{"id":115,"date":"2017-11-21T14:43:27","date_gmt":"2017-11-21T14:43:27","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=115"},"modified":"2017-11-21T14:51:32","modified_gmt":"2017-11-21T14:51:32","slug":"bond-24-spectre-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=115","title":{"rendered":"Bond 24: SPECTRE (2015)"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"Blocksatz\"><strong>\u201eFrom history with love&#8220; &#8211; James Bond auf der Suche nach der verlorenen Zeit<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Filme lang wurden die Bondfans mit ungewohnten Leiden und befremdlichen Befindlichkeiten ihres Helden konfrontiert, manche auch maltr\u00e4tiert. Vor allem schienen ihm Gef\u00fchle pl\u00f6tzlich das Berufsleben schwer zu machen. Liebe (\u201eCasino Royale&#8220;), Rache (\u201e<a href=\"https:\/\/ssl.ofdb.de\/review\/158299,327673,Ein-Quantum-Trost\">Ein Quantum Trost<\/a>&#8222;), Kindheitstraumata (\u201e<a href=\"https:\/\/ssl.ofdb.de\/review\/231257,519343,Skyfall\">Skyfall<\/a>&#8222;) wurden so extrem gelebt und empfunden, dass sie den einst so selbstsicheren und kaltschn\u00e4uzigen Vollprofi ein ums andere Mal aus der Bahn zu werfen drohten. Daniel Craig, bei seiner Vorstellung als zu blond, zu kantig und zu grob verunglimpft, verlieh der unerwarteten Menschwerdung der britischen Popikone nicht nur ein glaubw\u00fcrdiges Gesicht, sondern ein kraftvoll pumpendes Herz sowie vor allem eine zum Mitf\u00fchlen und Mitleiden animierende Seele.<br \/>\nDas gefiel offenbar Zuschauerschichten, die zuvor eher weniger mit den Abenteuern des Gentleman-Killers anzufangen wussten. Craigs Bondfilme toppten nicht nur jeden Ableger der ebenfalls recht profitablen Pierce Brosnan-\u00c4ra, \u201eSkyfall&#8220;, der Jubil\u00e4umsfilm zum 50-j\u00e4hrigen, durchbrach sogar die Box office-Schallmauer von 1 Milliarde Dollar und lies selbst Sean Connerys Klassiker aus den Bondomanie-beseelten 1960er Jahren hinter sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Bond 24 waren das pr\u00e4chtige Aussichten. Nicht nur weil \u201eSkyfall&#8220; eine kongeniale Mischung aus Tradition und Moderne, aus Ernsthaftigkeit und Leichtf\u00fc\u00dfigkeit, aus Hommage und Eigenst\u00e4ndigkeit hinbekam, sondern weil man s\u00e4mtliche wesentliche Akteure vor und hinter der Kamera f\u00fcr den direkten Nachfolger erneut mit an Bord hatte. Allen voran Regisseur Sam Mendes, der Daniel Craigs jahrelangen Bondfindungsprozess\u00a0 zu einem fulminanten Abschluss brachte und mit der hei\u00df ersehnten R\u00fcckkehr von Miss Moneypenny (Naomi Harris), Q (Ben Winshaw) sowie einer Verj\u00fcngungskur auf dem MI6-Chefsessel (Ralph Fiennes als M) die Weichen wieder auf Anfang stellte, so dass s\u00e4mtliche Essenzen der Serie wieder voll zur Verf\u00fcgung standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass dieser am Ende von \u201eSkyfall&#8220; angedeutete Weg keine leere Versprechung gewesen war, wurde sp\u00e4testens mit Bekanntgabe des neuen Titels zur Gewissheit. \u201eSPECTRE&#8220; (= Special Executive for Counterintelligence, Terrorism, Revenge and Extortion) geh\u00f6rt zum Bond-Kosmos wie \u201eMartinis, Girls and Guns&#8220;. Die global operierende Verbrecherorganisation um Mastermind und Katzenfreund Ernst Stavro Blofeld machte Bond in sechs der ersten sieben Filme nicht nur das Agentenleben schwer, sondern sorgte zudem mit der Ermordung seiner Ehefrau Tracy\u00a0 (\u201eIm Geheimdienst Ihrer Majest\u00e4t&#8220;) f\u00fcr den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen privaten Schicksalsschlag. Die hei\u00df diskutierte Frage war nun, taucht Bonds Nemesis zum ersten Mal nach 34 Jahren wieder auf? Zumal man mit dem Casting von Tarantino-Muse Christoph Waltz einen echten Schurken-Besetzungscoup gelandet hatte, der kaum dazu geeignet schien, ihn zum vierten Mal in Folge (nach Le Chiffre, Dominic Green und Antonio Silva) an einen blo\u00dfen Funktion\u00e4r einer nicht n\u00e4her beleuchteten \u201eOrganisation&#8220; zu vergeuden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau dieses lustvolle Spiel mit Erwartungen, Hoffnungen, Reminiszenzen und m\u00f6glichen Modernisierungen macht dann auch den besonderen Reiz von SPECTRE aus. Weit mehr noch und deutlich konsequenter als \u201eSkyfall&#8220; ist der Film durchtr\u00e4nkt von Anspielungen an und (teilweise w\u00f6rtlichen) Zitaten aus fr\u00fcheren Bondfilmen und schon allein in dieser Hinsicht ein Geschenk f\u00fcr Fans. Insbesondere die klassische Tetralogie von \u201eDr.No&#8220; bis \u201eFeuerball&#8220; (1962-1965) steht dabei im Fokus und sorgt f\u00fcr zahlreiche D\u00e9j\u00e0-vu-Erlebnisse.<br \/>\nDas gilt auch f\u00fcr den Helden. Zwar k\u00e4mpft Bond auch hier wieder mit den Schatten der Vergangenheit, wirkt dabei aber souver\u00e4n und abgekl\u00e4rt wie nie zuvor in der Craig-\u00c4ra. Seine l\u00e4ssige Eleganz, sein raubtierhafter Charme und seine gnadenlose Effizienz erinnern stark an Sean Connerys Bond-Interpretation, die vielen bis heute als die beste gilt. Trotz dieser deutlichen Hinwendung zu den klassischen Attributen der Figur, bewahren Mendes und Craig aber auch die seit \u201eCasino Royale&#8220; so eindrucksvoll heraus gesch\u00e4lte, emotionale Seite Bonds. Seine Gef\u00fchle sorgen zwar nicht mehr f\u00fcr Verwirrungen und Abgr\u00fcnde, sind aber daf\u00fcr mehr Motor und Kompass seiner Handlungen und damit Sinnbild f\u00fcr einen deutlich ausgeglicheneren Charakter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese neue Leichtigkeit beeinflusst auch Bonds Liebesleben. Seit Vespers Tod schien er beziehungsunf\u00e4hig. Mit der Psychologin Madeleine Swann scheint auch dieses Trauma \u00fcberwunden. Allerdings geht diese Unkompliziertheit und Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu Lasten der Empathie, so dass die artikulierten gro\u00dfen Gef\u00fchle etwas leer im Raum stehen und mehr Behauptung denn wahrhaftiges Erleben bleiben. Das ist aber weniger der durchaus begabten L\u00e9a Seydoux anzulasten &#8211; wenn sie auch nie an Eva Greens Intensit\u00e4t und Facettenreichtum heran kommt -, sondern dem in dieser Hinsicht recht oberfl\u00e4chlichen Skript sowie Bonds wiedererlagter Womanizer-Nonchalance.<br \/>\nVerschenkt wird auch die zweite namhafte und ungleich charismatischere Darstellerin. Gemessen an dem Ballyhoo um die Tatsache, dass Bond erstmal mit einer \u00e4lteren Frau die Laken teilt, ist Monica Belluccis Auftritt verbl\u00fcffend kurz und irrelevant f\u00fcr den Handlungsfortgang. Das ist doppelt schade, da die Chemie zwischen ihr und Craig diejenige zwischen Craig und Seydoux selbst in den wenigen Szenen sp\u00fcrbar \u00fcbertrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Gewinn ist dagegen die deutlich erh\u00f6hte Pr\u00e4senz von Waffenmeister Q. Schon in \u201eSkyfall&#8220; hatten die Frotzeleien zwischen Bond und seinem Ausr\u00fcster h\u00f6chsten Unterhaltungswert. Ben Winshaw und Daniel Craig geben gerade durch ihre Gegens\u00e4tzlichkeit ein famoses Gespann ab, zumal sie beide den trockenen Humor des jeweils anderen sch\u00e4tzen und in bester Screwball-Marnier gen\u00fcsslich kontern.<br \/>\nEin so gewinnbringender wie gewollter Nebeneffekt aus dem Ausbau dieser Beziehung ist die M\u00f6glichkeit wieder verst\u00e4rkt Gadgets zu integrieren. Und auch hier l\u00e4sst man sich die Hommage-Gelegenheiten keineswegs entgehen. In deutlicher Anspielung an \u201eGoldfinger&#8220;, darf Bond endlich mal wieder einen mit allerlei Extras versehenen, silbergrauen Aston Martin &#8211; die englische Nobelmarke hat zu diesem Zweck eigens ein neues Modell entworfen &#8211; der Fronttauglichkeitspr\u00fcfung unterziehen. Das Besondere ist dabei nicht einmal die stolz zur Schau getragene Action-Expertise, sondern die ungemein clevere und launige Neuinterpretation einer der ber\u00fchmtesten Szenen der Bondgeschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inhaltlich schlie\u00dft SPECTRE unmittelbar an die zentralen Motive aus \u201eSkyfall&#8220; an. Wieder geht es um die Schatten aus Bonds Vergangenheit, die ihn erneut den Weg der Geheimorganisation kreuzen lassen, der er seit \u201eCasino Royale&#8220; auf der Spur ist. Und wieder wird die Sinnhaftigkeit seiner beruflichen Existenz in Frage gestellt. Max Denbigh (Andrew Scott), auftstrebender B\u00fcrokrat und Leiter des \u201eCentre for National Security&#8220; h\u00e4lt das 00-Programm in Zeiten von globaler Digitalisierung und Drohnen\u00fcberwachung f\u00fcr obsolet und dr\u00e4ngt auf seine Einstellung. Dar\u00fcber hinaus forciert er die Fusion von MI5 und MI6, womit auch Ms Position Geschichte w\u00e4re. SPECTRE steht hier in der bew\u00e4hrten Tradition der Bond-Serie aktuelle politische Kontroversen und Themen aufzugreifen und mit der Filmhandlung zu verschmelzen. Diese bewusste Verankerung in der Realit\u00e4t sorgen nicht nur f\u00fcr eine wiederkehrende Zeitgeist-Relevanz, sondern bedeuten auch eine gewisse Erdung inmitten des \u00fcberbordenden Spektakels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine ihrer Kernkompetenzen war und ist letzteres aber zweifellos nach wie vor. Nat\u00fcrlich ist es inzwischen ungleich schwieriger geworden, die einstige Vorreiterrolle und Trendsetterposition immer wieder aufs Neue zu behaupten. Das Actiongenre ist sowohl quantitativ wie qualitativ ungleich breiter aufgestellt wie zu Bonds Anfangstagen, als es praktisch keine nennenswerte Konkurrenz gab. In den Zeiten von CGI ist der Wow-Effekt von Actionszenen zum blo\u00dfen Reiz\u00fcberflutungs-G\u00e4hner geworden. Wenn alles m\u00f6glich ist, ist alles M\u00f6gliche nichts mehr wert.<br \/>\nDie Bond-Macher haben die einzig richtige Konsequenz aus diesem Dilemma gezogen und versuchen erst gar nicht mehr mit den millionenschweren Pixelschlachten mitzuhalten. Vielmehr setzt man auf Handgemachtes und damit physikalisch Denkbares, womit man mit dem nicht unerheblichen Pfund der Glaubw\u00fcrdigkeit wuchern kann. Nat\u00fcrlich muss man dabei Grenzen ausloten, schlie\u00dflich hat man einen Ruf zu verteidigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nirgends wird dies in SPECTRE deutlicher als bei der fantastischen Pre-Title-Sequenz. Mit einem schier unglaublichen Aufwand an Statisten und Ausstattung wurde in Mexiko City die Festtagsparade zum allj\u00e4hrlichen \u201eTag der Toten&#8220; nachgestellt, der in einem spektakul\u00e4ren Helikopterstunt kulminiert. Das ist episches Breitwandkino par excellence, wie man es heute nur noch ganz selten geboten bekommt.<br \/>\nDie weiteren Actionszenen m\u00fcssen demgegen\u00fcber zwangsl\u00e4ufig etwas abfallen, zeugen aber ebenfalls von gr\u00f6\u00dfter Handwerks- und Inszenierungskunst. Der im winterlichen \u00d6sterreich angesiedelte Flugzeug-Jeep-Verfolgung fehlt indes das gewisse Etwas, die pfiffige Idee, welche viele Bondfilme von der Masse der Konkurrenz abhob. (Auf die hier sehnlichst erwarteten und lange vermissten Ski-Stunts der Marke Bogner wartet man auch leider vergebens.) \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit einer Autoverfolgungsjagd durch das n\u00e4chtliche Rom, versiert choreographiert und gefilmt, aber ohne den beinahe schon g\u00e4ngigen \u201eFast &amp; Furious&#8220;-Irrwitz. Hier hei\u00dft die Devise eindeutig Qualit\u00e4t vor Quantit\u00e4t, Bodenst\u00e4ndigkeit vor Tollk\u00fchnheit, lediglich die Auftaktsequenz vermag beides zu verquicken und auf die Spitze zu treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch optisch gen\u00fcgt SPECTRE wieder h\u00f6chsten Anspr\u00fcchen. Der Niederl\u00e4nder Hoyte van Hoytema ersetzt Roger Deakins, schlie\u00dft aber an dessen Brillianz in \u201eSkyfall&#8220; nahtlos an. Ob der wimmelige Menschenauflauf in Mexiko-Stadt, die Einsamkeit in den winterlichen, \u00f6sterreichischen Alpen, die historischer Gravit\u00e4t der ewigen Stadt, oder die flirrende Hitze in Tanger, stets wirken Hoytemas Bilder wie kunstvoll arrangierte Gem\u00e4lde. Nie jedenfalls wurde ein Bondfilm stimmungsvoller, majest\u00e4tischer, schlicht sch\u00f6ner photographiert.<br \/>\nEs ist schade, dass der Score von Sam Mendes Hauskomponisten Thomas Newman hier nicht ganz mithalten kann. Seine Musik wirkt zu beliebig und zu unentschlossen und vermag die von den Bildern erzeugten Stimmungen nur unzureichend zu unterst\u00fctzen, geschweige denn zu verst\u00e4rken. F\u00fcr Sam Smiths im Vorfeld arg verteufelten Titelsong gilt dabei das Gegenteil. Die sehr getragene, zwischen Zartheit und Pomp wechselnde Stimmung harmoniert wunderbar mit Daniel Kleinmanns Titelvorspann, der das Krakenmotiv von SPECTRE sowie Bilder und Personen aus Craigs vorigen\u00a0 Missionen zu einem kleinen Kurzfilm-Kunstwerk verbindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt spielt Kunst eine zentrale in diesem Film und ist eng mit der erz\u00e4hlerisch-inhaltlichen Ebene verkn\u00fcpft. Neben der famosen Kameraarbeit wird dies insbesondere beim Setdesign deutlich. So spiegelt sich die retrospektive Ausrichtung des Helden auch in den von ihm bewohnten bzw. benutzten Interieurs. Seine Wohnung ist nicht zuf\u00e4llig in einem viktorianischen Geb\u00e4ude, sein Hotelzimmer in Tanger ist mit verstaubten orientalischen Utensilien vollgestopft, Ms B\u00fcro ist im Stil exklusiver englischer Herrenclubs eingerichtet, der von Bond und Madeleine bestiegene Zug durch die marokkanische W\u00fcste gleicht dem ber\u00fchmten Orient Express und am verfallenen Bahnhof im Nirgendwo werden sie von einem 1937er Rolls Royce Phantom III abgeholt. Mendes und Hoytema arbeiten hier zudem viel mit Schatten und Sepia-Farben und verbinden damit visuelle und narrative Ebene zu einer Einheit. Es geht einerseits um Schatten aus Bonds Vergangenheit, die, verborgen unter dem Staub des Vergessens und der verblassten Erinnerungen, an die Oberfl\u00e4che dr\u00e4ngen. Zus\u00e4tzlich werden vergangene Werte und Ideale verhandelt, f\u00fcr die Bond, seine Berufsauffassung und der gesamte MI6 stehen und denen zwar etwas Verstaubtes, aber eben auch etwas Altehrw\u00fcrdiges anhaftet, dass es zu bewahren gilt.<br \/>\nDemgegen\u00fcber residieren Bonds Gegner Oberhauser und der B\u00fcrokrat Denbigh in sonnendurchfluteten, futuristisch anmutenden Hightech-Anlagen und monstr\u00f6sen B\u00fcrot\u00fcrmen, bei denen Glas, Chrom und schick-funktionales Apple-Design dominieren. Die Botschaft ist klar: die Moderne ist k\u00fchl, berechnend und technokratisch, ihre Transparenz und Offenheit sind nur Fassade und eine besonders raffinierte Variation der T\u00e4uschung. Hier gibt es keine Schatten, aber gerade die v\u00f6llige Durchsichtigkeit und Helligkeit macht die Finsternis quasi unsichtbar. Es geht um \u00dcberwachung, Durchleuchtung und letztlich um totale Kontrolle. Francis Bacons aufkl\u00e4rerisch motiviertes \u201eWissen ist Macht&#8220; -Postulat wird hier ins intentionale Gegenteil verkehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wem selbst die kunstvoll arrangierten Wechselwirkungen zwischen visueller Gestaltung, Erz\u00e4hlform und Inhaltsebene nicht gen\u00fcgt, f\u00fcr den &#8211; und nat\u00fcrlich alle Marcel Proust-Fans &#8211; haben die Macher noch ein ganz spezielles Easter Egg parat. So ist Bonds love interest Madeleine Swann eine deutliche Anspielung auf Prousts literarisches Hauptwerk \u201eAuf der Suche nach der verlorenen Zeit&#8220; und dabei v.a. auf den ersten Band \u201eIn Swanns Welt&#8220;. Zentrale Motive des siebenb\u00e4ndigen Werkes finden sich auch in SPECTRE. Es geht um freiwillige und unfreiwillige Erinnerung, sei es durch Namen (Vesper, Oberhauser, Skyfall), oder Gegenst\u00e4nde Ms Keramikmops, Photos). Es geht um immer wieder auftauchende Personen (z.B. Mr. White) und Themen (die omin\u00f6se Organisation, Verrat, Rache, Loyalit\u00e4t und Vertrauen) und nicht zuletzt um vergeudete Zeit (Beziehung zu Vesper?, Abtauchen in \u201eSkyfall&#8220;). All dies zieht sich wie ein roter Faden, nicht nur durch \u201eSPECTRE&#8220;, sondern durch alle Craigschen Bondfilme. Der labyrinthartige Inhalt von Prousts Roman-Zyklus findet dabei seine \u00e4quivalente Entsprechung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit:<br \/>\nSPECTRE ist also in vielerlei Hinsicht der k\u00fcnstlerisch anspruchsvollste Bondfilm, aber ist er deswegen auch der beste? Lange Zeit hat es den Anschein, dass dieses hehre Ziel erreichbar scheint. Eine ph\u00e4nomenale Auftaktsequenz. Ein Held, der &#8211; zumindest aus Fansicht &#8211; endlich die zuletzt etwas vermissten, ikonographischen Eigenschaften der Figur verinnerlicht hat und dem von Sean Connery geschaffenen Ideal so nahe kommt, wie es Zeitgeist und Darstellerinterpretation zulassen. Ein Regisseur und ein Autorenteam, die ihre Liebe und ihr Expertenwissen zur Serie in eine ebenso launige wie vielschichtige Hommage flie\u00dfen lassen und sich damit vor Fans und Historie verneigen, ohne dabei altmodisch, oder r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt zu wirken. Bleiben noch Handlung und Figuren.<br \/>\nUnd ausgerechnet hier schw\u00e4chelt SPECTRE etwas. Ausgerechnet, weil man gen\u00fcgend Zeit hatte ein ausgefeiltes Skript zu entwickeln. Und ausgerechnet, weil man mit einer hervorragenden Darstellerriege arbeiten konnte, die auch jedem anspruchsvollen Drama gut zu Gesicht stehen w\u00fcrde. Konkret bedeutet dies, dass beide Frauenfiguren (L\u00e9a Seydoux, Monica Bellucci) und Bonds Gegner Oberhauser (Christoph Waltz) schablonenhafte Z\u00fcge tragen und ihre Beziehung zum Helden nicht voll ausgearbeitet scheint. Bez\u00fcglich der Handlung gilt dieser Vorwurf nur f\u00fcr den Schlussakt, der zwar nicht entt\u00e4uscht, aber ebenfalls nicht bis ins letzte Detail durchdacht scheint.<br \/>\nDas ist letztlich das sprichw\u00f6rtliche \u201eJammern auf hohem Niveau&#8220;, zumal aus Fan- und Bondkenner-Sicht. F\u00fcr die durch Daniel Craigs Neuinterpretation der Rolle hinzugewonnen Publikumsschichten muss sich erst zeigen, ob die Hinwendung zu einer wieder mehr klassischen Ausrichtung und einer leichteren Tonlage mitgegangen wird. Die Entscheidung indes war richtig, die Grenzen noch weiter auszuloten praktisch unm\u00f6glich, wollte man nicht die Essenz von Held und Reihe aus den Augen verlieren. Sein Name ist Bond, James Bond. Das gilt nun endg\u00fcltig und ohne jeden Zweifel auch f\u00fcr Daniel Craig.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Rating: 8 \/ 10)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFrom history with love&#8220; &#8211; James Bond auf der Suche nach der verlorenen Zeit Drei Filme lang wurden die Bondfans mit ungewohnten Leiden und befremdlichen Befindlichkeiten ihres Helden konfrontiert, manche <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=115\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115"}],"collection":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=115"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115\/revisions\/121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vodkasreviews.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}