{"id":218,"date":"2018-01-11T16:44:58","date_gmt":"2018-01-11T16:44:58","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=218"},"modified":"2018-01-13T10:02:12","modified_gmt":"2018-01-13T10:02:12","slug":"the-commuter-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=218","title":{"rendered":"The Commuter (2018)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wer kennt das nicht. Die immergleiche, \u00f6de Fahrt zum und vom Arbeitsplatz im \u00fcberf\u00fcllten Zug des Grauens. Der franz\u00f6sische Actionthriller-Spezialist Jaume Collet-Serra hat aus diesem Allerweltsszenario einen Spannungsfilm gebastelt und daf\u00fcr mal wieder Liam Neeson engagiert. Das klingt doch nach einem lohnenden Kinoabend mit netter Begleitung. Nicht nur, aber auch f\u00fcr den geplagten Pendler von nebenan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>\u201eEin Pendler schl\u00e4gt aus, oder Liam nimmt den Zug\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pendler ist ein bemitleidenswertes Individuum. Tag f\u00fcr Tag sitzt er zusammengepfercht mit hunderten von Schicksalsgenossen im Gro\u00dfraumabteil eines Regionalzuges. Die Strecke, die Gesichter, die Fahrzeit, bald kennt er alles in und auswendig. \u00d6dnis im Hamsterrad, eine Endlosschleife der Langeweile. Dabei von einer fremden Frau angesprochen zu werden, gleicht da fast einem Lotto-Jackpot, zumal wenn sie wie Vera Farmiga aussieht.<br \/>\nMichael MacCauley hei\u00dft der gl\u00fcckliche Gewinner, wobei es mit dem einem schnell vorbei ist und er sich f\u00fcr das Andere m\u00e4chtig ins Zeug legen muss. Denn die \u201ekleine Sache\u201c, die er f\u00fcr die geheinmnisvolle Sch\u00f6nheit erledigen soll, entpuppt sich schnell als perfides und vor allem t\u00f6dliches Katz-und-Maus-Spiel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_153251\" aria-describedby=\"caption-attachment-153251\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-153251 size-full\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/film-book.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/vera-farmiga-liam-neeson-the-commuter-01-600x350.jpg?resize=600%2C350\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" srcset=\"https:\/\/i1.wp.com\/film-book.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/vera-farmiga-liam-neeson-the-commuter-01-600x350.jpg?resize=600%2C350 600w, https:\/\/i1.wp.com\/film-book.com\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/vera-farmiga-liam-neeson-the-commuter-01-600x350.jpg?resize=281%2C164 281w\" alt=\"Vera Farmiga Liam Neeson The Commuter\" width=\"600\" height=\"350\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-153251\" class=\"wp-caption-text\">Pendler bleib bei Deinesgleichen. Vera Farmiga und Liam Neeson plauschen im Zug. (&#8222;The Commuter&#8220;, \u00a9StudioCanal, 2018)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein unscheinbarer Normalb\u00fcrger &#8211; sofern man Liam Neeson als unscheinbar bezeichnen kann &#8211; ger\u00e4t unvermittelt in eine undurchsichtige Extremsituation, bei der er lange Zeit ebenso im Dunklen tappt wie der ahnungslose Zuschauer. Da dauert es nat\u00fcrlich keine Nano-Sekunde, bis der obligatorische Hitchcock-Vergleich gezogen wird. Oberfl\u00e4chlich betrachtet mag das stimmen, aber \u201eThe Commuter\u201c folgt seinen eigenen Gesetzen und die definieren sich vor allem durch das eingespielte Duo aus Star und Regisseur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jaume Collet-Serra und Liam Neeson arbeiten hier bereits das vierte Mal zusammen und ihre Kollaboration funktioniert wie eine gut ge\u00f6lte Maschine. Der Franzose ist nicht einfach nur ein begabter Action-Handwerker, der sich lediglich auf schn\u00f6de Stuntarbeit und Pyrotechnik versteht. Das Luc Besson-Proteg\u00e9 ist ein Meister der visuellen Spannungserzeugung. Ob auf hoher See, in gr\u00f6\u00dfer H\u00f6he (\u201eNon-Stop\u201c), oder wie hier im schn\u00f6den Zugabteil, stets sorgt die so effizient wie originell eingesetzte Kamera f\u00fcr ein Mittendrin statt \u201enur dabei\u201c.<br \/>\nLiam Neeson ist dabei das essentielle Indentifikations-Bindeglied. F\u00fcr die h\u00e4ufig vertrackten, aber eben auch \u00fcberkonstruierten Plots braucht es einen darstellerischen Ruhepol, einen gestandenen Mimen, der dem aberwitzigen Szenario mit W\u00fcrde und Gleichmut begegnet. Der h\u00fcnenhafte Ire scheint daf\u00fcr geradezu pr\u00e4destiniert. Er wirkt integer, souver\u00e4n, gelassen und abgebr\u00fcht. Er spricht kein \u00fcberfl\u00fcssiges Wort, handelt intuitiv und entschlossen. Falls n\u00f6tig, kann er auch r\u00fcde werden und ordentlich austeilen. Ein Mann der Tat. Fr\u00fcher h\u00e4tte man daf\u00fcr Clint Eastwood oder Charles Bronson engagiert, aber der eine war immer einen Tick zu cool und der andere einen Tick zu Gangster. Neeson vereint s\u00e4mtliche St\u00e4rken der beiden und legt noch ein geh\u00f6riges Ma\u00df an Gravitas obendrauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u201eCommuter\u201c sind diese seine Vorz\u00fcge gefragter denn je, schlie\u00dflich gibt er einen 60-j\u00e4hrigen Versicherungskaufmann, der im Verlauf der Zugfahrt den James Bond in sich entdeckt. Neeson nimmt man diese Mutation ab, was ganz entscheidend f\u00fcr das Funktionieren der sukzessive beschleunigenden Thriller-Fahrt ist. \u00c4hnlich den drei vorigen Serra-Neeson-Projekten (\u201eUnknown Identity\u201c, \u201eNon-Stop\u201c, \u201eRun all Night\u201c), entwickelt sich auch \u201eThe Commuter\u201c vom verzwickten Thriller-Puzzle zum schn\u00f6rkellosen Action-Brett mit ein wenig \u00fcberkandidelter Aufl\u00f6sung. Neesons Grandezza und Collet-Serras Cleverness umschiffen dabei souver\u00e4n s\u00e4mtliche dramaturgischen Untiefen und liefern auch mit ihrer vierten Zusammenarbeit eine vergn\u00fcgliche Feierabendsause f\u00fcr Genre-Kino-Freunde. W\u00e4re auch was f\u00fcr den geschundenen Pendler von heute, denn in Zeiten von Smombies und anderen digitalen Mainstreamern ist ja alles jederzeit und \u00fcberall konsumierbar. Au\u00dferdem ist man dann weitestgehend sicher davor, sich von fremden Frauen ansprechen zu lassen. Schlie\u00dflich hat nicht jeder einen Bond in sich, den er bei Bedarf rauslassen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer kennt das nicht. Die immergleiche, \u00f6de Fahrt zum und vom Arbeitsplatz im \u00fcberf\u00fcllten Zug des Grauens. 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