{"id":299,"date":"2018-05-07T18:42:11","date_gmt":"2018-05-07T18:42:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=299"},"modified":"2018-05-08T19:18:22","modified_gmt":"2018-05-08T19:18:22","slug":"299","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/vodkasreviews.de\/?p=299","title":{"rendered":"Stone Cold (1991)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Schon mal ein Eichh\u00f6rnchen auf Steroiden gesehen? Nein? Dann aber mal ran an &#8222;Stone Cold&#8220; und das fr\u00f6hliche Knacken der N\u00fcsse, die Arnold und Sly hinterlassen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Linebacker auf Rockerjagd &#8211; Cobretti, \u00fcbernehmen Sie!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quo vadis Actionkino? war Anfang der 1990er Jahre eine mehr als berechtigte Frage. Die alles dominierenden Platzhirsche hatten sich entweder vermehrt dem lukrativeren Family-Entertainment zugewandt (Arnie), oder ihren Zenit zunehmend erkennbar \u00fcberschritten (Sly). Das schaffte Platz f\u00fcr allerlei Anw\u00e4rter aus der zweiten Reihe (Steven, Jean-Claude), der wie wir heute wissen entschieden zu gro\u00dffl\u00e4chig f\u00fcr die bem\u00fchten Herren ausgefallen war. Seinerzeit war man da allerdings noch bester Hoffnung und lie\u00df neben den \u00fcblichen Kampfsportakrobaten auch mal den ein oder anderen Sport-Star ran. Football-Ikone Brian Bosworth ist ein solcher und der durfte 1991 mal so richtig auf die Kacke in Gestalt einer ganz \u00fcblen Rockergang hauen.<\/p>\n<figure style=\"width: 363px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"pswp__img\" src=\"https:\/\/ia.media-imdb.com\/images\/M\/MV5BMTY4OTA5NzMxN15BMl5BanBnXkFtZTcwODQ4MjM3NA@@._V1_SY1000_CR0,0,676,1000_AL_.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"537\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #ff6600;\">&#8222;The rocking squirrel&#8220; US-Filmplakat (\u00a9 Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. All Rights Reserved)<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Auftakt ist schon mal recht viel versprechend, wenn drei fiese Schurken einen schn\u00f6den Supermarkt st\u00fcrmen und sich neben bewaffnetem Raub\u00fcberfall auch gleich noch Geiselnahme aufs Kerbholz laden. Bl\u00f6d nur, dass der gerade suspendierte Cop Joe Huff (unser Brian) just im selben Augenblick nach Leckerlies f\u00fcr sein beschupptes Haustier kramt und so gar nichts gegen eine kleine Schie\u00dferei-Abwechslung einzuwenden hat. In bester \u201eCity Cobra-Tradition macht er sich seinen Spa\u00df mit den psychisch labilen und geistig debilen Hobby-Gangstern und degradiert das anger\u00fcckte FBI-Polizei-Gemisch zu bedr\u00f6ppelten Statisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem sympathischen Cobra-Ged\u00e4chtnis-Stil geht es dann so z\u00fcgig wie stramm weiter, soll hei\u00dfen, wir lernen den privaten Joe ein wenig n\u00e4her kennen. Der toppt Cobrettis Pizza-Scherenschnitt noch mit einem selbst kreierten Fitness-Shake, bestehend aus Orangensaft, Chips, Banane, zwei Snickers und zwei Eiern mit Schale sowie einem ordentlichen Schuss Tabasco. Das fertige Gebr\u00e4u trinkt er aber nicht etwa selbst, sondern serviert es seinem freudig erregten Haus-Waran im schicken Hundenapf. Ansonsten t\u00e4nzelt er gern im schwarzen Stringtanga durch sein Pastell-Loft und h\u00e4lt sich den ein oder anderen Model-Nackedei als willige aber ansonsten wohltuend unambitionierte Bettdekoration.<br \/>\nDas hat durchaus einen gewissen Stil, leider ist ihm dieser bei seiner Haarpracht g\u00e4nzlich abhanden gekommen. Die blondierte Vokuhila-F\u00f6nwelle ist so ziemllich die d\u00e4mlichste Frise in der epischen Geschichte d\u00e4mlicher Film-Frisuren. Bosworth sieht damit wie ein zweibeiniges Steroiden-Eichh\u00f6rnchen aus, was sein aufreizend leerer Blick immerhin kongenial komplettiert. Womit wir beim zentralen Problem des schneidigen Action-Vehikels w\u00e4ren. Zwar trieft die Hommage an Schwarzeneggers und Stallones Gro\u00dftaten aus allen verschwitzten Poren, aber der gute Brian blamiert sich im Charisma-Vergleich bis auf die knappe Unterhose. Wieder einmal wird damit deutlich, dass die Vorbilder unabh\u00e4ngig ihrer diskussionsw\u00fcrdigen mimischen F\u00e4higkeiten \u00fcber eine Leinwandpr\u00e4senz und Ausstrahlung verf\u00fcgten, die die gesamte Epigonen-Konkurrenz wie unbeholfen auf cool machende Dorftrottel aussehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss also den Wasserstoff-behelmten Potagonisten irgendwie akzeptieren, um bei \u201eStone Cold\u201c auf seine Kosten zu kommen, bei Erfolg warten dann aber ein paar ordentliche Haudrauf-Leckereien. F\u00fcr die sorgen vor allem Lance Henriksen und William Forsythe. Die beiden B-Action-Veteranen veredeln jeden Schurkencast und d\u00fcrfen als Rockerboss Chains Cooper (Henriksen) und dessen Handlanger Ice (Forsythe) dem Affen mal wieder so richtig Zucker geben. Ihr Berufsalltag besteht aus Erpressung, Prostitution, Dogengesch\u00e4ften und Mord, ein Alltag den sie erkennbar zu genie\u00dfen wissen und mit entsprechendem Feuereifer nachgehen. Zur Enstpannung gibt es dann das g\u00e4ngige Rockertreff-Entertainment-Programm: Pr\u00fcgeleien, Saufgelage und Lapdance-Animation mit anschlie\u00dfendem Praxistest. Der vom FBI eingeschleu\u00dfte Huff alias John Stone stellt ihre Beziehung schlie\u00dflich auf eine harte Probe, denn der um seine Position f\u00fcrchtende Ice ist von Beginn an (zu Recht) misstrauisch, w\u00e4hrend Chains (zu Unrecht) das gro\u00dfe Drogengeld wittert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sollte jetzt aber ja nicht Tiefgang, Drama und Milieustudie \u00e0 la \u201eSons of Anarchy\u201c erwarten. Wer dagegen Arnold als Undercover-Mafiosi in \u201eCity Hai\u201c toll und vor allem plausibel fand, der wird auch hier gl\u00fccklich werden. Der gute John Stone ist binnen Minuten ein lautstarkes Mitglied der Bruderschaft und sammelt geradezu spielerisch Beweise f\u00fcr ihre kriminellen Machenschaften. So richtig brenzlig wird es f\u00fcr den taffen Stone nie, schon gar nicht im erwartungsgem\u00e4\u00df hohl drehenden Inferno-Finale. Dort st\u00fcrmt die Bruderschaft mit Mann, Helikopter und Maus einen Gerichtssaal um ein inhaftiertes Gang-Mitglied frei zu ballern. Der kurz zuvor enttarnte Stone durchkreuzt diesen Plan in unnachahmlicher Einzelk\u00e4mpfer-Manier und beschert den vermeintlichen Rockerfreunden ihre ganz per\u00f6nliche Apokalypse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Circa 25 Millionen Dollar hat das von Michael Douglas coproduzierte Feuerwerk gekostet, ein Aufwand der offenbar samt und sonders in die Actionszenen floss (und an der Kinokasse leider nicht zur\u00fcck). Ob mit Faust, Wumme oder allerlei explosivem Material, hier gibt es in sauber getakteten und h\u00fcbsch kurz gehaltenen Abst\u00e4nden auf die Zw\u00f6lf, so dass der haneb\u00fcchene und mit recht d\u00fcnner Nadel gestrickte Plot angenehm in den Hintergund r\u00fcckt. Vom stets omnipr\u00e4senten Bosworth mitsamt seiner Nagetier-Haarpracht kann man das leider nicht behaupten, was den ganzen Spa\u00df dann wieder erheblich d\u00e4mpft. In solch tiefer gelegten Commando-Szenarien folgen wir n\u00e4mlich nur denen bedingungslos, die der ganzen Chose mit augenzwinkernder Coolness und nat\u00fcrlicher L\u00e4ssigkeit begegnen. Den schmalen Grad zwischen Huldigung und Karikatur zertrampelte Brian Bosworth allerdings ohne erkennbare Reflexion und trug so nicht unwesentlich zum Niedergang des K\u00f6rperkinos bei. Stone-cold ist seine Darbietung alllemal, aber eben auch stone-broke auf der Ausstrahlungs- und Sympathieskala. Ein Linebacker macht halt keinen Touchdown, h\u00e4tte man ja wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(Rating: 6 \/ 10)<\/p>\n<p>___________________________<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">(Bildmaterial: \u00a9Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. All Rights Reserved)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon mal ein Eichh\u00f6rnchen auf Steroiden gesehen? Nein? Dann aber mal ran an &#8222;Stone Cold&#8220; und das fr\u00f6hliche Knacken der N\u00fcsse, die Arnold und Sly hinterlassen haben. 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