{"id":250,"date":"2018-02-01T16:31:21","date_gmt":"2018-02-01T16:31:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=250"},"modified":"2018-02-01T21:58:06","modified_gmt":"2018-02-01T21:58:06","slug":"criminal-squad-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=250","title":{"rendered":"Criminal Squad (2018)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>&#8222;Hitzige Muckibude&#8220; <\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine gro\u00dfe deutsche Kinokette veranstaltet regelm\u00e4\u00dfig sogenannte \u201eM\u00e4nnerabende\u201c. Dort gibt es dann verbilligte Hopfen-Getr\u00e4nke, ein Zielgruppen-orientiertes Hochglanzmagazin f\u00fcr lau, vor allem aber einen Film, der hoffentlich besonders dazu animiert, den oder die besten Kumpel weg von Tresen und Couch, hin vor die Leinwand zu locken. In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger daf\u00fcr ad\u00e4quates Material zu finden, daran hat auch das letzte Afb\u00e4umen von Sylvester und Arnold vor dem endg\u00fcltigen Ruhestand nicht viel \u00e4ndern k\u00f6nnen. Um so sch\u00f6ner, wenn dann mal ein Produkt zur Verf\u00fcgung steht, das wie eigens f\u00fcr die exklusive Veranstaltung entwickelt scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Im Kino: \u201eCriminal Squad\u201c (<em>von Christian Gudegast<\/em>)<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufschrei war vorprogrammiert. Da liefern sich zwei aufgepumpte Alpha-Viecher einen zweist\u00fcndigen Hahnenkampf um das vermeintlich gr\u00f6\u00dfere Gem\u00e4cht. Zwar stehen sie offiziell auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes, aber weder in Punkto Optik, noch hinsichtlich Auftreten und Habitus sind sie gro\u00df voneinander zu unterscheiden. Hier bezeichnet sich der Coprudel-F\u00fchrer ganz ironiefrei als \u201eBad Guy\u201c und folgt der Gangster-Boss einem selbst gebastelten Ehrenkodex. Derweil trieft das Testosteron f\u00f6rmlich von der Leinwand, auf der man sich permanent mit gro\u00dfen Gesten und noch gr\u00f6\u00dferen Wummen in genu\u00dfvoll zelebrierte Poser-Duelle st\u00fcrzt. Da bleiben nat\u00fcrlich ganz schnell Legionen von g\u00e4ngigen Konsumenten-Gruppen auf der bleihaltigen Strecke. Feingeister, Feminist(inn)en und v.a. eingefleischte Anh\u00e4nger der PC-Bewegung werden sich mit Grausen abwenden. Auch nicht schlecht, wird der Rest sagen, dann sind wir wenigstens unter uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eCriminal Squad\u201c l\u00e4sst die Macho-Sause \u201eFast &amp; Furious\u201c wie ein gesellschaftspolitisches Crossover-Idyll aussehen. Frauen sind nicht einmal als Staffage sonderlich relevant und die M\u00e4nner entsprechen nur einer ganz bestimmten Auspr\u00e4gung ihrer Gattung, n\u00e4mlich der, die ihren Status im wesentlichen \u00fcber Verweildauer und Anstrengungen in der Muckibude definiert. Die antrainierte Masse dient nur dem einen Zweck, den Gegner einzusch\u00fcchtern. Zeigt der sich dennoch unbeeindruckt, dann wird die Knarre gezogen. Das ist selbst f\u00fcr die feuilletonistischen Redaktionen volksnaher Bl\u00e4tter oder Seiten restlos vermintes Gebiet, das man am sichersten mit Abscheu umgeht. Tja, schade eigentlich, denn bei enstprechender Laune und Einstellung kann man gerade ob der im Minutentakt abgefeuerten Machismo-Salven ordentlich Spa\u00df haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oberfl\u00e4chlich betrachtet mag der Film kompeltt ironiefrei daher kommen, aber kann man eine solch exaltierte Goggelei wirklich ernst nehmen? Falls nein, ist ein launiger Kinoabend garantiert, sofern zumindest ein rudiment\u00e4res Faible f\u00fcr das m\u00e4nnliche K\u00f6rperkino vorhanden ist.<br \/>\nGerard Butler hat sich ja schon als Spartanerk\u00f6nig in ur-m\u00e4nnlichen Posen und Spr\u00fcchen ge\u00fcbt, ist also so etwas wie eine Traumbesetzung. Nick &#8211; seine Cop-Kumpels nennen ihn bezeichnenderweise \u201eBig Nick\u201c &#8211; O\u00b4Brian ist ein Leonidas 2.0, ein Charisma-Bolzen, dem sein treu ergebenes Cop-Rudel blindlings und schie\u00dffreudig in jede Schlacht folgt. Er ist in jeder nur erdenklichen Art auf Krawall geb\u00fcrstet und lebt diese br\u00fcllige Attit\u00fcde offensiv aus. Sein Gegner hat eine \u00e4hnliche Raubtier-Ausstrahlung, tritt aber insgesamt besonner und \u00fcberlegter auf. Ein sichtlich auftrainierter Pablo Schreiber verpasst dem Bankr\u00e4uber-Mastermind Ray Merrimen immerhin die n\u00f6tige Rauhbein-Pr\u00e4senz, um gegen Butler einigerma\u00dfen bestehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessanterweise lauert unter der Oberfl\u00e4che des reinen Prolo-Wettstreits ein recht cleverer Heist-Thriller. Merrimen und seine M\u00e4nner m\u00f6gen aussehen wie wandelnde Knacki-Klischees, ihre kriminellen Ambitionen spielen ganz klar in der Oberliga. Ihr aktuelles Ziel ist kein geringeres als die Federal Reserve Bank in L.A. und die angepeilte Beute bewegt sich im achtstelligen Bereich. Deshalb ist ihnen auch die h\u00e4rteste Spezialeinheit der Stadt auf den Fersen, bei der ebenfalls eine \u00fcberaus deutliche Diskrepanz zwischen \u00e4u\u00dferem Erscheinungsbild und beruflichen Qualit\u00e4ten besteht. Der Film setzt sogar weit mehr auf seinen Bankraub-Plot als exzessive Actionszenen, die lediglich zu Beginn und am Ende den dann allerdings donnernden Ton angeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles erinnert also an Michael Manns Genre-Meilenstein \u201eHeat\u201c. Vom minuti\u00f6s geplanten gro\u00dfen Coup, \u00fcber ein paar geschickt platzierte Twists, bis zum gnadenlosen Duell zweier fokussierter Vollprofis und dem Setting in den weniger fotogenen Gegenden von Los Angeles sind die Gemeinsamkeiten fast schon aufreizend offensichtlich. Obwohl \u201eCriminal Squad\u201c sicher meilenweit vom Klassiker-Status des Mann-Films entfernt ist, w\u00e4re eine blo\u00dfe Abstempelung zum \u201eProleten-Heat\u201c auch nicht fair. Mann entwickelt ein hochinteressantes Psychogramm nicht nur seiner beiden Antihelden, sondern auch der dunklen Seite der Stadt der Engel und des American Way of Life, wesentlich unters\u00fctzt von Score und Kamera.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regienovize Christian Gudegast mag das Vorbild bewundern und sich davon inspiriert haben lassen, sein Film aber verfolgt ganz andere, wenn man so will deutlich weniger ambitionierte Ziele. Ob er wirklich pures Testosteron in Bilder gie\u00dfen wollte, kann nur er beantworten. Das jedenfalls ist die Essenz dieses Cop-Heist-Action-Thrillers und es ist so ziemlich die einzige. Wem das zu wenig, oder zu doof ist, der sei hiermit ausdr\u00fccklich gewarnt. Wer aber \u201e300\u201c noch immer cool findet &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden auch immer -, der ist hier ganz sicher nicht verkehrt. Die Frau oder Freundin durch Gerstensaft ersetzen, k\u00f6nnte aber auch nicht schaden. Nur so als Tipp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Hitzige Muckibude&#8220; Eine gro\u00dfe deutsche Kinokette veranstaltet regelm\u00e4\u00dfig sogenannte \u201eM\u00e4nnerabende\u201c. 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