{"id":135,"date":"2017-12-09T13:40:57","date_gmt":"2017-12-09T13:40:57","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=135"},"modified":"2017-12-09T15:41:07","modified_gmt":"2017-12-09T15:41:07","slug":"jason-bauer-und-ein-quaentchen-bond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=135","title":{"rendered":"Bond 22: Ein Quantum Trost (2008)"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Jason Bauer und ein Qu\u00e4ntchen Bond?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"Blocksatz\" style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"Blocksatz\">Schon die Pre Title Sequenz gibt Ton und Rhythmus des Films vor. Die Autoverfolgung \u00fcber eine norditalienische Serpentinenstra\u00dfe ist brutal, schmutzig und rasend schnell geschnitten. Einzig der Mann am Steuer eines arg l\u00e4dierten Aston Martin scheint den \u00dcberblick zu behalten, einen \u00dcberblick den der Zuschauer bereits nach wenigen Sekunden verloren hat. Willkommen im Stakatto-Actionkino der Neuzeit, Mr. Bond.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Man mag die offenkundige Orientierung an der <em>Bourne<\/em>-Trilogie goutieren oder verdammen, das (\u00fcberfl\u00fcssige) Eingest\u00e4ndnis einer Niederlage jedenfalls ist nicht wegzudiskutieren. W\u00e4hrend Bondfilme das Actiongenre einst erst begr\u00fcndeten und im Laufe der Zeit st\u00e4ndig neue Standards setzten, scheint man inzwischen im eigenen Lager an den Trendsetterqualit\u00e4ten der langlebigen Franchise zu zweifeln. Und das obwohl die Bondstreifen zumindest in der globalen Endabrechnung immer die Nase vorn hatten.\u00a0 Bei <em>Ein Quantum Trost<\/em> (dem mittlerweile 22. Film der Reihe) \u00fcberlie\u00df man nichts dem Zufall und engagierte mit Dan Bradley kurzerhand den Second Unit Regisseur der beiden Bourne-Sequels.\u00a0 Leider hat man damit auch die Probleme des Vorbilds importiert. Teilweise ist es kaum auszumachen wer gerade wen verfolgt, beschie\u00dft oder verpr\u00fcgelt.\u00a0Bei einem Film der \u00fcber 200 Millionen Dollar an Produktionskosten verschlang ist dies eher \u00e4rgerlich. Da arbeiten die besten Stuntman der Branche wochenlang an s\u00fcndteuren Actionsequenzen und im fertigen Film erkennt man nur mit M\u00fche was gerade passiert.<\/p>\n<p>Die Verpflichtung des genreunerfahrenen Marc Forster erweist sich in diesem Zusammenhang als zus\u00e4tzliches Manko. Der eher f\u00fcr Independentfilme und Dramen bekannte Filmemacher beweist wenig Gesp\u00fcr f\u00fcr Rhythmus und Timing einer solchen Mammutproduktion. Es gibt fast zu viele Actionsequenzen, die zudem ungleichm\u00e4\u00dfig verteilt sind und eine Progression hin zum Spektakul\u00e4ren vermissen lassen.<br \/>\nAuch die von Forster bewusst anvisierte kurze Laufzeit (mit 103 Minuten unterbietet der Film den bisherigen Spitzenreiter <em>Goldfinger<\/em>) wird letztlich zur Achillesferse. Die ohnehin nicht sonderlich sorgf\u00e4ltig ausgearbeitete Geschichte um die bereits in <em>Casino Royale<\/em> bek\u00e4mpfte Verbrecherorganisation hinter Le Chiffre versickert etwas zwischen den pausenlosen Actionsequenzen. F\u00fcr Charakterentwicklung &#8211; eigentlich ja die St\u00e4rke des Regisseurs und laut Produzentengespann einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr seine Verpflichtung &#8211; bleibt so gut wie keine Zeit. V\u00f6llig verschenkt ist beispielsweise die Rolle des Handlangers Elvis, der zwei S\u00e4tze sprechen darf und ansonsten lediglich hinter dem Oberschurken durchs Bild stolpert. Bei einer Franchise die so kultige Henchmen wie Oddjob, Jaws oder Mayday hervorgebracht hat ein unverzeihlicher Faux Pas. Aber auch Bonds Hauptgegner &#8211; der aalglatte und zwielichtige Gesch\u00e4ftsmann Dominic Greene &#8211; bleibt diesmal ziemlich blass. Man mag dies f\u00fcr realistisch halten in einer Welt in der sich das B\u00f6se h\u00e4ufig hinter skrupellosen Konzernbossen in Nadelstreifen verbirgt. F\u00fcr einen Bondfilm erscheint dies dann allerdings eine Spur zu gew\u00f6hnlich. Sicherlich ist der Franzose Matthieu Amalric auch eine eher ungl\u00fcckliche Wahl, da er \u00fcber kaum Charisma verf\u00fcgt und nicht sonderlich &#8211; trotz seiner brutalen Taten und Ansichten &#8211; bedrohlich wirkt.<\/p>\n<p>Neben dem ungl\u00fccklich gew\u00e4hlten Regisseur f\u00e4llt auch das im Vergleich zum Vorg\u00e4nger deutlich schw\u00e4chere Drehbuch ins Gewicht. Hatte man damals noch einen der besten Romane des Bond-Erfinders Ian Fleming als Vorlage zur Verf\u00fcgung, musste diesmal eine v\u00f6llig neue Geschichte erfunden werden. Eine Entschuldigung kann dies aber nicht sein, da das Autorenduo Neil Purvis und Robert Wade immerhin bereits ihr viertes Bondscript ablieferte. Zumal Paul Haggis &#8211; der ja schon den Vorg\u00e4nger dialogtechnisch aufpeppte &#8211; erneut f\u00fcr den Feinschliff sorgte.<br \/>\nDass dies weit weniger gut funktioniert wie bei <em>Casino Royale,<\/em> ist den dreien allerdings nur bedingt anzulasten. Zentrales Problem ist die Sequel-Idee.\u00a0 Der im Bonduniversum erstmalige Versuch einer direkten Fortsetzung schadet dem Film mehr als dass er ihm n\u00fctzen w\u00fcrde. Die Aufdeckung der Hinterm\u00e4nner um Bonds <em>Casino Royale<\/em>-Gegner Le Chiffre sowie die Verwicklungen die zum Tod seiner gro\u00dfen Liebe Vesper f\u00fchrten, geben einfach zu wenig her um einen ganzen Film zu tragen.<br \/>\nZudem wirkt der eigentlich zeitgem\u00e4\u00dfe Ansatz, die schier undurchschaubaren Strukturen und un\u00fcbersichtlichen Netzwerke moderner Verbrecherorganisationen zu thematisieren ob der kurzen Laufzeit zu rei\u00dfbrettartig und wirr. Das offenkundige Vorbild &#8211; die knallharte Echtzeitagentenserie <em>24<\/em> &#8211; hat f\u00fcr ihre komplexen Plotsrukturen und Verwicklungen zahlreicher Pers\u00f6nlichkeiten in die jeweiligen Verschw\u00f6rungen erheblich mehr Zeit zur Verf\u00fcgung. Kennt man das Prequel <em>Casino Royale<\/em> nicht, wird man als Zuschauer binnen k\u00fcrzester Zeit den Faden verlieren.<\/p>\n<p>Trotz der oben ausf\u00fchrlich beschriebenen Schwachstellen hat <em>Quantum of Solace<\/em> aber auch eine Reihe eindeutiger St\u00e4rken, die den 22. Bondfilm trotz aller Kritik klar \u00fcber den Genredurchschnitt heben. Der bereits in <em>Casino Royale<\/em> entwickelte Ansatz einer Erdung des Geheimagenten sowie seiner v.a. in der Brosnan-\u00c4ra immer unglaubw\u00fcrdiger werdenden Missionen wird konsequent weiter gef\u00fchrt. Die Bedeutung von Wasser als zuk\u00fcnftiger Spielball globaler Interessen &#8211; und damit auch zwangsl\u00e4ufig verbrecherischer Machenschaften &#8211; ist brandaktuell und einer der cleversten Einf\u00e4lle des Scripts.<\/p>\n<p>Vor allem\u00a0die Entwicklung der Hauptfigur erf\u00e4hrt einen weiteren Feinschliff. <em>Quantum of Solace<\/em> wird vielfach als simple Rachestory a la\u00a0<a href=\"https:\/\/ssl.ofdb.de\/review\/406,326308,Lizenz-zum-T%C3%B6ten\"><em>Lizenz zum T\u00f6ten<\/em><\/a>\u00a0\u00a0missverstanden. Das Gegenteil ist der Fall. Trotz seines gro\u00dfen Schmerzes und seinem Hass auf die Verantwortlichen geht es Bond keineswegs prim\u00e4r um die Erledigung von Vespers M\u00f6rdern. Zu keinem Zeitpunkt verliert er die Mission &#8211; die Zerschlagung eines globalen Verbrechersyndikats &#8211; aus den Augen und ist damit weit mehr der eiskalte und professionelle Geheimagent als in <em>Casino Royale.<\/em> M erkennt als Einzige die langsame \u201eProfiwerdung&#8220; ihres Agenten und deckt den scheinbar Amok laufenden Bond so weit es in ihren Kr\u00e4ften steht.\u00a0 Anders als im Vorg\u00e4nger begeht Bond keinerlei schwere Fehler und streicht seine Emotionen weitestgehend aus der Gesamtgleichung. Die Schlussszene\u00a0 &#8211; als Bond Vespers Ehemann aufsp\u00fcrt &#8211; belegt diese These und bringt die im Vorg\u00e4nger begonnene Metamorphose zum Abschluss. Die in <em>Casino Royale <\/em>noch ausgesparte ber\u00fchmte Gunbarrel-Sequenz beschlie\u00dft folgerichtig den Film. Jetzt kann es losgehen. James Bond ist endg\u00fcltig zu dem geworden den wir kennen: ein eiskalter, hochprofessioneller und loyaler Auftragskiller im Geheimdienst ihrer Majest\u00e4t.<\/p>\n<p>Daniel Craig verk\u00f6rpert diese endg\u00fcltige \u201eBondwerdung&#8220; absolut \u00fcberzeugend und glaubw\u00fcrdig. Der anfangs heftigst umstrittene Brite beweist erneut seine darstellerischen Qualit\u00e4ten und gibt der zeitweise zur Comicfigur heruntergewirtschafteten Filmikone endlich wieder ein markantes Profil. Arroganz, Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit sowie eine seit den Tagen Connerys g\u00e4nzlich abhanden gekommene, ungemeine physische Pr\u00e4senz bilden ein homogenes Ganzes. Auch wenn es abgedroschen klingen mag, Bond ist mit Craig wieder ein richtiger Kerl, ein Mann dem man seine filmischen Taten auch abnimmt. Neben seiner enormen Leinwandpr\u00e4senz ist dies nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Craig beinahe s\u00e4mtliche Stuntszenen selbst ausf\u00fchrte und sich auch von zahlreichen Blessuren und Verletzungen nicht abschrecken lie\u00df. Und schlie\u00dflich ist da noch der Humor. Trotz seines insgesamt bierernsten Grundtons legt das Script Bond ein paar fatastische Oneliner in den Mund,\u00a0von Craig mit einer staubtrockenen Coolness abgefeuert die an selige Connery-Zeiten erinnert.<\/p>\n<p>Bleibt abschlie\u00dfend die h\u00e4ufig kolportierte Frage, wie viel Bond steckt eigentlich noch in Bond? Auf die offenkundigen Anleihen bei den Initialenvettern Jack Bauer und Jason Bourne wurde bereits eingegangen. Hier ist sicherlich eine Grenze erreicht worden, die nicht \u00fcberschritten werden sollte. Bond sollte nicht vom Vorreiter zum Imitator absinken. Das hat er gar nicht n\u00f6tig. Eine etwas extravagantere Geschichte, ein etwas schillernderer B\u00f6sewicht und Actionszenen bei denen man das investierte Kapital auch sehen kann, w\u00fcrden auch dem runderneuerten Bond der Moderne gut zu Gesicht stehen.<br \/>\nDer in vielen aktuellen Besprechungen zu lesende Vorwurf <em>Quantum of Solace<\/em> habe nichts Bondtypisches mehr an sich, ist in seiner Pauschalit\u00e4t allerdings nicht haltbar. Das Set Design ist grandios und erinnert deutlich an die fr\u00fchen Bondsets Ken Adams. Es gibt eine Vielzahl mond\u00e4ner und farbenpr\u00e4chtiger Originalschaupl\u00e4tze (u.a. Siena, Bregenz, Haiti und Bolivien) zu bestaunen. David Arnolds Score ist sein bis dato bester und nimmt immer wieder unterschwellig Anleihen an vertrauten Barry-Kl\u00e4ngen. Das ber\u00fchmte Bondthema brodelt gewisserma\u00dfen im Untergrund, bis es am Ende &#8211; passend zur charakterlichen Entwicklung der Hauptfigur &#8211; mit voller Wucht aus den Lautsprechern dr\u00f6hnt.<br \/>\nKenner werden zahlreiche Hinweise und Reminiszenzen an das Bonduniversum entdecken. Auch ohne Q, Moneypenny und den ber\u00fchmten Vorstellungsspruch. So verf\u00fchrt Bond kurzerhand eine kleine Geheimdienstangestellte die ihn eigentlich in die Schranken weisen soll (u.a. <em>Der Mann mit dem goldenen Colt, Moonraker, GoldenEye, Die Welt ist nicht genug<\/em>). Ihr Ableben ist eine gelungene Hommage an\u00a0<a href=\"https:\/\/ssl.ofdb.de\/review\/1446,247786,Goldfinger\"><em>Goldfinger<\/em><\/a>. Bekannte kulturelle Ereignisse oder Sehensw\u00fcrdigkeiten werden geschickt in die Handlung integriert (diesmal eine Tosca-Vorstellung auf der Bregenzer Seeb\u00fchne sowie das Palio, ein Pferderennen der 10 Stadteile von Siena). Bond verwendet eine Universal Exports-Karte (Deckfirma f\u00fcr den MI6 in zahllosen Filmen) mit dem Tarnnamen &#8222;Sterling&#8220; (<em>Der Spion der mich liebte<\/em>). Trotz seiner hemds\u00e4rmeligen Art ist auch Craigs Bond ein echter Snob. Als er in ein sch\u00e4biges Hotel zwecks besserer Tarnung einchecken soll, bucht er kurzerhand die Luxussuite im teuersten Haus am Platz. Und nicht zuletzt hat auch der ber\u00fchmte Vodka-Martini seinen Auftritt, wie schon im Vorg\u00e4nger in einer durchaus originellen Variation des Grundschemas.<\/p>\n<p>Fazit:<br \/>\nDaniel Craigs zweiter Auftritt als englischer Superspion kann dem allerdings herausragenden Vorg\u00e4nger <em>Casino Royale<\/em> nicht das Wasser reichen. Das liegt v.a. an dem mit einer solchen Produktion offenbar \u00fcberforderten Regisseur Marc Forster sowie einem recht d\u00fcnnen Drehbuch. Die Sequel-Idee erweist sich dabei als Hauptproblem. Die Fortf\u00fchrung der Geschichte von <em>Casino Royale<\/em> funktioniert zwar pr\u00e4chtig f\u00fcr die charakterliche Weiterentwicklung der Hauptfigur, gibt aber als Thrillerplot zu wenig her. Dar\u00fcber hinaus ist der komplizierten Handlung ohne Kenntnis des Vorg\u00e4ngers nur schwer zu folgen. Zudem l\u00e4sst die f\u00fcr einen Bondfilm sehr kurze Laufzeit kaum Zeit f\u00fcr die Entwicklung der zahlreichen Nebenfiguren.<br \/>\nDie Actionszenen sind gewohnt spektakul\u00e4r und fulminant, kranken aber an einer unn\u00f6tig starken Hinwendung zum un\u00fcbersichtlichen Stakkato Schnittgewitter der <em>Bourne<\/em>-Filme. Hier w\u00fcrde man als Zuschauer gerne genauer hinsehen. Daniel Craigs erneut ungemein intensive Vorstellung als knallharter Geheimagent h\u00e4lt den Film letztlich zusammen. Der kantige Brite ist definitiv der beste Bond f\u00fcr die heutige Zeit. Die zeitweise zur Comicfigur degradierte Kinoikone besitzt wieder Glaubw\u00fcrdigkeit und Profil. Coolnes und staubtrockener Humor der Connery-\u00c4ra feiern ein furioses Comeback.<br \/>\nObgleich <em>Qunatum of Solace<\/em> dank geschickt eingebauter Reminiszenzen, exotischer Locations und einem fantastischen Set Design klar als Bondfilm zu erkennen ist, w\u00e4re eine st\u00e4rkere Fokussierung auf zentrale Elemente und Strukturen der beliebten Franchise f\u00fcr Craigs dritten Auftritt w\u00fcnschenswert. Die Vorzeichen stehen gut. Die \u201eBondwerdung&#8220; der Relaunch-Idee scheint abgeschlossen,\u00a0 die Prognosen der Macher versprechen eine sanfte R\u00fcckbesinnung auf bew\u00e4hrte Zutaten. Jack Bauer und Jason Bourne sollten jedenfalls wieder deutlicher auf die ihnen angestammtem Pl\u00e4tze verwiesen werden. Das Original hei\u00dft immer noch Bond, James Bond.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Rating: 7 \/ 10)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Jason Bauer und ein Qu\u00e4ntchen Bond?&#8220; Schon die Pre Title Sequenz gibt Ton und Rhythmus des Films vor. 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