{"id":108,"date":"2017-11-20T18:14:21","date_gmt":"2017-11-20T18:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=108"},"modified":"2017-11-20T18:21:47","modified_gmt":"2017-11-20T18:21:47","slug":"ivanhoe-der-schwarze-ritter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vodkasreviews.de\/?p=108","title":{"rendered":"Ivanhoe &#8211; Der schwarze Ritter (1952)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"Blocksatz\" style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: 12pt;\"><span class=\"Blocksatz\"><strong>\u201e<em>The black knight<\/em> oder der w\u00fcrdevolle Abenteurer&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"Blocksatz\" style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: 12pt;\"><span class=\"Blocksatz\">Eine der bis heute beliebtesten Konstellationen im historischen Roman ist die Verkn\u00fcpfung eines fiktiven Einzelschicksals mit realen geschichtlichen Figuren und Ereignissen. Der schottische Dichter und Romancier Sir Walter Scott (1771-1832) gilt nicht nur als Urvater und Begr\u00fcnder dieser neuen literarischen Gattung, sondern erfand auch gleich die oben erw\u00e4hnte bis dato unbekannte schriftstellerische Technik. Sein erfolgreichster Roman <em>Ivanhoe<\/em> (1819) sollte als Prototyp dieser Formel wegweisend werden &#8211; nicht nur f\u00fcr den Bereich der Literatur sondern vor allem auch\u00a0 in seinem Einfluss auf den historischen Spielfilm. Scotts Oeuvre konzentrierte sich thematisch haupts\u00e4chlich auf das Hochmittelalter, insbesondere auf die Zeit der Kreuzz\u00fcge. Scotts beliebtestes Werk wurde schon sehr fr\u00fch f\u00fcr die Leinwand adaptiert (der erste <em>Ivanhoe<\/em>-Film stammt aus dem Jahr 1913). Die bis heute ber\u00fchmteste Verfilmung des Stoffes &#8211; Richard Thorpes <em>Ivanhoe &#8211; Der schwarze Ritter<\/em> &#8211; stammt aus der Bl\u00fctezeit des Abenteuerfilms.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1950er Jahren produzierte das damals prestigetr\u00e4chtigste Hollywoodstudio MGM eine wahre Flut historischer Abenteuerfilme, wobei man sich neben dem Antikfilm (u.a. <em>Alexander der Gro\u00dfe<\/em> 1956 und <em>Ben Hur<\/em> 1959) vor allem auch dem Subgenre des Ritterfilms annahm. Der vielseitig einsetzbare Studioregisseur Richard Thorpe inszenierte in nur drei Jahren drei Genrehits. Obgleich <em>Die Ritter der Tafelrunde<\/em> (1954) und <em>Liebe, Tod und Teufel <\/em>(1955) ebenfalls gro\u00dfe Publikumserfolge waren, ist es der erste Teil seiner \u201eRittertrilogie&#8220;, der bis heute einen enormen Bekanntheits- und Beliebtheitsrad genie\u00dft und zu recht Klassikerstatus erlangte. Mit <em>Ivanhoe &#8211; Der schwarze Ritter<\/em> schuf Thorpe einen zeitlos unterhaltsamen, farbenpr\u00e4chtigen Historienfilm, der zum Trendsetter f\u00fcr s\u00e4mtliche themenverwandte Nachfolger werden sollte. Die zahllosen Ritterfilme der 50er Jahre \u201ebedienten&#8220; sich nicht nur beim Genreerfinder Sir Walter Scott (<em>Der Talisman, Liebe Tod und Teufel<\/em>), sondern sch\u00f6pften auch ausgiebig aus dem reichen Fundus der Artuslegende (<em>Die Ritter der Tafelrunde, Prinz Eisenherz<\/em> 1954). Beiden gemein war ein ganz entscheidender Vorteil: sie hatten eine bereits festgelegte Dramaturgie. Da tummelten sich tapfere Helden, edle Damen und durchtriebene Schurken. Stolze K\u00f6nige sahen sich mit intriganten H\u00f6flingen konfrontiert und treuen Knappen standen verschlagene Handlanger gegen\u00fcber. Ob Ehre, Macht, Ruhm, Liebe und Hass, die ganze Palette menschlicher Beziehungen, Emotionen, Ambitionen wurde in den schillerndsten Farben gemalt und dramatisch zugespitzt. Nicht zuf\u00e4llig w\u00e4hlte man bei MGM <em>Ivanhoe<\/em> als erstes Projekt der geplanten Ritterfilmwelle, fanden sich hier doch s\u00e4mtliche oben beschriebenen Ingredienzien\u00a0 in nahezu perfekter Form arrangiert und verdichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Story:<br \/>\nDer englische K\u00f6nig Richard L\u00f6wenherz (Norman Wooland) ist nicht aus dem Heiligen Land zur\u00fcckgekehrt. Er wird von Leopold von \u00d6sterreich auf einer Burg gefangen gehalten. Richards machthungriger Bruder Prinz John (Guy Rolfe) h\u00e4lt die Inhaftierung des K\u00f6nigs geheim und verweigert die Zahlung des geforderten L\u00f6segelds. Mit Hilfe der Normannenf\u00fcrsten Brian de Bois-Guilbert (Goerge Sanders) und Hugh de Bracy (Robert Douglas) will er die Macht an sich rei\u00dfen und Richard beerben.<br \/>\nDer angels\u00e4chsische Ritter Wilfried von Ivanhoe (Robert Taylor) sp\u00fcrt seinen Lehnsherrn auf und reist inkognito nach England um das L\u00f6segeld auf eigene Faust aufzutreiben. Sein Vater Cedric (Finlay Currie) verweigert die Mithilfe, da er seinem Sohn die Teilnahme an den Kreuzz\u00fcgen nach wie vor nicht verziehen hat. Unterst\u00fctzung findet er schlie\u00dflich bei dem j\u00fcdischen Kaufmann Isaac von York, den er gegen die antisemitischen Anfeindungen de Bois-Guilberts und de Bracys verteidigt hat. Dessen Tochter Rebecca (Elizabeth Taylor) verliebt sich in Ivanhoe und finanziert gegen den Willen ihres Vaters seine Turnierausr\u00fcstung. In Ashby begegnet der als schwarzer Ritter getarnte Ivanhoe\u00a0 Prinz Johns normannischen G\u00fcnstlingen im Turnier und stellt die Ehre der Angelsachsen wieder her, vers\u00f6hnt damit seinen Vater und entfacht endg\u00fcltig die Liebe seiner Jugendfreundin Rowena (Joan Fontaine). De Bois-Guilbert erf\u00e4hrt von Ivanhoes Plan das L\u00f6segeld zu organisieren und entf\u00fchrt Isaac, Rebecca, Rowena sowie Cedric mitsamt Gefolge auf seine Burg. Aber Ivanhoe hat noch ein Ass im \u00c4rmel: Der ehemalige Sachsenf\u00fcrst Robin von Locksley (Harold Warrender) lebt mit einer Schar Ge\u00e4chteter in den W\u00e4ldern und ist zum Sturm auf\u00a0 die Feste entschlossen &#8230;<br \/>\n<em><br \/>\nIvanhoe<\/em> ist ein comicbuntes Ritterabenteuer, das zwar weder historisch korrekt noch p\u00e4dagogisch wertvoll daherkommt, aber aufgrund seiner enormen Schauwerte auch nach \u00fcber 50 Jahren bestens zu unterhalten wei\u00df. Die gl\u00e4nzenden, farbenfrohen R\u00fcstungen, die wehenden Fahnen\u00a0 und wallenden Gew\u00e4nder, die m\u00e4chtigen Burganlagen und nicht zuletzt die spektakul\u00e4ren Kampfeinlagen sind wie geschaffen f\u00fcr Technicolor-Verfahren und Breitbildformat.<br \/>\nDer Film bietet drei Actionh\u00f6hepunkte, die von Second Unit Director Yakima Canutt perfekt choreographiert und inszeniert wurden. Die Stuntmanlegende mauserte sich ab den 1950er Jahren zum Spezialisten f\u00fcr historische Stoffe und wirkte unter anderem an <em>Die Ritter der Tafelrunde, Spartacus <\/em>sowie<em> El Cid<\/em> mit und zeichnete vor allem f\u00fcr das ber\u00fchmte Wagenrennen in <em>Ben Hur<\/em> verantwortlich. Das Ritterturnier von Ashby gilt nicht nur als H\u00f6hepunkt in <em>Ivanhoe<\/em>, sondern wurde zur Referenzsequenz f\u00fcr alle folgenden Genrevertreter.Hier stimmt einfach alles. Spannung, Dramaturgie, Schauwert, Schnitt und Rasanz verschmelzen hier zu einer selten erreichten Einheit. Die nerv\u00f6se Angespanntheit der vornehmlich angels\u00e4chsischen Zuschauer wird f\u00f6rmlich sp\u00fcrbar und erreicht einen ersten Siedepunkt, als wie aus dem Nichts ein schwarz gekleideter Ritter heranprescht und s\u00e4mtliche siegreichen Normannen zum Lanzenduell fordert. Mit Ivanhoes Verwundung kann diese Stimmung sogar noch gesteigert werden. Auch die Wucht und Brutalit\u00e4t eines solchen Waffengangs wird eindrucksvoll vermittelt.<br \/>\nDie auf dem Gel\u00e4nde der britischen MGM-Studios in Borehamwood errichtete Burganlage \u201eTorquilstone&#8220; ist Schauplatz einer 15-min\u00fctigen Belagerungs- und Erst\u00fcrmungssequenz die weniger auf Spannung, als vielmehr auf \u00dcberw\u00e4ltigung setzt. Es ist dies die gr\u00f6\u00dfte Massenszene des Films, die mit allem aufwartet was das Genre zu bieten hat. Bogensch\u00fctzen, Schwertk\u00e4mpfer,\u00a0 Zugbr\u00fccken, Wassergr\u00e4ben, Sturmleitern und Flammenherde. Canutt und seine Crew brennen hier ein wahres Feuerwerk an Stunts, Spezialeffekten und Kampfchoreographien ab.<br \/>\nAm Ende des Films kommt es schlie\u00dflich zum unvermeidlichen Zweikampf zwischen Held und Handlanger des Oberschurken. Es ist dies die intimste Actionszene des Films. Die Dramatik steht hier im Vordergrund. Ivanhoe verteidigt die wegen Hexerei zum Tode verurteilte Rebecca. Der von Prinz John bestellte de Bois-Guilbert hat sich in die Delinquentin verliebt und kann nur verlieren. T\u00f6tet er Ivanhoe, muss auch Rebecca sterben. Die Dramaturgie innerhalb des Kampfes ist auch hier wieder perfekt arrangiert. De Bois-Guilbert w\u00e4hlt mit dem Morgenstern eine der brutalsten Waffen des Mittelalters, w\u00e4hrend Ivanhoe mit der wesentlich plumperen Axt auskommen muss.\u00a0 Nat\u00fcrlich ger\u00e4t er zun\u00e4chst in arge Bedr\u00e4ngnis und besteht letztlich mit einer Mischung aus Gl\u00fcck und Cleverness.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inszenierung, Einsatz und Dramaturgie der Actionsequenzen sind so oder \u00e4hnlich auch in zahlreichen Western zu finden. \u00dcberhaupt hat der Ritterfilm einige Schnittstellen mit dem amerikanischsten aller Filmgenres. So haben die einsamen, aufrechten Westernhelden oft Probleme, die mit der voranschreitenden Zivilisierung aufkommenden, ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen zu akzeptieren. Auch Ivanhoe ist ein ehrbarer, w\u00fcrdevoller Verfechter alter Tugenden und Werte und muss sich mit Vertretern einer neuen \u00c4ra (den Normannen) auseinandersetzen. \u00dcberhaupt taugt die Auseinadersetzung zwischen Angelsachsen und Normannen gewisserma\u00dfen als Chiffre f\u00fcr eine Vielzahl von Konflikten der amerikanischen Historie. Neben <em>frontier<\/em>-Mythos und Westw\u00e4rtsbewegung w\u00e4ren da auch Unabh\u00e4ngigkeits- und B\u00fcrgerkrieg zu nennen.<br \/>\nHauptdarsteller Robert Taylor hat nicht zuf\u00e4llig in vielen Western mitgewirkt, bevor er ab den 1950er Jahren auf mittelalterliche und antike Stoffe abboniert schien. Ganz anders als sein ebenso erfolgreicher Genrekonkurrent Stewart Granger strahlt er eine ernsthafte W\u00fcrde und Melancholie aus, die wie geschaffen scheint f\u00fcr edelm\u00fctige Ritter oder adelige R\u00f6mer (<em>Quo Vadis<\/em>). Grangers Eleganz und gewitzter Charme gehen ihm dagegen v\u00f6llig ab. In Mantel- und Degenrollen w\u00e4re Taylor eine glatte Fehlbesetzung. Schwere Schwerter und Lanzen passen weit besser zu seiner Ausstrahlung als der filigrane Degen.<br \/>\nAuch im Ton gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen Taylors Ritterfilmen und Grangers Swashbuckler-Streifen. Schelmisch-ironische Bemerkungen und flapsige Bonmots sind zweifellos das Salz in der Suppe bei Klassikern wie <em>Scaramouche<\/em> oder <em>Beau Brummel<\/em>. Ein Ritter dagegen spricht nur das N\u00f6tigste und dr\u00fcckt sich so gew\u00e4hlt wie m\u00f6glich aus (f\u00fcr den &#8211; eher sp\u00e4rlichen &#8211;\u00a0Witz in <em>Ivanhoe<\/em> ist dann auch nicht der Titelheld, sondern sein treuer Knappe Wamba verantwortlich). Taylors Darstellung mag in Teilen etwas steif und h\u00f6lzern wirken, der historischen Wirklichkeit kommt der Film hier allerdings noch am n\u00e4chsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit:<br \/>\n<em>Ivanhoe<\/em> ist ein knallbuntes und in weiten Teilen zeitlos frisches Abenteuer aus der Glanzzeit des Genres. Eine wahre Flut von Ritterfilmen sollte folgen, das Original blieb allerdings in Punkto Schauwerten und Actionszenen unerreicht. So hat insbesondere das von Stuntmanlegende Yakima Canutt hervorragend inszenierte und choreographierte Ritterturnier von Ashby auch nach \u00fcber 50 Jahren nichts von seiner Spannung, Rasanz und Dramatik verloren. Mit Robert Taylor wurde eine Hauptdarsteller verpflichtet, dessen schwer- und edelm\u00fctige Ausstrahlung perfekt f\u00fcr die Rolle des integren und w\u00fcrdevollen Ritters passte. Sir Walter Scotts epische Romanvorlage wurde geschickt auf wesentliche Handlungsstr\u00e4nge und Figurenkonstellationen verdichtet. Eine historische korrekte Aufarbeitung der Zeit Richard L\u00f6wenherz bieten weder Vorlage noch Verfilmung. Schon die Verkn\u00fcpfung mit dem Robin Hood-Mythos spricht hier B\u00e4nde.\u00a0 <em>Ivanhoe<\/em> ist verschwenderisches\u00a0 Ausstattungskino im besten Sinne, das trotz einiger etwas h\u00f6lzerner Dialoge auch heute noch einen enormen Unterhaltungswert besitzt.<br \/>\n<strong><br \/>\n<span style=\"font-family: comic sans ms,sans-serif;\">(Rating: 9 \/ 10 Punkten)<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eThe black knight oder der w\u00fcrdevolle Abenteurer&#8220; Eine der bis heute beliebtesten Konstellationen im historischen Roman ist die Verkn\u00fcpfung eines fiktiven Einzelschicksals mit realen geschichtlichen Figuren und Ereignissen. 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