\u00e4re eine kolossale Torheit. Nun, Kevin Feige mag vieles sein, aber ganz sicher kein Tor. Der grenzenlose, unendliche Krieg wird enden &#8211; und zwar nach Plan.<\/p>\n<p>(Rating: 8 \/ 10)<\/p>\n<p>___________________________<\/p>\n<p>(Bildmaterial: \u00a9Marvel Studios 2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10 Jahre, 18 Filme und gut 50 Helden, das nennt man einen Masterplan. 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