{"id":153,"date":"2017-12-10T14:20:55","date_gmt":"2017-12-10T14:20:55","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=153"},"modified":"2017-12-12T21:59:48","modified_gmt":"2017-12-12T21:59:48","slug":"ein-fest-wir-feiern-wollen-oder-das-star-wars-phaenomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=153","title":{"rendered":"&#8222;Ein Fest wir feiern wollen!&#8220; &#8211; oder: Das Star Wars-Ph\u00e4nomen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Endlich ist es wieder soweit. Die allj\u00e4hrlichen Festtage stehen an. Nein, gemeint ist nicht das Fest der Liebe, Vergebung und der stetig wachsenden Beschenkung. Trotzdem gibt es gewisse Parallelen. Auch hier geht es um ein \u00fcberirdisches Ph\u00e4nomen, das zudem von so manchen J\u00fcngern mit enormem religi\u00f6sen Eifer betrieben wird. Auch hier steht ein generationen\u00fcbergreifendes Familienfest an, das alle zum Jahresabschluss an einem Ort zusammen f\u00fchrt. Das Gute daran: Keiner hat irgendeine Art von Vorbereitungsstress, das Men\u00fc ist bekannt und jeder gl\u00fccklich damit. Gut, der ein oder andere wirft sich in sein sorgsam zusammen gestelltes Festtagsgewand, aber im Unterschied zum weihnachtlichen Laufsteg muss niemand f\u00fcrchten ob der immer gleichen Garderobe geh\u00e4nselt zu werden. Im Gegenteil, hier gibt es daf\u00fcr sogar noch extra Applaus. Der geneigte Leser hat es nat\u00fcrlich l\u00e4ngst erraten, ein neuer Star Wars-Film steht vor der T\u00fcr, also ab in die Fest- \u00e4h Lichtspielh\u00e4user und auf in den Kampf gegen die dunkle Seite der Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis &#8230;\u201c. Mit diesem simplen Satz in leuchtend hellblauen Lettern beginnt jeder Star Wars Film. Ein geniales Intro, den damit ist bereits alles gesagt. Geboten wird eine unwiderstehliche Mischung aus dem gesammelten M\u00e4rchen-, Mythen- und Sagenfundus der westlichen Hemisph\u00e4re gepaart mit abenteuerlicher Science Fiction.<br \/>\nVor langer Zeit, genauer gesagt vor 40 Jahren, machte sich ein gerade der Filmschule entwachsener Regienovize daran, die kommerzielle Filmwelt f\u00fcr immer zu ver\u00e4ndern. Seine Name: George Lucas. Nat\u00fcrlich wurde er zun\u00e4chst als Spinner abgetan und von seinen besten Freunden mitleidig bel\u00e4chelt. Eine Weltraumoper, angelehnt an die billigen TV-Serials der 1940er Jahre und unterf\u00fcttert mit einem kruden Mix aus Artus-Sage, Western und Kriegsfilm? Ein Film, bei dem Nazi-Diktatur, Samurai-Kodex und Swashbuckler-Kontext Pate standen? Ein im wahrsten Sinne abenteuerliches Unterfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hollywood der 1970er Jahre hatte sich endlich vom studiodominierten Star- und Mainstream-System der vergangenen Dekaden befreit. Eine neue Generation hungriger, unbequemer und ambitionierter Filmemacher um Francis Ford Coppola (\u201eDer Pate\u201c 1972, \u201eApocalypse Now\u201c, 1979), Martin Scorsese (\u201eTaxi Driver\u201c, 1976) und Michael Cimino (\u201eDen letzten bei\u00dfen die Hunde\u201c, 1974) drehte h\u00f6chst erfolgreich zeit- und gesellschaftskritische Filme f\u00fcr ein denkendes Erwachsenenpublikum. Im diametralen Unterschied zur heutigen Kinolandschaft wurden dabei allerdings die 10-15-j\u00e4hrigen schn\u00f6de vernachl\u00e4ssigt. George Lucas stie\u00df genau in dieses Vakuum und schuf eigens f\u00fcr diese Verschm\u00e4hten und popkulturell Heimatlosen einen ganz neuen Kino-Mythos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sein ganzes Konstrukt war auch der Erfolg m\u00e4rchenhaft, weil der praktisch \u00fcber Nacht und vor allem v\u00f6llig unerwartet kam. Lucas hatte bis kurz vor Start n\u00e4chtelang bis hin zu v\u00f6lliger k\u00f6rperlicher und psychischer Ersch\u00f6pfung am finalen Filmschnitt gearbeitet. Immer wieder hatte er im Vorfeld um Geld betteln und die finanziellen Engp\u00e4sse durch Schulden und Kreativit\u00e4t ausgleichen m\u00fcssen. Weder die engagierten Techniker, noch die unbekannten Hauptdarsteller glaubten an einen Erfolg. Der einzige Star, Sir Alec Guinness, \u00e4u\u00dferste sich gar abf\u00e4llig \u00fcber die naive Trivialit\u00e4t des Ganzen. Die Studiogranden von Finanzier 20th Century Fox bastelten bereits an Abschreibungsstrategien. Und dann der Start &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im predigitalen Zeitalter z\u00e4hlte die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda noch was. Ein Film war noch nicht nach dem ersten Wochenende als Hit oder Flop abgestempelt. Er konnte sich entwickeln, herum sprechen, entdeckt werden. Und genau das passierte. Aufgrund der desastr\u00f6sen Erwartungen hatte man auf einen Breitenstart verzichtet. Aber das Wunder nahm seinen Lauf, das Publikum liebte Star Wars. Es war wie ein Erweckungserlebnis. Vor den vergleichsweise wenigen Kinos bildeten sich alsbald lange Schlangen, die zunehmend \u00fcber mehrere Blocks reichten. Der Begriff und vor allem das Ph\u00e4nomen des \u201eBlockbuster\u201c war geboren. Der Rest ist wie man so sch\u00f6n sagt Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lucas mutierte binnen weniger Wochen vom vermeintlichen Versager zum neuen Hollywood-Wunderkind. Dabei war er der heimischen Filmschmiede stets skeptisch gegen\u00fcber gestanden. Und er hatte vorgesorgt. Fox lie\u00df er lediglich den Vertrieb erledigen, f\u00fcr die Effekte gr\u00fcndete er seine eigene Firma (ILM). Der cleverste Schachzug hin zur filmischen Unabh\u00e4ngigkeit aber war ein anderer. Bei Fox hatte man insgeheim die Sektkorken knallen lassen, als Lucas auf eine Gage verzichtet und lediglich auf prozentualer Gewinnbeteiligung und s\u00e4mtlichen Rechten am Merchandising bestand. Wie oft man sich daf\u00fcr in der Foxschen Chefetage verflucht hat, ist nicht belegt. Wenigstens blieb ihnen seinerzeit der hellseherische Blick ins Jahr 2017 erspart, in dem das Star Wars-Logo ganzj\u00e4hrig auf allen denkbaren und undenkbaren Artikeln des Alltags und des Vergn\u00fcgens prangt. Lucas jedenfalls wurde dadurch zum Multimillion\u00e4r und konnte die beiden Fortsetzungen \u201eDas Imperium schl\u00e4gt zur\u00fcck\u201c (1980) und \u201eDie R\u00fcckkehr der Jedi Ritter\u201c (1983) ganz nach seinen Vorstellungen realisieren. Hollywood war dankbar, wenigstens den Verleiher geben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was ist nun wirklich dran an einem Ph\u00e4nomen, das 40 Jahre nach seiner Geburt gr\u00f6\u00dfer scheint denn je? Den Nerv ihrer Entstehungszeit haben auch andere Filme getroffen, die heute l\u00e4ngst vergessen sind. Was ist dran an einer im Kern trivialen Geschichte, in der ein jugendlich-idealistischer Knappe, ein deutlicher abgekl\u00e4rterer Raubritter und eine schnippische Prinzessin die M\u00e4chte der Finsternis besiegen? In der Laurel und Hardy als z\u00e4nkisches Roboterpaar f\u00fcr Witz und Pfiffigkeit sorgen? In der die entscheidendste Phase der r\u00f6mischen Geschichte in fernen Welten neu aufgerollt wird? Star Wars ist letztlich eine auf den ersten Blick vogelwilde, aber letztlich eben absolut stimmige Mixtur mythischer Geschichten, geschichtlicher Mythen und &#8211; vornehmlich US-amerikanischer &#8211; popkultureller Einfl\u00fcsse des 20. Jahrhunderts. Als Erkl\u00e4rungsmodell greift dies allerdings zu kurz. Zuneigung, zumal eine solch innige, erlangt man nur \u00fcber Emotionen. Und auch da ist Star Wars ganz gro\u00df. Denn abseits all der clever vermischten Zutaten, abseits der erz\u00e4hlerischen Bandbreite und abseits der tricktechnischen Fabelleistungen verf\u00fcgen die Filme vor allem \u00fcber eins: Herz und einen unwiderstehlichen Charme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Weise Jedi-Meister Yoda seinem Novizen Luke den Unterschied zwischen Gut und B\u00f6se, zwischen Versuchung und Standhaftigkeit vermittelt, dann mag das simpel anmuten, ergreifend und ber\u00fchrend ist es dennoch. Wenn sich der coole Weltraumpirat Han Solo und die spr\u00f6de Sternenprinzessin Leia im Angesicht von Feind und Tod ihre Liebe gestehen, dann ist das packend. Und wenn der schwarze Lord der Sith dem besiegten und verwundeten Luke seine wahre Herkunft enth\u00fcllt, stockt einem auch noch beim x-ten Wiedersehen der Atem.<br \/>\nLucas hat Helden geschaffen, mit denen man sich identifizieren kann, mit denen man mitfiebert, mitleidet und mitlacht. F\u00fcr die drei Darsteller Mark Hamill (Luke Skywalker), Carrie Fisher (Prinzessin Leia) und Harrison Ford (Han Solo) waren diese ikonischen Figuren Fluch und Segen zugleich. Einzig Ford konnte sich von Star Wars l\u00f6sen und eine einzigartige Schauspiel-Karriere starten. Lucas hat er dabei fast alles zu verdanken, denn der schrieb ihm auch noch den nicht minder ikonischen Arch\u00e4ologen-Abenteurer \u201eIndiana Jones\u201c auf den Leib.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist es nur recht und billig, dass er 2015 bei der hei\u00df ersehnten Fortsetzung der Urtrilogie (\u201eDas Erwachen der Macht\u201c) wieder an Bord des \u201eMillenium Falcon\u201c anheuerte und neben seinem behaarten Kumpel Chewbacca Platz nahm. Diesmal allerdings unter der Regide von Disney. George Lucas hatte die Rechte an seiner Saga f\u00fcr eine horrende Summe verh\u00f6kert. Ob es an seinem Alter lag, oder der Entt\u00e4uschung vieler Star Wars-Fans \u00fcber Ton und Ausrichtung seiner Prequel-Trilogie?<br \/>\nTats\u00e4chlich lie\u00df die Vorgeschichte von \u201eKrieg der Sterne\u201c so ziemlich alles vermissen, was die drei ersten Abenteuer ausgezeichnet hatte: sympathische Helden, ergreifende Momente, ein authentischer Look und ein \u00fcberm\u00e4chtiger B\u00f6sewicht. Der Technikfreak Lucas setzte voll auf Digitalisierung und produzierte damit eine kalte, k\u00fcnstliche Sterilit\u00e4t. Zahlreiche Kreaturen und ein Gros der neuen Welten stammten aus dem Rechner. W\u00e4hrend die Modelle, Masken und h\u00e4ndisch erbauten Sets einst ungemein real gewirkt hatten, w\u00e4hnte man sich hier in einem Animationsfilm. Dazu kamen blasse Helden sowie eine h\u00f6lzern und umst\u00e4ndlich erz\u00e4hlte Politparabel, die weder Spannung noch Dramatik erzeugen konnte. Aber Star Wars war l\u00e4ngst zur Marke geworden, der Rubel rollte dennoch. Das Feld globaler Weltrekorde musste Lucas allerdings an James Cameron r\u00e4umen.<br \/>\nSo gesehen hat Disney alles richtig gemacht, als es die popkulturelle Wunderwaffe der Gegenwart auf das neu erstandene Luxusgut ansetzte. J.J. Abrams reaktivierte die alten Recken Han, Leia und Luke, lies den \u201eRasenden Falken\u201c wieder fliegen und orientierte sich in Ausstattung, Ton und Dramaturgie an George Lucas Erstling von 1977. Dieser beherzte Retro-Schwenk f\u00fchrte Star Wars zur\u00fcck auf die g\u00fcldene Siegesallee der \u00dcberblockbuster. Da konnte selbst die geballte Macht der Marvelschen Superhelden nichts mehr entgegen setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun also kommt der Mittelteil der dritten Trilogie. Und Star Wars-Fans wissen, was das bedeutet. \u201eKrieg der Sterne\u201c mag das Ph\u00e4nomen los getreten haben, aber die Hinwendung in Richtung Mythos, in Richtung geradezu religi\u00f6ser Verehrung und nimmer enden wollender Fan-Leidenschaft fu\u00dft ganz entscheidend auf der ersten Fortsetzung. Bis heute ist \u201eDas Imperium schl\u00e4gt zur\u00fcck\u201c nicht nur einer der besten Filme aller Zeiten, sondern vor allem und ganz besonders der beste, sch\u00f6nste, ergreifendste, spannendste, ideenreichste und tiefgr\u00fcndigste Star Wars-Film. Die gute Nachricht: Das sieht auch Rian Johnson so, der den eher stromlienf\u00f6rmigen Abrams auf dem Regiestuhl abl\u00f6ste. Eine Brise Neo-Noir-Mystery (wie in Johnsons Regiedebut \u201eBrick\u201c) w\u00e4re genau die richtige Ingredienz f\u00fcr \u201eDie letzten Jedi\u201c hin zur \u201eEmpire-Werdung\u201c der neuen Trilogie. \u201eHoffnung du haben solltest!\u201c, w\u00fcrde Yoda sagen. Und wer will schon einem 700-Jahre alten Jedi-Meister widersprechen? Am 14.12. wissen wir mehr, wenn John Williams Fanfaren ert\u00f6nen und es wieder hei\u00dft: \u201eEs war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis &#8230; .\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich ist es wieder soweit. Die allj\u00e4hrlichen Festtage stehen an. Nein, gemeint ist nicht das Fest der Liebe, Vergebung und der stetig wachsenden Beschenkung. Trotzdem gibt es gewisse Parallelen. 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