{"id":229,"date":"2018-01-14T14:11:46","date_gmt":"2018-01-14T14:11:46","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=229"},"modified":"2018-01-14T16:44:23","modified_gmt":"2018-01-14T16:44:23","slug":"jean-claude-van-johnson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=229","title":{"rendered":"Jean-Claude Van Johnson"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;TV ist das neue Kino&#8220; h\u00f6rt man immer wieder. Was postiv gemeint ist und das Kino kritisch sieht, kann man bei genauerer Betrachtung durchaus und ohne gro\u00dfe M\u00fche argumentativ umdrehen. TV-Serien gibt es inzwischen wie Sand am Meer, vieles ist auf die breite Masse zugeschnitten, einiges ist schlicht vergessenswert und nur wenig ist wirklich hoch qualitativ. Die gute Nachricht, genau wie auf der gro\u00dfen Leinwand gibt es auch im Pantoffelkino lohnenswerte Nischenprodukte f\u00fcr den ganz speziellen Geschmack. Immerhin kann man mit Piloten erst mal vorf\u00fchlen, ob das Produkt \u00fcberhaupt gef\u00e4llt. Bei &#8222;Jean-Claude Van Jonson&#8220; war das Votum eindeutig, also ab in die Untiefen abgehalfterter Action-Heroen aus einer weit, weit entfernten Dekade. Ihr habt es so gewollt &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>\u201eEs war einmal der Actionheld\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sylvester Stallone hat das brach liegende Potential als erster erkannt. Warum nicht aus der Not eine Tugend und die allseits angezweifelte Daseinsberechtigung zum Aufh\u00e4nger einer gloriosen R\u00fcckkehr machen? Und das mit ganz viel Wumms, schlie\u00dflich ist man Rocky und Rambo, da schleicht man sich nicht durch die Hintert\u00fcr wieder rein, sonder tritt sie krachend ein. Als Anf\u00fchrer einer betagten Herrenriege der \u00dcberfl\u00fcssigen, Austauschbaren, Entbehrlichen, bediente er die schwelende Sehnsucht nach dem verloren gegangenen, kernigen M\u00e4nnerkino des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Ein perfekt gestandener, doppelter R\u00fcckberger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Erfolg der \u201eExpendables\u201c ist aber nicht einfach nur einer der grassierenden Retro-Manie, er ist vor allem auch einer der ironisch gebrochenen Selbsterkenntnis einer immer als dumpf abgestempelten Darsteller-Generation des oft gering gesch\u00e4tzten bis verachteten K\u00f6rperkinos. Im Zuge der Trilogie bricht sich die \u00fcber allem schwende Selbstironie immer mehr Bann, bis sie dann in einem selbstreferenziellem Feuerwerk m\u00fcndet, das ebenso viele Kalauer wie Projektile verschie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der besondere Reiz der Filme besteht nat\u00fcrlich zuvorderst im Wiedersehen mit den Helden glorreicher Genrezeiten. Stallone hatte gerufen und fast alle waren gekommen. Neben den Platzhirschen Schwarzenegger, Willis, Gibson, Ford und dem aktuellen Bannertr\u00e4ger Statham, waren es aber nicht zuletzt die Herren aus der zweiten Reihe, die den Kult erst zementierten: Dolph Lundgren, Wesley Snipes, Antonio Banderas und Chuck Norris. Und vor allem die sind daf\u00fcr verantwortlich, dass die Filme noch auf einer zweiten Ebene, neudeutsch \u201eMeta-Ebene\u201c, funktionieren. Denn diese Herren spielen sich nicht nur selbst, sondern lassen ihre bekanntesten Figuren im Expendables-Kontext wieder auferstehen und bieten damit einen ganz speziellen Fanservice f\u00fcr den nerdigen Insider.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer, der bisher nicht genannt wurde, hatte die ungeheuren M\u00f6glichkeiten dieses Konzepts sogar noch ein wenig fr\u00fcher ausgetestet, sofern man es nicht einfach nur als Insidergag untermischt, sondern zum zentralen Motiv erhebt: Jean-Claude Van Varenberg, besser bekannt unter seinem K\u00fcnstlernamen \u201eVan Damme\u201c. In der autobiographischen Dram\u00f6die \u201eJCVD\u201c spielte Belgiens ber\u00fchmtester Action-Export sich selbst und bewies dabei ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an augenzwinkernder Selbstreflexion. Ein Husarenst\u00fcck, das er nun mit einer exklusiven TV-Serie des Online-Giganten amazon zu wiederholen versucht. Nur noch ironischer, noch absurder und vor allem noch viel mehr \u201emeta\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJean-Claude Van Johnson\u201c hei\u00dft das gute Streaming-St\u00fcck und seine Pr\u00e4misse ist so simpel wie genial. Van Damme gibt den alternden Geheimagenten Jean-Claude Van Johnson, dessen Tarnung ein gewisser Action-Star namens Jean-Claude Van Damme ist. Eigentlich ist er im Ruhestand und k\u00f6rperlich eingerostet, aber um seine Ex-Kollegin und -Geliebte zur\u00fcck zu gewinnen, schn\u00fcrt er nochmal die Einsatzstiefel und fliegt gen Bulgarien. Dort warten ein kniffliger Geheimauftrag und ein weniger kniffliges B-Movie auf den Superagenten. Noch Fragen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der doppelte Meta-Damme also, ein Fest f\u00fcr und ausschlie\u00dflich f\u00fcr Fans. Man sollte seinen Jean-Claude schon sehr gut kennen, vor allem und ganz besonders auch seinen m\u00fchevollen Abstieg vom g\u00fcldenen B-Action-Olymp in die d\u00fcstere und unglamour\u00f6se DTV-Unterwelt. Kurz: Wer den Karate-Belgier also auch bei seinen immer m\u00fchsamer und schmerzhafter werdenden Spagaten die Treue gehalten hat, der wird hier f\u00fcrstlich entlohnt und zwar mit einer grandiosen Zwittershow aus selbstironischer Persiflage und selbstreflexiver Nabelschau.<br \/>\nDas ist mal br\u00fcllend komisch, mal vordergr\u00fcndig derb, mal schwerm\u00fctig melancholisch. Der Ton ist manchmal schrill, manchmal daneben, manchmal auch zu dick aufgetragen. So wie sein Exponat, sein Sujet, sein Star. Die Serie ist kein genial durchkonzipiertes Vehikel zur Rehabilitation oder Glorifizierung eines gebeutelten Filmstars. Sie ist ein buntes Kaleidoskop des Lebens, Schaffens, der H\u00f6hen, Tiefen und Befindlichkeiten eines gewissen Jean-Claude Van Varenbergs. Es ist insbesondere das Unrunde, das Atonale und das teilweise zu Exaltierte, was den besonderen Reiz und Charme der Mini-Serie ausmacht. Ob beabsichtigt oder nicht, jedenfalls wird gerade dadurch Wesen und Wirken VanDammes so erfrischend unpr\u00e4tenti\u00f6s auf den Punkt gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unabh\u00e4ngig von der grundsympathischen Gesamtkonzeption gibt es eine wahre F\u00fclle an kleinen Details, Anspielungen und Verballhornungen zu entdecken. Im Zentrum stehen dabei sein gr\u00f6\u00dfter Box Office Hit &#8211; der Zeitreise-Actioner \u201eTimecop\u201c (1994) &#8211; sowie seine stattliche DTV-Filmographie (ab 1999), die beinahe samt und sonders im osteurop\u00e4ischen Billigfilm-Mekka (Rum\u00e4nien und Bulgarien) heruntergekurbelt wurde und wird. Folgerichtig dreht der Serien-VanDamme zur Tarnung seiner Agentenmission in Bulgarien vor Ort eine Martial-Arts-Version von Twains \u201eHuckleberry Finn\u201c und erlebt dabei ein Timecop-D\u00e9j\u00e0-vu nach dem n\u00e4chsten. Produzenten, Regisseure, Darsteller und Machart der Filme bekommen allesamt gen\u00fc\u00dflich ihr Fett weg, VanDamme inbegriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass der Star prinzipiell und nat\u00fcrlich am Ende mit Wohlwollen bedacht wird, darf und sollte man der Serie nicht zum Vorwurf machen. Erdacht und gedacht f\u00fcr Anh\u00e4nger der &#8222;Muscles from Brussels&#8220; w\u00e4re eine bissige Demontage geradezu idiotisch und kein Format, f\u00fcr das sich Van Damme hergeben m\u00fcsste. Ohnehin zeigt er im Unterschied zu seinen Ex-Kollegen und -Rivalen ein erstaunliches Ma\u00df an Mut zur Reflexion der eigenen Person und Karriere. W\u00e4hrend Steven und Dolph weiterhin unger\u00fchrt drei humorlose Billig-Klopper per anno in osteurop\u00e4ischen C-Kulissen abspulen, Bruce und Nicolas ihnen bereits dicht auf den Fersen sind und Arnold langsam aber sicher feststellen muss, dass Alter und Bodybuilding ihren Tribut fordern, scheint Jean-Claude zumindest noch risikobereit und an neuen Herausforderungen interessiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wiederum verbindet ihn mit dem Mann, der das ganze Genre und ihre unverwechselbaren Typen erst m\u00f6glich und salonf\u00e4hig gemacht hat. Sein Nickname \u201eSly\u201c k\u00f6nnte treffender nicht sein. Schlau ist auch VanDamme, und \u00fcberhaupt, das Klischee von den dummen Muskelm\u00e4nnern haben wir schon fr\u00fcher vehement gegen all die tumben Ignoranten verteidigt. Zu Recht, wie man sp\u00e4testens jetzt sieht, wenn man denn will. Ein wenig Selbstkritik und Format brauchts dazu allerdings schon, also nehmt euch ein Beispiel. Und keine Angst, das geht auch ohne Spagat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;TV ist das neue Kino&#8220; h\u00f6rt man immer wieder. 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